Koschka hat geschrieben:Keiner hat hier geschrieben, von einer unpassenden Klasse in die nächste zu wechseln. Die Aussage war eine Anderne: fühlt sich das Kind in seiner Haut nicht wohl, kann von Integration, egal welche Ursachen die Missstände haben, keine Rede sein. Unter Druck und Ausgrenzung wirken alle Defizite viel gravierender als in einer einigemaßen glücklicher Umgebung. Schlaue Kinder können ihre Defizite häufig sehr gut komensieren, so dass man nach außen kaum was merkt. Übersteigt der notwendige Maß an Anpassung ihre Grenzen, bricht ihr ganzes System zusammen und es kommt nur zur Stagnation. Je länger diese ungünstige SItuation besteht, desto mehr verfestigen sich die unerwünschten Verhaltensweisen. Daher halte ich die Strategie, "es wird ab der weiterführenden Schule besser" nicht unbedingt für günstig.
Koschka, da bin ich ganz bei Dir! Die Tochter einer Freundin, ein liebes, freundliches, soziales Mädchen, aber lernbehindert, war in so einer Situation. Sie war in einer I-Klasse mit Förderbedarf in allen Gegenständen. Dabei war es nur EINE Fachlehrerin, aber die war für das Mädchen unerträglich. Während die anderen Lehrer die Lernbehinderung akzeptierten, und dem Mädchen hoch anrecheneten, dass sie sich trotz ihrer Schwierigkeiten Mühe gab, wollte die Mathe-Lehrerin nicht einsehen, dass das Mädchen "so einfache" Rechnungen nicht hinbekommt. Es kamen so Aussagen wie "Wenn du das wieder falsch machst, schneide ich dir den Kopf ab und stelle ihn auf mein Nachtkästchen!" die sicher schwerzhaft gemeint waren, aber das Mädchen in furchtbare Angst versetzten. Mehrere Gespräche mit der Lehrerin und dem Klassenvorstand haben keine Besserung gebracht. Nach außen war sie ein ruhiges, "braves" Kind und in der Klassengemeinschaft war sie gut integriert. Es schien nicht so schlimm zu sein.
Es folgten lange Monate von psychosomatischen Schmerzen und immer-weniger-erzählen, bis das Mädchen (damals 12) komplett verweigerte, in die Schule zu gehen. Sie stand einfach nicht auf! Was auch immer meiner Freundin sagte, sie blieb stur im Bett liegen. Als sich abzeichnete, dass es keine einmalige Aktion war, und sich die Verweigerung über Wochen hinzog, konnte man nicht mehr zusehen und das Mädchen wurde stationär auf einer Abteilung für psychisch kranke Kinder aufgenommen, wo sie ein halbes Jahr! blieb. Erst DANACH kam der Schulwechsel und siehe da - andere Schule, andere Situation, und plötzlich klappte der Schulbesuch wieder. Das Mädchen hatte leider weiterhin manchmal psychosomatische Schmerzen, wenn sie von Situationen in der Schule überfordert war, es ging aber nie mehr so weit, dass es zur Totalverweigerung kam.
Ich kann nur von der eigenen Erfahrung meines Sohnes im Hort machen und da ist früher-jetzt absolut kein Vergleich! Es war bei ihm noch längst nicht so schlimm, dass er total verweigert hätte, aber die Anzeichen (unerklärliche Wutausbrüche, extreme Überdrehtheit, psychosomatische Schmerzen) waren schon da! Und der Unterschied zwischen passender und unpassender Situation am Nachmittag hat - zumindest bei uns - auch ganz viele andere Schwierigkeiten gemildert.
Ich habe schon Eltern kennengelernt, die einen Schul- oder Klassenwechsel überlegt haben, weil dort mal EINE unpassende Situation war. Ein gut integriertes Kind aus dem Kindergarten meines älteren Sohnes hat KIGA gewechselt, weil der Vater meinte, dort wären zu wenig gleichaltrige Buben, mit denen sich sein Sohn "messen" könne. Ein Wechsel aus solchen Gründen käme für mich nicht in Frage.
Eltern merken selbst am besten, ob das Kind über längere Zeit Leidensdruck hat, oder ob mal eine ungute Situation war, die jedoch in ein paar Tagen wieder vergessen sein wird. Und hier ist die Beschreibung von Yara eindeutig in der Richtung, dass Leidensdruck besteht. Wenn das Kind immer wieder mal wegen Bauchweh von der Schule geholt werden muss, ist gröber war nicht in Ordnung. Ebenfalls GAB es schon Gespräche mit Lehrern und Schule, aber von dort keine Einsicht und keinen Handlungsbedarf im Sinne des Kindes.
Von der Warte sehe ich das andenken eines Klassen- oder Schulwechsels gar nicht als "locker-lässig" sondern als Notwendigkeit!