Re: Erfahrungen von Kindergartenkindern
Verfasst: Sa 19. Okt 2013, 11:09
Hallo!
Schön, dass so viele Antworten eingetroffen sind, auf die ich vermutlich erst nach dem Wochenende eingehen kann.
Kein Problem habe ich damit, wenn der Bildungsstand des Personals beanstandet wird. Mal direkt, mal indirekt mache ich dies auch und riskiere es dadurch, mich bei Berufskolleginnen unbeliebt zu machen.
Allerdings erlebe ich in den letzten 15 Jahren eigentlich Akademiker in einem noch höheren Ausmaß als Verursacher einer zu schlechten Betreuung in Krippen und Kitas. Sie entwickeln Förderprogramme, die das Spiel der Kinder immer mehr zu einem fremdbestimmten werden lassen. Das, was Bildung hervorbringen soll, führt meiner Meinung nach eher zur Verdummung der Kinder und auch zur Verdummung ihrer Erzieherinnen.
Koschka, Kinder "müssen" nicht spielen. - Sie wollen es. Sie lieben es sogar und es tut ihnen richtig gut!
Besonders grotesk finde ich die verkrampften Bemühungen um die Bildung der Krippenkinder. In Fachforen ist immer wieder zu lesen, dass werdende Erzieherinnen von den Schulen Aufgaben bekommen, die für sie eine Qual bedeuten und deren Sinn man wirklich bezweifeln kann. Kleinkinder, die noch nicht laufen können, werden wegen der "Bildung" mit einer Zahnbürste in der Hand an Waschbecken gestellt, damit sie sich einen Zahn putzen können. - Es soll der Gesundheitserziehung der Kinder dienen, die motorischen Fähigkeiten schulen und so weiter... (Und Erzieherinnen, die derartiges öfter machen, Kinder bei Bedarf stützen und sich ihnen liebevoll zuwenden, ruinieren sich den Rücken!). Schülerinnen posten "Hiiiiiiiiilfe!!!" in Fachforen und überlegen, was sie mit 9 Monate alten Kindern basteln könnten... (Man nennt es heute Kreativitätsförderung, auch wenn es mit Kreativität nichts zu tun hat.) Und um ein weiteres Beispiel aus den letzten Fragen im Forum für Erzieher zu nennen: Wie vermitteln Erzieherinnen Kindergartenkindern (bei der Fachschülerin handelte es sich um Krippenkinder) etwas über die Blutgerinnnung?
Weder privat noch in Kindergärten haben mich Kinder gefragt, warum sie bluten. Sie besaßen die Gabe, etwas Natürliches erst einmal einfach hinzunehmen.
Im nächsten Frühjahr werden wieder eifrige Erzieherinnen im Stühlchenkreis mit Krippenkindern über die Fastenzeit reden.
Für die Erzieherausbildung gibt es eine Fülle an ziemlich schrägen, höchst sonderbaren Fachbüchern. Voll mit Instant-Rezepten im Stil von "Man nehme sounssoviel Kinder, folgende Requisiten und fordere die Kinder auf, mit dem Po zu wackeln und den Kopf zu schütteln... Falls ihr mal Zeit habt, seht euch doch mal am Tag der offenen Tür die Fachbücher der Erzieherinnen in eurem Kindergarten an. Das mache ich auf meinen Vertretungseinsätzen immer und ich finde die Kitas am besten, die vom Buchbestand der letzten Jahr nicht allzu viel bestellt haben. Viele junge Eltern, die einen Kindergarten besucht haben, in dem es locker zuging, können sich kaum vorstellen, wie verkrampft die Bemühungen um die Bildung der Kinder heute sein können. (nicht müssen)
Freundliche Grüße
Angelika
Und ein Link: http://www.unerzogen-magazin.de/archiv/ ... 354&mid=23
Schön, dass so viele Antworten eingetroffen sind, auf die ich vermutlich erst nach dem Wochenende eingehen kann.
Kein Problem habe ich damit, wenn der Bildungsstand des Personals beanstandet wird. Mal direkt, mal indirekt mache ich dies auch und riskiere es dadurch, mich bei Berufskolleginnen unbeliebt zu machen.
Allerdings erlebe ich in den letzten 15 Jahren eigentlich Akademiker in einem noch höheren Ausmaß als Verursacher einer zu schlechten Betreuung in Krippen und Kitas. Sie entwickeln Förderprogramme, die das Spiel der Kinder immer mehr zu einem fremdbestimmten werden lassen. Das, was Bildung hervorbringen soll, führt meiner Meinung nach eher zur Verdummung der Kinder und auch zur Verdummung ihrer Erzieherinnen.
Koschka, Kinder "müssen" nicht spielen. - Sie wollen es. Sie lieben es sogar und es tut ihnen richtig gut!
Besonders grotesk finde ich die verkrampften Bemühungen um die Bildung der Krippenkinder. In Fachforen ist immer wieder zu lesen, dass werdende Erzieherinnen von den Schulen Aufgaben bekommen, die für sie eine Qual bedeuten und deren Sinn man wirklich bezweifeln kann. Kleinkinder, die noch nicht laufen können, werden wegen der "Bildung" mit einer Zahnbürste in der Hand an Waschbecken gestellt, damit sie sich einen Zahn putzen können. - Es soll der Gesundheitserziehung der Kinder dienen, die motorischen Fähigkeiten schulen und so weiter... (Und Erzieherinnen, die derartiges öfter machen, Kinder bei Bedarf stützen und sich ihnen liebevoll zuwenden, ruinieren sich den Rücken!). Schülerinnen posten "Hiiiiiiiiilfe!!!" in Fachforen und überlegen, was sie mit 9 Monate alten Kindern basteln könnten... (Man nennt es heute Kreativitätsförderung, auch wenn es mit Kreativität nichts zu tun hat.) Und um ein weiteres Beispiel aus den letzten Fragen im Forum für Erzieher zu nennen: Wie vermitteln Erzieherinnen Kindergartenkindern (bei der Fachschülerin handelte es sich um Krippenkinder) etwas über die Blutgerinnnung?
Weder privat noch in Kindergärten haben mich Kinder gefragt, warum sie bluten. Sie besaßen die Gabe, etwas Natürliches erst einmal einfach hinzunehmen.
Im nächsten Frühjahr werden wieder eifrige Erzieherinnen im Stühlchenkreis mit Krippenkindern über die Fastenzeit reden.
Für die Erzieherausbildung gibt es eine Fülle an ziemlich schrägen, höchst sonderbaren Fachbüchern. Voll mit Instant-Rezepten im Stil von "Man nehme sounssoviel Kinder, folgende Requisiten und fordere die Kinder auf, mit dem Po zu wackeln und den Kopf zu schütteln... Falls ihr mal Zeit habt, seht euch doch mal am Tag der offenen Tür die Fachbücher der Erzieherinnen in eurem Kindergarten an. Das mache ich auf meinen Vertretungseinsätzen immer und ich finde die Kitas am besten, die vom Buchbestand der letzten Jahr nicht allzu viel bestellt haben. Viele junge Eltern, die einen Kindergarten besucht haben, in dem es locker zuging, können sich kaum vorstellen, wie verkrampft die Bemühungen um die Bildung der Kinder heute sein können. (nicht müssen)
Freundliche Grüße
Angelika
Und ein Link: http://www.unerzogen-magazin.de/archiv/ ... 354&mid=23