Ja und nein, Alibaba.
Ich muss mich da mal kurz einschalten, weil es durchaus Situationen gibt, in denen es wichtig sein kann, zu zeigen, was man kann.
Bei uns ist das nämlich so, dass meine Tochter anscheinend eine sehr geringe Frustrationstoleranz hat und Dinge, die sie gerade eben erst beherrscht, fast nie zeigt, sondern einfach abwartet, bis sie es locker aus dem Ärmel schütteln kann. Ich weiß aber, dass sie es kann, da es seltene lichte Momente gibt, in denen sie das, was sie eigentlich kann, doch mal ausprobiert. So malte sie z.B. mit drei Jahren ihre ersten kompletten Menschen, aber dann wieder monatelang nur Krikelkrakel und hörte sich von ihren Spielfreunden tottraurig herablassende Kommentare an: "Du malst ja NUR Krikelkrakel!Du kannst das ja gar nicht!" Sowas beschäftigt sie und macht sie unglücklich. Aber trotzdem, gibt sie sich keine Mühe, sich selber zu zeigen, bzw. herauszufinden, was sie eigentlich alles kann. Sie geht also jeder Herausforderung aus dem Weg - man könnte ja scheitern. Aber dadurch hat sie auch nie echte Erfolgserlebnisse und ihr geringer Selbstwert kann sich auch nicht verbessern.
Das ist so zuhause und auch außer Haus.
Aber manche Dinge klappen auch zuhause und im Kindergarten nicht. Zum Beispiel das Spielen. Sie spielt ganz toll alleine und auch sehr gut mit ihrem kleinen Bruder und mit mir, obwohl wir beide gar nicht als Spielkameraden geeignet sind. Wenn Spielfreunde bei uns sind, versucht sie mit ihnen zu spielen, aber im Kiga traut sie sich überhaupt nicht.
Nun fängt sie langsam an auch da Kontakt zu suchen, aber kassiert häufig dumme Sprüche, wie: "Du bist nicht mehr meine Freundin!" weil die anderen ihre sehr fantasievollen, komplexen Spiele nicht verstehen, oder weil sie zu schüchtern und zaghaft auf die anderen zugeht bzw. einfach allgemein gehemmt ist und sich dadurch auch eben nicht wirklich natürlich benimmt.
Es wäre an dieser Stelle sicher einfach besser zu zeigen, was sie kann, denn dann hätten die anderen sicher auch mehr Lust mit ihr zu spielen, denn sie könnten von ihrem Ideenreichtum profitieren. Doch so läuft es letztendlich darauf hinaus, dass sie doch wieder alleine spielt, weil keiner der anderen Kinder so richtig versteht, wie und was sie da spielt und auf gleicher Ebene und in der selben Art und Weise mitmacht. Und wenn ein anderer nicht so mitmachen kann, dass es ihren Ansprüchen genügt, dann darf er halt gar nicht mitmachen.
Du siehst also, es geht mir dabei nicht direkt um solche Sachen wie Lesen und Schreiben oder Rechnen. Doch auch mit sowas kann man manchmal bei den anderen Kindern seinen Platz bestreiten (es kann aber natürlich genau so häufig total nach hinten losgehen). So stellte ein anderes Kindergartenkind z.B. verblüfft fest, dass meine Tochter fast schwimmen kann, wodurch sie ehrliche Anerkennung von den anderen Kindern erhielt und das tat ihr richtig gut. Ein anderes Mal sagte sie den Vorschulkindern die Anlaute von den Worten vor. Aber als sie selber dran war, hat sie Quatsch gemacht - denn das wäre ja eine Art Prüfung ihres Wissens gewesen. Aber die großen waren trotzdem beeindruckt und haben sie in diesem Moment ernst genommen.
Also Fazit: Ich denke die Kinder müssen gar nichts zeigen, wenn ihnen das zu doof ist. Aber wenn sie sich aus Schüchternheit oder Angst womöglich zu sehr aufzufallen, oder Minderwertigkeitskomplexen oder was auch immer verstecken, dann sollte man sie dabei unterstützen aus sich herauszukommen oder zumindest ihnen diese Tür öffnen.