mussmal hat geschrieben:Winnie, glaube mir, ich weiß wie das Leben mit mehreren Kindern ist, da brauche iche keine detaillierten Schilderungen - Du bist nicht die einzige Mutter hier.
Es ist so, dass Dein Kind nichts dafür kann, dass Du abends keine Kräfte mehr hast.
Ich bleibe dabei: ein Kind ins Bett zu stecken, weil man seine Ruhe habe möchte statt das Kind ins Bett zu stecken weil es müde ist, finde ich nicht dolle.
Entschuldige, wenn ich dich kritisiere, aber ich bin die einzige Mutter mit MEINEN Kindern. Genau dieses Art von Kommentaren macht für mich das Leben so schwer, weil IMMER das Totschlagargument kommt, dass ich mich entweder a) vollkommen um das Kind herumorganisieren soll oder b) mich vollkommen gegen das Kind durchsetzen soll, weil es klare Strukturen und Grenzen braucht.
Wenn deine Art des Umgangs mit deinen Kindern gut funktioniert, dann liegt es vor allem daran, dass es deine Kinder sind und nicht meine.
Das ist ungefähr so wie damals mit meiner zweiten Tochter, die ein Schreikind war. Nahezu ALLE Leute, denen ich davon erzählt haben, haben gesagt "Alle kleinen Babys schreien viel" und "Du musst es viel tragen" und "Wenn es nicht schläft, dann braucht es wohl den Schlaf auch nicht". Erst als ich dann in die Schreiambulanz gegangen bin, wurde mir dann zum ersten Mal gesagt, dass es nicht normal ist, wieviel meine Kleine schreit, dass ich aufhören soll, sie durch die Gegend zu tragen, und dass sie deswegen so viel schreit, WEIL sie den Schlaf eigentlich braucht und sich aber nicht alleine beruhigen kann.
Sie hatte eine Regulationsstörung und das hieß, ich musste sie schon mit wenigen Monaten nach der Uhr zum Schlafen zwingen. Ich musste sie schreien lassen und dabei die ganze Zeit meine Hand auf ihren Bauch legen, damit sie nicht alleine ist. Ihr Bauch war zu Anfang bretthart und irgendwann konnte man immer mehr spüren, wie sich ihre Bauchdecke immer mehr entspannt hat.
Meine Große hatte das als Baby nicht, aber ich habe das Gefühl, sie hat das jetzt.
Ich glaube, dass sie abends zwar müde, aber komplett reizoffen ist und alleine die Kurve nicht kriegen kann. Im dem Fall wäre es doch total verantwortungslos, wenn man dem Kind selber die Verantwortung dafür überlässt, ob es abends schlafen geht oder nicht.
Die Kinder schlafen jeweils in ihrem eigenen Zimmer und die kleine geht vorher ins Bett, also so zwischen 19 und 19:30 Uhr. Beide werden zusammen bettfertig gemacht und danach hat die Große noch eine halbe Stunden Zeit mit uns Eltern, in der wir entweder vorlesen oder uns unterhalten. Konkret ist das ganz einfach so, dass ich ihr sage, dass wir Erwachsenen uns einfach mal ohne die Kinder unterhalten wollen und keine Kinderspiele spielen, keine Kinderbücher mehr lesen und keine Kinderfragen beantworten wollen. Dafür ist ja der Nachmittag da.
Für die Kleine mit ihrer Regulationsstörung sind die Rituale und Grenzen offenbar klar genug und ich glaube, sie ist da ein ganz guter Seismograph.
Wir habe damals vor 2 Jahren auch mal mit dem Kinderarzt über ihr geringes Schlafbedürfnis gesprochen und er sagte zum Beispiel, dass es trotz allem sehr wichtig ist, dass sie auch nach dem Kindergarten auch noch eine Mittagsruhe macht, um sich "runterzufahren". Und ich muss ganz ehrlich sagen, das war für uns beide sehr wichtig, weil sie wirklch nach dem Kindergarten immer total aufgedreht war. Meistens hat sie dann oben in ihrem Zimmer Musik oder ein Hörspiel gehört und dabei gemalt oder was gebastelt. Diese Mittagsruhe findet aber im Moment wegen der Hausaufgaben nur stark verkürzt statt.
Die Kleine schläft immer noch jeden Mittag eine Stunde lang.
@alibaba: Du siehst, dass sich unsere Einstellungen und Ansagen zu dem Thema gleichen, aber der Unterschied ist, dass dein Sohn diese Regeln akzeptiert und nicht mit allen Mitteln der Kunst versucht, sie zu umgehen. Daher kannst du schlecht von Schuld sprechen, denn ich glaube, dass es gar nicht so sehr dein Verdienst ist, dass dein Sohn die Regeln akzeptiert, sondern einfach nur die Tatsache, dass er sich anscheinend nicht gegen so krasse innere Widerstände durchsetzen muss. Ich glaube, insgesamt sind dir diese Formen von Rebellion, die meine Tochter an den Tag legt, überhaupt nicht geläufig. Im Gegensatz zu meiner Tochter scheint dein Sohn echt willenlos zu sein und da ist es auch keine hohe Kunst, sich durchzusetzen. Wenn ein Kind sich seine eigenen Gedanken macht und seine eigenen Regeln erschafft, dann ist das nicht immer ein Zeichen von mangelndem Respekt, sondern einfach auch ein Zeichen, dass es sich selber und seine Bedürfnisse auch sehr ernst nimmt. Natürlich kann ein Kind lernen, die Elternzeit zu akzeptieren, aber es kann sich auch dafür entscheiden, es gute Gründe geben kann, die Regeln wieder zu brechen. An dem Punkt sind wir.
Das ist allgemein bei allen Autoritäten so, seien es Erzieher, Lehrer, die Schulärztin, meine Mutter oder sonstwer. Das Regelverständnis ist da, aber machmal kann sie einfach nicht aus ihrer Haut und riskiert gegen jede Vernunft, dass sie Ärger bekommt und mit den Konsequenzen leben muss. Ich habe sie jetzt in drei verschiedenen Kindergärten gehabt und sie ist jetzt seit einem halben Jahr in der Schule und alle Erziehenden Personen sagen einstimmig, dass sie noch nie so ein Kind erlebt haben und dass sie einfach macht, was sie will. Sogar meine Mutter sagt, dass sie nach zwei erwachsenen Kindern mit ihrem Latein am Ende ist, weil sie sie sagte: "Es gab bei euch immer einen Punkt, an dem ihr aufgegeben habt. Bei ihr gibt es diesen Punkt einfach manchmal nicht."
Die einzige Chance, die ich habe, ist nicht mit Druck zu kommen, sondern sie zu überzeugen.
By the way: Ich möchte mal eine Geschichte von meiner Uroma mütterlicherseits erzählen: Diese Frau war im Nationalsozialismus dermaßen sauer auf AH, weil ihr Mann und Vater der Kinder in Gefangenschaft geraten war, dass sie sich geweigert hat ihren Arm zu heben. Sie hat auch die Annahme des Mutterkreuzes verweigert und ist trotzdem noch 89 Jahre alt geworden. Auf der Flucht aus Ostpreußen stand sie vor dem Schiff, das vor der "Wilhelm Gustloff" ablegen sollte. Das Schiff war eigentlich schon voll und sie sollte das nächste Schiff nehmen. Sie hat trotzdem durchgesetzt, dass sie mit ihren 5 Kindern noch auf das Schiff kam. Und wie wir alle wissen, ist die Wilhelm Gustloff, also das nächste Schiff, danach mit allen Flüchtlingen an Bord gesunken. Ich denke, dieser Überlebensinstinkt und Mut zu eigenen Denken hat dafür gesorgt, dass es unsere Familie heute überhaupt gibt. Meine Mutter und meine Schwester waren beide extreme Frühgeburten und beinahe totgesagt und haben doch trotzdem überlebt.