PS: Leicht autistische Züge und ungewöhnlich heftige Wutausbrüche, Weinen und Heulen, begleitet von solchen für Eltern sicherlich besorgniserregenden Äußerungen, wie sie dein Sohn da macht ("Ich bin zu dumm!", "Ich bin zu gar nichts nütze!", "Keiner braucht mich!", "Ich wär am liebsten gar nicht da!") kenne ich von meiner großen hb-Tochter auch.
Wie ein Pendel, was sehr stark ausschlägt, dauert es dann bei ihr auch noch ewig, eh sie wieder "in ihrer Mitte" ist.
Früher dauerte das dann mitunter stundenlang, den halben oder ganzen Tag, ehe sie nach so einem "Anfall" wieder "normal" drauf war. (Inzwischen gehts etwas schneller)
Sie machte allerdings nie was kaputt, schlug keine Türen, schmiss nichts rum, sondern richtete ihren Zorn gegen sich selbst – schlug sich dann selbst mit einer Heftigkeit, dass ich es nicht ansehen konnte oder biss sich in die Hand.
Sie sagte auch selbst mehrfach, dass sie manchmal so eine unbändige Wut in sich hat, dass sie am Liebsten alles kaputt machen würde. Was sie sich aber nicht traue. (Und auch nie gemacht hat)
Das kam besonders oft im Vorschuljahr vor (vorher eher selten) und zog sich durch fast die gesamte Grundschulzeit.
Der Leidensdruck bei ihr war auch hoch, weil sie sich dann auch noch zusätzlich über ihre so heftigen Ausraster ärgerte.
Das war u.a. auch ein Grund für den Test und ein Besuch bei einer (leider nicht auf hb spezialisierten) Psychologin.
Letzteres war dann leider eher kontraproduktiv bzw ein Reinfall.
Attestiert wurden ihr jedenfalls u.a. auffällige Werte im Bereich Neurotizismus und ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Sie sei damit anfällig für Angststörungen und Depression und wir sollten eine Therapie mit tiefenpsychologischem Ansatz machen. (das hieße im Grunde, danach zu suchen, was in frühester Kindheit womöglich schief gelaufen ist)
Ich selbst bin inzwischen der Meinung, dass das alles durchaus mögliche und nicht ganz ungewöhnliche "Begleiterscheinungen" hoher Begabung sein könnten... siehe den verlinkten Flyer oben. Und sie eher eine Art Coaching statt einer Therapie braucht.
Übrigens passierten die Ausfälle auch ausschließlich zu Hause. Ich glaube, keiner außerhalb hat mein Kind je so erlebt und kann sich das bei ihr überhaupt vorstellen, weil sie sonst so beherrscht (sogar eher ungewöhnlich kontrolliert!) und vernünftig ist.
Nach der HB-"Diagnose" (+ Hochsensibilität) und vielen Gesprächen mit mir, warum sie so fühlt, warum sie alles so stark empfindet, sich als "anders" wahrnimmt, und der Erkenntnis, dass sie damit im Grunde eine "normale Hochbegabte + Hochsensible" sei, und keine "auffällige Normale", wurde es wesentlich besser. Meinem Eindruck nach begann sie danach, sich zumindest ansatzweise mit sich selbst zu versöhnen. (Und auch ich sehe manches jetzt in anderem Licht, bin gelassener)
Auch wenn es noch nicht ganz weg ist. Aktuell sticht sie bei solchen Anfällen aber wenigstens auf ein extra dafür von uns hergestelltes Wutkissen ein (mit ihrer Schere

), statt sich selbst zu schlagen oder zu beißen.
Und sie hat jetzt immerhin zum Ausgleich auch viel öfter sehr fröhliche Phasen, in denen sie ausgelassen und albern ist, was in der Grundschulzeit nicht allzuoft vorkam.
Und mit ihren besten, "ausgewählten" Freunden zusammen ist sie auch immer gut drauf - witzig, locker, frech...
Darum denke ich, dass es bei ihr ein Passungsproblem (bzw eine "Anpassungsstörung") war/ist, die mit ihrer hohen Begabung + Hochsensibilität zusammenhängt und soweit "normal" ist – zumindest, wenn ein bestimmer Persönlichkeitstyp mit Hochbegabung zusammenkommt und die Passung nicht optimal ist. (Was bei HB ja nunmal fast zwangsläufig der Fall ist)
Nach den "Big five" der Persönlichkeitspsychologie wäre bei meiner Tochter eine stark ausgeprägte Dimension ihrer Persönlichkeit der Neurotiszismus (= emotionale Labilität und Verletzlichkeit), dazu kommt die hohe Beobachtungs-/Wahrnehmungsgabe, große (Selbst-)Reflektion und die hinter der vorauseilenden kognitiven zurückgebliebene emotionale Entwicklung plus das Problem, dass es nicht allzu viele Peers gibt, die einen ähnlich hohen IQ haben, was zum Gefühl der Fremdheit/Andersartigkeit führt ...
Das IST einfach eine schwierige Mischung! Die muss man erstmal aushalten und austarieren lernen!
Allerdings glaube ich fest dran, dass all diese Dinge letztendlich auch zum Positiven genutzt werden können, ihr viel nützliches "Werkzeug" in die Hand geben, um einen guten Weg für sich und zu sich zu finden.
Aber das braucht einfach Zeit und Reife.
Bis dahin muss ich mein Kind vor allem stärken und unterstützen. Und nicht pathologisieren.