unwissende-neu hat geschrieben:Ich habe aber doch noch ein paar ganz konkrete Fragen zum Alltag in der Schule:
1. Wie macht ihr es, ´wenn die Kinder ihre Hausaufgaben nicht machen? Wie weit bestraft ihr etc. Wann gebt ihr auf...
Beim Lesen verweigert sie aktiv und sagt: Ich will das nicht Lesen, es macht keinen Sinn, ich verstehe es nicht....., wenn ich sie versuche zu zwingen stellt sie sich bei jedem Buchstaben dumm, stottert irgendwas dahin u.s.w.
Daher habe ich die Leseübungen mit ihr schon ewig nicht mehr gemacht, blöd ist es nur, wenn es so Aufgaben sind, wo sie richtige Aussagen oder so zu ankreuzen müssen oder etwas malen müssen müssen, denn die Aufgaben hat sie dann natürlich auch nicht.
In Mathe oder bei Aufgaben so Phonologie oder beim Schreiben, verweigert sie inaktiv. Sie guckt Löcher in die Luft, man muss stänig antreiben bekommt dann ein " Ja doch!! " zu hören und es geht trotzdem nix vorwärts.
Momentan ist es so, das ich sie 1 Stunde sitzen lasse, was geschafft ist, ist geschafft, den Rest muss sie mit ihrer Lehrerin ausmachen. - Die aber auch nicht wirklich weiter weiß... Denn meine Tochter ist nicht frech oder so und es ist ganz schwer auszumachen, ob sie nicht will oder nicht kann.... - gut, beim Lesen weiß ich es, dass sie es kann....
Ich meine, die Lehrerin macht keinen Druck oder so. Aber irgendwie habe ich nun auch nicht das Gefühl, dass es irgendwann besser wird, im Gegenteil, sie sitzt es ja erfolgreich aus.....
Da mein Sohn den Großteil seine Hausaufgaben im Hort macht (wie die das dort schaffen weiß ich nicht

), haben wir die Situation nicht so häufig. Aber wenn mal was für zu Hause "liegen geblieben" ist dann frage ich meinen Sohn mal, wann ER denn die Hausübung machen will. Er sagt dann eine Zeit, zum Beispiel "am Samstag nach dem Frühstück". Ich merke mir das oder schreibe es mir auf. Am Samstag wird dann gleich in der Früh auf unsere Magnetwand (wo der Tagesablauf grob erklärt und dargestellt ist): "Nach dem Frühstück macht M...... seine Hausübung".
Wenn´s soweit ist erinnere ich und bleibe bei Gegenkommentaren wie "Aber ich will zuerst noch ein Bild von xxx malen" oder "Das ist ungerecht, der A..... (kleiner Bruder) muss keine Hausübung machen!" einfach stur. Zur Hausübung selbst sind wir bei geschlossener Tür am aufgeräumten Küchentisch ohne Tablett, Comics oder sonstigen Ablenkungen in Sichtweite. Ich selbst nehme mir meistens eine Zeitschrift oder ein Rätsel für mich mit. Dann macht mein Sohn seine Hausübung. Er sucht selbst aus, womit er beginnt, und das ist immer deutsch. Da klappt es meistens ohne Drama, ich muss aber danabensitzen weil sonst einfach nichts weitergeht. Bei der Mathe-HÜ jammert mein Sohn dann, wie schwer das ist und dass er es nicht kann (stimmt natürlich nicht), da unterstütze ich ein bißchen indem ich konkrete Fragen dazu stelle oder ihm vormache, wie man kompliziertere Rechnungen in die einzelnen Schritte zerlegt (er ist vom Wissen her vor der Basisgruppe und bekommt daher schwerere Aufgaben als die meisten Erstklassler). Wichtig ist, dass ICH Ruhe bewahre, nicht ständig rumnörgle, aber bei absichtlichem trödeln oder dramatisieren stark bleibe und darauf bestehe, dass weiter gemacht wird.
Bin aber - ehrlich gesagt - froh, dass es nur 1-2x im Monat vorkommt dass Sohnemann im Hort nicht mit der HÜ fertig geworden ist. Ob ich täglich die Kraft dazu hätte, wie beschrieben zu agieren, bezweifle ich

.
unwissende-neu hat geschrieben:
2. Trotz das sie doch gar nichts mit macht, ist sie recht beliebt in der Schule, und ich habe das Gefühl, die ganze Schule kennt sie, von der 1 bis zur 4. Klasse, aber vorallem die 4. Klassen. Sie ist auch ein ganz liebes Mädchen, extrem Diplomatisch, man kann sich nicht einmal mit ihr Streiten, wenn man schmipft, da sie sich in allen Richtungen herauswinden kann. Setzt sich gern für schwächere ein, ist aber selbst auch oft sehr naiv, lässt sich alles abschwatzen etc. Hat extrem viel Fantasie und kann aus allem ein Spiel erfinden und hat einen schönen trockenen sakastischen Humor, denn aber laut ihrer Aussage nur ein paar 4. Klassler verstehen....
Ich weiß ja nicht, wie es heute aussieht, aber bei uns früher war es so, dass wir die 1. Klassler nicht wirklich ernst genommen haben und sie häufig dann so eine Art Bauernopfer wurden. Ist das heute auch noch so? Ich traue der Sache nicht so ganz, dass sie immer mit den großen "rumhängt". Ich habe so ein bisschen angst, dass sie der Sache nicht gewachsen ist und dann leicht ausgenutzt wird....
So, wie du Deine Tochter beschreibst, ist sie der Sache sehr wohl gewachsen. Wenn sie den Gleichaltrigen voraus ist von den älteren Kindern akzeptiert wird ist das doch eine tolle Sache, die sehr dafür spricht, dass Deine Tochter eine starke Persönlichkeit ist, die von anderen "automatisch" akzeptiert wird. So Kinder kannte ich auch aus meiner Schulzeit. In der Hauptschule gab es einen Buben in meinem Alter (damals erste Klasse), der das Selbstbewusstsein hatte, vor Gruppen von Viertklässlern für andere Kinder einzutreten, die gehänselt wurden. Und dieser Bub wurde von allen ernst genommen - auch wenn er erst 10 Jahre alt war (und die anderen 13-14).
Für meinen Sohn würde ich mir IRGENDWELCHE Freunde wünschen - aber im Moment ist leider niemand in Sicht, weder gleichaltrig noch älter. Einzig EIN älteres Mädchen aus seiner Mehrstufenklasse dürfe ihn beim Schulstart als Freundin interessiert haben. Aber von der hat er auch schon lange nichts mehr erzählt.
Allgemein behauptet mein Sohn, NICHT gern in die Schule zu gehen. Begründung: dort ist es langweilig und ich kann nicht das machen, was ich gerade will! Und das, was dort unterrichtet wird, kann ich ohnehin schon alles!
Mittlerweile merke ich, dass an diesen Aussagen sehr wohl was dran ist. Mein Sohn ist extrem wissbegierig, liest sehr viel (und sehr schnell) und hat einen wirklich enormen Wissensstand. In deutsch bekommt er mittlerweile den Stoff der 2. Klasse, der ihm aber immer noch viel zu einfach ist. Er liest jetzt Kurzgeschichten mit so 5-10 Sätzen und muss dann dazu Fragen beantworten. Zu Hause liest er Kinderbücher mit 100 oder mehr Seiten in 2 Stunden aus und kann dann über den Inhalt eine perfekte Nacherzählung machen. Er interessiert sich für alles und schaut auch sehr gerne Wissenssendungen für Erwachsene. Dann gibt er seine Theorien über die Entstehung von Demenz zum besten oder erklärt unserer Leihoma in welche Phase der Embrionalentwicklung die Kiefer-Gaumen-Spalte entstanden ist. Oder er fragt wie ein Reaktorkern eines Atomreaktors aussieht und funktioniert. Oder wir haben eine Diskussion warum die Menschen nicht schon vor 100 Jahren erneuerbare Energie eingesetzt haben...
Im Sachunterricht gehen sie z.B. durch, was für Obstsorten es gibt und wo diese wachsen. Selbst wenn da mal was dabei sein sollte, was er noch nicht kennt, hat er es sich in nullkommanix gemerkt. Mittlerweile merke ich immer wieder dass er kognitiv tatsächlich so weit voraus ist, dass nicht mal Mehrstufenklassen-Unterricht in auch nur annähernd fordern kann.
Daher unternehmen wir in der Freizeit oft Aktivitäten, die eigentlich für ältere Kinder gedacht wären. Neulich waren wir bei einer Führung für Kinder von 6-10 Jahren im Museum für Heizungstechnik (ja, so was gibt´s in Wien!). Wegen des Schneefalls waren außer uns nur 3 Kinder da, alle deutlich älter als mein Sohn. Trotzdem war er der einzige, der alle Fragen, die der Führer gestellt hat, korrekt beantworten konnte, sei es, wie man in der Steinzeit Feuer hergestellt hat oder bei wie viel Grad Wasser kocht. Trotzdem hat er sich nicht gelangweilt weil er die Werte von gefühlter und tatsächlicher Temperatur in Kombi mit der Luftfeuchtigkeit (dort an einem Mitmach-Bildschirm dargestellt) auswendig gelernt hat.
Von Oma und Opa hat er neulich ein Buch "Antworten auf Kinderfragen" bekommen. Nach 10 Minuten reinblättern hat er es entnervt weggelegt mit den Worten "Das weiß ich doch schon alles!". Meine Eltern haben dann wahllos 3 Themen aus dem Buch rausgegriffen (z.B. was eine Oase ist) und festgestellt, dass mein Sohn wirklich zu diesen Fragen ein profundes Grundwissen hatte (natürlich nicht jedes Detail). Das Buch ist für 10-14jährige Kinder!
Insgesamt ist es eine echte Herausforderung, ein Kind zu haben, welches kognitiv total überdurchschnittlich ist. Aber im Gegensatz zu Dir, unwissende-neu, finden wir zumindest in der Freizeit immer wieder Dinge, die meinen Sohn echt begeistern. Sei es ins Bad gehen (er schwimmt gerne und gut und hat ganz viel Spaß beim planschen und spielen im Wasser), Kletterhalle oder eben Museumsbesuch oder Naturpark, Indoor-Spielplatz, Abenteuerspielplatz, etc.
Zu Hause haben wir aber auch manchmal die Situation dass er sich nicht aufraffen kann, sich anzuziehen, weil es in der Unterhose im Bett mit einem Donald Duck Heft ja so unheimlich bequem ist. Läßt sich aber sicher nicht mit Eurer Situation vergleichen. Ich wünsche Euch von Herzen dass deine Tochter auch was findet, was ihr wirklich Freude macht.