@Maca: ich finde sehr interessant was du da schreibst
Im Kleinen ist es bei uns ähnlich: unsere Kinder bekommen viele Angebote, aber das Interesse ist sehr unterschiedlich. Bin ja gerade am Urlaubsort (und tippe vom Hotel-PC) und da sehe ich jede Menge weltoffene, nette, engagierte Eltern, die bereit sind, ihren Kindern alles zu bieten. Die Kinder sind aber längst nicht immer bereit oder motiviert, das anzunehmen. Beispiel Schikurs: mir kommt manchmal vor mein Sohn ist eines der wenigen Kinder, die sich wirklich auf die Schikurs freuen. Andere Kinder kommen mit der Schilehrerin nicht so gut klar, finden es zu anstrengend oder zu langweilig oder würden einfach gern was anderes machen.
Wenn ich das riesige Angebot für Kinder-Aktivitäten sehe dann frage ich mich schon manchmal wie viele Kinder die ganzen Kurse, Workshops oder Seminare wirklich VON SICH AUS machen wollen, wie viele zwar fremdmotiviert sind, aber trotzdem Spaß haben, wie viele einfach mitmachen weil sie schon mal dabei sind und wie viele eigentlich ungern dabei sind, aber nicht gut genug kommunizieren können um das den Eltern klarzumachen bzw. einfach schweigen weil sie glauben, sie "müssen" da durch.
Mein älterer Sohn war als Kleinkind ein richtiger Klettermaxe. Überall ist er rauf, kein Klettergerüst war ihn zu hoch und ich (nicht schwindelfrei) bin mit meinem noch nicht mal 2jährigen Son manchmal voller Angst irgendwo in 2-3 Metern Höhe auf einem Klettergerüst gesessen und habe mich gefragt ob und vor allem wie wir da wieder runterkommen

. Damals hatte ich den Plan, ihm so früh wie möglich einen Kinder-Kletterkurs zu ermöglichen oder ihn beim Alpenverein anzumelden.
Etwa mit 2 Jahren meldete ich ihn dann für einen Eltern-Kind-Turnkurs an. War ein totaler Flop, während die anderen Kinder auf den Balken balancierten und Purzelbäume schlugen war mein Sohn hauptsächlich damit beschäftigt, die aufgedruckten Schriftzüge auf den Turnmatten und -geräten zu buchstabieren und machte bei allen Aktivitäten maximal halbherzig und nach mehrmaliger Aufforderung mit.
Und wie ging es weiter? Das Interesse am klettern ließ wieder nach, die Bereitschaft zu gehen war auch nicht sehr groß und der Plan wurde von mir wieder fallengelassen. Ebenso der Plan, meinem Sohn zu ermöglichen, ein Instrument zu lernen oder ihn in einem Sportverein mit wöchentlichem Training mal schnuppern zu lassen. Wahrscheinlich hätte mein Sohn mitgemacht wenn ich ihn wo angemeldet hätte, aber von ihm selbst kam kein besonderes Interesse dafür. Die Sportarten, die ihn wirklich interessieren, sind radfahren und schifahren. In beiden ist er auch ziemlich gut und man merkt, dass es ihm Freude macht. Sonst würde er nicht auch bei Schlechtwetter darauf bestehen, mit dem eigenen Rad in den Kindergarten zu fahren (natürlich in meiner Begleitung) und nicht nach 4 Stunden Schikurs noch freiwillig auf die Piste wollen. Ich muss ehrlich sagen dass mich gerade diese Interessen insofern freuen weil ich eine begeisterte Radfahrerin bin und mein Mann ein begeisterter Schifahrer ist

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Uns "zuliebe" hat er diese Interessen aber vermutlich nicht, denn wir sind beide auch gute und (in meinem Fall) begeisterte Schwimmer und Sohnemann konnte sich bisher noch nicht mal zum Seepferdchen motivieren und hat auch klar abgelehnt als im Sommer ein Kinder-Schwimmkurs angeboten wurde. Im Wasser planschen (mit Schwimmflügerl) liebt er, schwimmen lernen mag er von sich auch (noch) nicht. Aber er ist noch nicht mal 6 Jahre alt, daher sage ich mir dann (wenn ich etwas enttäuscht bin) dass dafür noch genug Zeit ist und tröste mich damit, dass ich selbst erst mit ca. 9 Jahren schwimmen gelernt habe.
Ach ja, er hat mehrmals kundgetan dass er so gerne wieder einen Gebärdensprachkurs machen würde um sich besser mit seinem Bruder verständigen zu können. Das werde ich ihm im kommenden Semester auch ermöglichen. Ansonsten war es das. Er hat seine Kurse im Kindergarten (englisch, raufen und rangeln, kochen und basteln) die ihn alle interessieren. Das reicht! Ich will ihm nicht noch mehr Dingen, die er gar nicht von sich aus will, "ermögichen" und ihm damit die Zeit für freies spielen nehmen. Denn genau DAS ist es, was mein Sohn täglich wirklich braucht: nicht verplante Zeit, die er so nutzen kann, wie es ihm gerade in den Sinn kommt: mit malen, lesen, basten, spielen, toben,...