...wenn er schonmal einen Test gemacht hat - welcher war das denn?
Meine Mädchen haben ja mit 9;5 (die Große) und 5;1 (die Kleine) den WISC V gemacht und mir wurde danach sehr ausführlich alles erklärt und gezeigt. Immer auch Beispielaufgaben etc.
Ich fand die Aufgaben sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet (ich habe direkt selbst Lust bekommen, den Test zu machen

) und sie hatten absolut genau gar nichts mit dem zu tun, was in der Schule so an Aufgabenstellungen kommt.
Darum sehe ich die Gefahr, dass ein Kind, was von Schulaufgaben genervt ist, dann auch in so einem Test verweigert, eher nicht so groß.
Meine Große wusste übrigens dass es ein IQ Test ist, sie hatte vorher mehr oder weniger heimlich schonmal in einigen meiner Bücher über Hochbegabung herumgelesen. (Obwohl ich diese Bücher immer so ein bisschen versteckt hatte). Außerdem hatte ein Kind im Bekanntenkreis bei einer Untersuchung, bei der es in erster Linie um Verhaltensaufälligkeiten ging, auch einen IQ Test mitgemacht und ich hatte ihr davon erzählt. (Da kam u.a. eine deutliche Hochbegabung im Bereich Sprache heraus, wenn auch das Ergebnis insgesamt nicht im HB Bereich war)
Damals meinte sie, sie würde so einen Test furchtbar auch gern mal machen.
Ich denke, sie wollte selbst einfach wissen, was mit ihr "los" ist, sie empfand sich selbst ja schon im Kindergartenalter als "anders".
Sie hatte mich sogar vorher im Zusammenhang mit den Büchern gefragt, ob ich denn denke, sie könnte hochbegabt sein.
Sie hat dann beim Test nahezu 3 Stunden hintereinander und ohne Pause durchgearbeitet. Nur mal nen Schluck Wasser hat sie sich gegönnt.
Sie fand die Aufgaben ganz schön schwer, aber sie haben ihr auch Spaß gemacht.
Sie dachte hinterher übrigens, dass sie eher schlecht abgeschnitten habe.
Der Kleinen hatte ich gesagt, dass der Test herausfinden soll, wie alt ihr Kopf schon ist, weil er ganz offensichtlich schon älter als die kalenderarischen 5 Jahre ist und weil wir dann überlegen würden, ob sie schon in die Schule gehen sollte.
Die Aufgaben seien so, dass sie leicht anfingen und immer schwerer würden und dann eigentlich für viel ältere Kinder schon sind. So könne man ganz gut herausfinden, wie alt ihr Kopf wirklich sei, wenn er die schweren Aufgaben schon lösen könne. Und dass sie nicht traurig sein solle, wenn sie mal was nicht kann, dann wären das vielleicht eben einfach die Aufgaben, die dann schon für 7, 8, 9jährige oder noch ältere Kinder gelten.
(Ich wollte nicht, dass sie sich verunsichern lässt, wenn sie an die Leistungsgrenze gerät.)
Sie hat dann beim Test mehrere kleine Essenspausen gemacht und in einem Bereich wohl sehr schnell gesagt, dass sie die Aufgaben nicht weitermachen mag. (Das war dann der Bereich, wo sie mit 109 den schlechtesten Wert hatte. Visuelle räumliche Verarbeitung.)
Ich hätte eigentlich gerade in dem Bereich ganz gute Werte erwartet, weil sie von Anfang an so gern räumliche Dinge bastelte, aber wer weiß, was da los war, wir waren auch erst eine Woche vorher mit etwas Jetlag von einer Fernreise zurückgekommen, hatten am Abend vorher eine Familienfeier gehabt und sie war gesichert davon auch bisschen müde an dem Tag.)
Trotzdem hat das Kind gesagt, die Aufgaben hätten ihr Spaß gemacht und die Testleiterin meinte, sie habe insgesamt für ihr junges Alter sehr gut mitgemacht, sehr konzentriert und geduldig.
Beide Mädchen hatten übrigens im Bereich Logik die höchsten Werte, obwohl ich jeweils eher bei der Sprache ein Peak erwartet hätte.
Ich fand das schon ganz interessant, zu erfahren, wo sie ihre ganz besondere Stärken haben.
Ich würde deinem Sohn sagen, dass der Test wichtig für ihn sei, weil es in der Schule ja nicht so gut liefe und man herausfinden könne, woran es liegt.
Dass es manchmal passiert, dass Kinder schneller oder anders denken als andere und dann Probleme mit den "normalen" Aufgaben in der Schule haben.
Ansonsten mache ich dir leider nicht viel Hoffnung, dass ein entsprechendes Testergebnis wirklich viel bewirkt bei der jetzigen Lehrerin, wie du sie beschreibst.
Eine gute Lehrerin braucht keinen Test, um ein Kind "einzufangen", was in der Schule unter- oder überfordert ist.
Für mich klingt es bei eurer Lehrerin nicht nach der Bereitschaft dazu.
Ein Junge im Bekanntenkreis war deinem Kind sehr ähnlich, wurde ab Mitte Klasse 1 zum Klassenkasper und benahm sich im Schulalltag nicht wie gewünscht. Er ging förmlich "über Tische und Bänke".
Ein Test zeigte eine deutliche Hochbegabung.
Seitens der Schule kam dazu: Er solle sich als erstes mal benehmen lernen, DANN könne man über Sonderbehandlung und besondere Förderung/Aufgaben reden.
So lange er sich im Unterricht nicht benimmt, gibts keine Extrawurst. Und er müsse beweisen, dass er die einfachen Sachen könne, eher er vertiefende Aufgaben bekommen würde.
Also das 7jährige Kind wurde quasi allein verantwortlich gemacht dafür, wie es läuft.
Nach einigen fruchtlosen Gesprächen, bis hin zur Schulleitung, wechselte besagtes Kind die Schule. In eine Schule, die sich ein wenig besser mit Hochbegabung auskennt (sie wurden für solche Kinder regelmäßig von einer Beratungsstelle unterstütz) und dort wurde es wohl zumindest besser.
Übrigens - bezugnehmend auf dein anderes Thema - galt dort ein etwas "strengeres Regiment" und das Kind wurde ganz anders behandelt.
Es wurden ihm anderen Aufgaben gegeben, aber es wurde auch mehr von ihm gefordert. Das waren keine Zusatzaufgaben/Sternchenaufgaben, sondern Aufgaben, deren Bearbeitung er nachweisen musste, da war nichts mit Freiwilligkeit oder so. Kein Kuschelkurs. ABER: dem Jungen wurde was angeboten und er sollte dann seinen Teil dazu beitragen, dass und wie es läuft – nicht andersrum, wie es in der anderen Schule laufen sollte.
Das Konzept ging für den Jungen wohl am Ende gut auf.
Meine große Tochter (die Kleine kommt erst noch in die Schule) war/ist ganz anders: still, zurückhaltend, brav. Saß immer ganz hinten und sagte keinen Mucks. Sie langweilige sich vor sich hin und malte ständig oder schaute aus dem Fenster und beobachtete die Vögel draußen im Baum. Was ihr von den meisten Lehrern immer wieder verboten wurde.
Nach dem Test ende Klasse 3 gleich am Anfang Klasse 4 gab es ein Gespräch über das Testergebnis und obwohl die Lehrer meinem Kind grundsätzlich gewogen waren, weil sie ja so schön brav und unauffällig war, passierte danach nicht viel.
Einziger großer Unterschied war, dass sie (nicht bei allen, aber bei einigen Lehrern) endlich, wenn sie fertig war mit ihren Aufgaben, im Unterricht ungestört malen durfte, ohne ausgeschimpft zu werden.
(Lesen durfte sie aber bspw nicht.)
Selbst die supernette Klassenlehrerin war leicht pikiert, als ich erwähnte, dass mein Kind sich ihn der Schule langweile. Sie sah das als persönlichen Angriff auf ihre Unterrichtsgestaltung.
Ich habe ihr weitergegeben, wie man so ein Kind mit einfachen Mitteln fördern kann (Bspw Wochenaufträge, die zusätzlich im Unterricht erarbeitet werden können, einen Vortrag vorbereiten oder ein Plakat gestalten. Zwar zu einem Thema der eigenen Wahl, also gern über etwas, was das Kind selbst interessiert, aber trotzdem mit Abgabepflicht. Also nicht nur zur Beschäftigung, sondern so, dass es einen Termin dafür gibt und das Kind was abzuliefern hat. Und es muss dann natürlich auch ein Feedback vom Lehrer dazu geben.
Klingt eigentlich nicht ach viel Extraarbeit für den Lehrer oder?
Trotzdem bekam meine Tochter in der gesamten Klasse 4 nur 1,2 mal die Gelegenheit zu sowas. (Und es war sehr deutlich, wie sie dabei aufblühte! Obwohl sie vorher sich Zusatzaufgaben gegenüber immer ablehnend verhalten hatte, was natürlich prompt auch als Vorwurf kam von den Lehrern: "Sie will ja gar keine Extraaufgaben! Was sollen wir denn da tun?"
Ich hatte übrigens auch eine Telefonnummer von der Beratungsstelle bekommen, wo sie Lehrer hätten anrufen können um sich beraten zu lassen, was man mit "solchen Kindern" anfängt.
Keiner der Lehrer hat diese Nummer genutzt... keiner hatte Interesse und Zeit für ein einziges Telefonat... und das waren wie gesagt an sich nette, gewogene Lehrer, die nichts gegen mein im Schulalltag unkompliziertes Kind hatten...
Aber so ein Kind steht auf der Prioritätenliste schlicht ganz weit hinten und die Eltern müssen das Bitteschön allein abfangen.
Oder eben, wie bei dem Jungen oben, so ein Kind macht war Ärger und bringt Unruhe rein, aber dann muss es erstmal lernen sich zu benehmen, ehe man was machen kann.
Ich fürchte, selbst bei einem deutlichen Testergebnis wir das bei euch nicht viel anders sein.
Außerdem ist mir jetzt auch schon mehrfach begegnet, dass als erstes die Frage kommt: Ist das Kind wirklich hochbegabt oder nur in einem Teilbereich voraus?
Auch gern von Lehrern gesagt: "Naja, eine Hochbegabung how so ein Testergebnis sagt ja erstmal noch gar nichts aus. Man muss die Begabung ja auch einsetzen können. Da sind ganz an der Sachen wichtig, Leistungsbereitschaft etc"
Mag stimmen, aber die Leistungsbereitschaft und Motivation kommt eben meist nicht aus dem luftleeren Raum, das muss sich entwickeln und es braucht ein passendes Lernumfeld/passende Herausforderungen und da haben die Lehrer - ganz besonders in so jungem Alter - einen sehr großen Einfluss darauf.
Wie schon hier mehrfach geschrieben: Lehrer und andere vom Thema "unbeleckte" haben leider immer nur den Hochleister im Kopf, wenn sie vom Thema Hochbegabung hören.
Und wenn jemand kein Hochleister ist, liegt das natürlich am Elternhaus und da "muss noch was anderes sein", was das Kind abhält, seine Begabung einzusetzen.(Sicherlich ist die Schule allein nicht Ursache für Underarchievment, aber es spielen viele Dinge mit rein und die Schule ist da ganz sicher EIN Rädchen, an dem dabei drehen kann!)
Ich hab aber immer den Eindruck, dass das Kind als "nicht passend" als Ausrede genommen wird, dass man ja da nichts machen könne, weil ja das Kind nicht wie gewünscht funktioniert/mitzieht.
Es liegt, wenn es in der Schule nicht läuft, leider IMMER am Kind, manchmal vielleicht noch am Elternhaus, nie aber am Unterricht/dem Lernumfeld.
Testergebnis hin oder her.
Also was ich sagen will:
Erwarte dir was die Schule betrifft nicht allzuviel von dem Testergebnis.
Trotzdem finde und fand ich den Test für uns sinnvoll und hilfreich.
Ich würde deinem Sohn aber jetzt auch nicht versprechen, dass sich in der Schule danach groß was verbessert, ich würde erstmal nur sagen, dass ihr wissen wollt, was er besonders gut kann und wo sein Kopf besonders schnell denkt. Und das man dann zumindest gezielter überlegen könnte, wo und was man an der Schulsituation vielleicht ändern/verbessern könnte.
Und ansonsten: manchmal hilft am Ende eine Schul-/Klassenwechsel. Siehe der Junge, den ich oben erwähnte.