Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Es geht nicht nur um Budget. Der Verzicht auf Noten ist kostenlos. Die alte Mirkowelle würde auch keinen überfordern. Das Problem ist im Kopf, in den Regeln, in der Bürokratie, in den halbherzigen Maßnahmen. Bei der Schule hatte ich das Gefühl, es ist alles erlaubt, was nicht verboten ist. Selbst bei unseren Grundschule mit einem sehr jungen engagierten Rektor, der auch selbst ein toller Lerher ist, scheint alles verboten zu sein, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Die anderen Grundschulen in der Gegend sind noch viel unflexibler.
Es ist kein Geheimnis, dass Pädagogik im Norden von Europa der deutschen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus ist. Aber statt was zu übernehmen, basteln wir aktiv selber: G9, G8, wieder G9. Mehr Druck, Konkurenz, Leistung, noch mal Druck. Die Generation, die jetzt entscheidet, weigert sich das Selbstbild von den jungen Erwachsenen sich anzusehen. Selbst die Generation will nicht mehr schuften, nicht mehr sich kaputt arbeiten. Freizeit ist für sie viel mehr Wert als für unsere Generation. Es gibt immer mehr Eltern, die ihre Kinder bewusst nicht in die Krippe und Kindergarten geben. Man ist nicht mehr bereit alles zu tun, um auf Kariereleiter höher zu klettern.
Die Generation unserer Kinder wird noch legerer sein. Die Kreativität wird noch mehr gefragt. Die Berufe, die Fleiß und Sorfalt erfordern, werden digitalisiert, und die fleißigen und gehorsamen werden es auf dem Arbeitsmarkt immer schwieriger haben. Es ist nicht so, dass immer schlauerere Leute gefragt werden. Nicht alle sollen gleich KI programmieren gehen. Ein Altenpfleger, eine Krankenschwester, ein Lehrer brauchen eine Seele, ein inneres Gleichgewicht, Großzügigkeit, Herz und Toleranz. Das Bildungssystem irgnoriert diese Aspekte vollkommen und erzieht weiterhin den Gehorsam, den Fleiß, die Frust.
Das ist alles richtig was du sagst und ich bin deiner Meinung. Vor Jahren habe ich mal einen Bericht über das skandinavische Schulsystem gesehen und war restlos begeistert und als es daran ging unseren Sohn einzuschulen, umso resignierter, dass hier in Deutschland "alles beim alten" geblieben ist.
Nichts desto trotz sind manche Dinge (extravagante AG's oder Nachtmittagsprogramm etwa) schon AUCH eine Budgetfrage, darunter auch das Budget für mehr Personal. Auch werden Lehrer nicht unbedingt sehr gut bezahlt. Menschen, die etwas erreichen wollen, die Ehrgeiz haben und engagiert sind, wollen eventuell auch einfach auch besser vergütet werden. Es gibt natürlich auch die Gutmenschen, die mit Herz und Seele den Job als Lehrer ausüben und denen es egal ist, dass sie nicht viel ausrichten können (nur in ihrem kleinen Kosmos) und nicht gut bezahlt werden, aber viele von ihnen gehen nach ein paar Jahren dann auch desillusioniert in einen anderen Beruf, weil sie merken, dass das gesamte System nicht passt UND man an anderer Stelle mehr erreichen kann (sowohl inhaltlich als auch finanziell).
Wir haben im Bekanntenkreis und familiären Umfeld sicher an die 10 Lehrer. Das sind alles gute, kluge, engagierte Menschen. Von Sonderpädagogen, über Grund- und Hauptschullehrer über Gymnasiallehrer ist alles dabei. Auch eine Waldorflehrerin.
Nicht alle von diesen Menschen kommen gut in ihrem Beruf klar und das nicht, weil sie nicht theoretisch dazu in der Lage wären, sondern weil ihnen von außen Grenzen gesetzt werden oder weil sie als Person "zu weich" sind und eben nicht damit klar kommen, nicht allen Kindern gerecht werden zu können. Diejenigen, die am besten mit ihrem Beruf klar kommen, sind tatsächlich die, die nicht so viel von ihrem Herz und ihrer Seele in den Beruf legen. Sie schützen sich. So kommen sie zurecht.
Es gibt sicherlich sehr viele tolle potenzielle Lehrer da draußen. Nur ein verschwindend geringer Teil davon WIRD auch Lehrer. DAfür aber jede Menge andere halbmotivierte Menschen, die nicht wissen was sie werden wollen und sich den Job als Lehrer mit den vielen Ferien einfach vorstellen.
Ansetzen müsste man schon an der Ausbildung der Pädagogen, dem gesamten "Konzept" Schule. Auch DAS wäre
unter anderem eine Budgetfrage. Es werde nicht genug Mittel dafür locker gemacht und es ist auch nicht gewollt, dass sich zu viel ändert. Eine richtige Reform erfordert neben, Engagement, Zeit und Geld auch Mut. Das fehlt uns Deutschen oft.
Stattdessen setzt man auf "Inklusion" im altbewährten System und das funktioniert im Alltag nicht.