Momo hat geschrieben:Eine sehr interessante Erfahrung, da ich noch nie einen IQ oder EQ Test gemacht habe. Das Ergebnis hat mich zwar sehr positiv überrascht, aber spiegeln diese Zahlen wirklich meine kognitiven Fähigkeiten wieder? Dieser IQ Test fragt reines logisches Denken ab, ich dachte immer, das wäre nicht gerade meine Stärke. Meine Stärken liegen klar im kreativen, künstlerischen Bereich, die können so jedoch sehr schwer erfasst werden. Wie sind denn "richtige" IQ Test`s aufgebaut? Das ist wahrscheinlich sehr schwer zu beantworten, da es so viele unterschiedliche Varianten gibt. Übrig bleibt jedenfalls ein seltsames Gefühl und ich frage mich, ob diese Zahlen wirklich irgend etwas über das die wahren Fähigkeiten und über die "ganzheitliche" Intelligenz eines Menschen aussagen können

???
LG Momo
Hallo Momo,
... also der Mensa.se Test ist zwar verkürzt, aber es ist ein valider Test, es gibt ganz verschiedene Verfahren in der Intelligenzdiagnostik eine kleine Übersicht hier:
http://li.hamburg.de/contentblob/323309 ... nostik.pdf
es gibt im groben zwei Arten der Testungen, zum einen eindimensionale Tests, inbesonder kulturunabhängige Intelligenztest, oder auch ein Zahlenverbindungstest und zum anderen mehrdimensionale Tests bei denen mehrere Intelligenzaspekte überprüft werden wie z.B. der Hawik IV. Oft werden auf beide Verfahren kombiniert also z.B. eine ZVT (Zahlen verbinden) mit dem HAWIK IV für Kinder, oder dem HAWIE, seit 2013 neuer Name WAIS-IV für Erwachsene. Im Rahmen einer Hochbegabten-Diagnostik, aber auch bei Minderbegabungs-Diaknostik machen mehrdimensionale Test, die teurer, zeitaufwendiger sind und eine hohe Kompetenz vom Tester/in verlangen, mehr Sinn, da mit den Ergebnissen individueller und gezielter auf die Bedürfnisse von z.B. Kindern eingegangen werden kann, aber solch ein Zeitaufwand ist z.B. bei Gruppentest oft nicht möglich und dort wird dann auf Test zurück gegriffen, die schnell gehen und trotzdem valide Ergebnisse liefern, wie z.B. den ZVT.
Beim der Marburger Hochbegabten Studie, bei der 7023 Drittklässler getestet wurden
http://goo.gl/sE0WVW ,kamen z.B. drei Test zum Einsatz (CFT 20, ZVT, und ein Sprachtest ANA) und dort zeigte sich, dass jeder Test für sich schon ausreicht um eine Hochbegabung zu diagnostizieren, denn alle korrelieren untereinander und haben somit für sich alleine schon ein hohe Reliabilität.
Als Regel kann man sich merken, das man bei einem IQ-Test immer zu niedrige Werte erreichen kann (schlechter Tag, Nervosität, schlechte Prüfungsbedingungen usw.), aber man schneidet nie zu hoch ab. Mit zu hoch ist nicht gemeint, dass jemand mit einem IQ 100 nicht auch einen Test mit IQ 110 erreichen kann, aber es ist ausgeschlossen, das jemand mit IQ von 100 z.B. einen IQ von 135 in einem solchen Test erreicht. Man kann sagen das eine Varianz in eine IQ Test von 15 Punkten als normal angesehen werden kann (das entspricht einer Standardabweichung SD (für standard deviation), für den IQ - IQ145 3SD, IQ130 2SD, IQ115 1SD, IQ100 0SD, IQ85 1SD, IQ70 2SD, IQ55 3SD), aber eben nicht in beide Richtungen 15 Punkte (das gibt es, ist aber selten), sondern vereinfacht gesagt ist eine Abweichung von 7,5 Punkten nach oben und 7,5 Punkten nach unten möglich und in diesem Bereich bewegt sich dann der IQ, wobei Ausreißer nach oben wesentlich seltener vorkommen als solche nach unten.
Aber wie Du an den Standardabweichungen sehen kannst, jemand mit einem IQ145 ist, was seine kognitiven Fähigkeiten angeht, von einem normbegabten mit IQ100 genauso weit entfernt, wie dieser von schwer Lernbehinderten mit IQ55 und völlig wertfrei betrachtet muss das ja Auswirkungen auf das Miteinander und die Passung haben.
Liebe Grüße
Heiner