alibaba hat geschrieben:Momo hat geschrieben: Mir fällt auf, dass keiner von Euch darauf vertraut, dass Kinder lernen WOLLEN. . Ich merke schon jetzt, wie gut ihr diese Schule tut und ich vertraue ihr, dass sie die Dinge lernen wird, die sie in ihrem Leben braucht und letztendlich auch für Prüfungen, wenn sie diese dann machen möchte.
Ach Momo.

Vielleicht mag es daran liegen, das dein Kind hochbegabt ist, vielleicht mag es daran liegen, das Du die Schulwelt noch die die Rosarote Brille siehst, da alles im Moment noch frisch ist und dein Kind motiviert ist. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich das als frische 1.Klässler-Mama auch so geschrieben hätte, vielleicht mag es daran liegen, das wir hier nur konservative Schulen durchlaufen haben.....keine Ahnung. Aber meine Kinder wollen etwas Anderes lernen als in Schule vermittelt wird. Und was hinzu kommt, den Sinn des Lernens, nehmen wir das Fach Physik, leuchtet ihnen gar nicht ein.
Meine gehen gerne in die Schule, aber wenn sie das lernen dürften, was sie nur wollen, dann wäre das bei meinem Vor-Pupertier nur Computer und bei meiner frischen 5.Klässlerin nur Freunde. Schule- Warum? Ich bin doch eingebettet in eine Hülle. Habe Essen, fahre in den Urlaub, bekomme was ich möchte.......es mangelt an nichts. Der Sinn des Lernens, nach Erwachsenenmaßstäben, ist (noch) nicht verstanden. Meine damals frischen 1.Klässler hätten das auch noch anders bewertet. Lernen - super. Aktuell - lernen ein notwendiges Übel. Gestern wieder der Kampf um die Vokabeln........es war nicht der Erste und es wird nicht der Letzte gewesen sein.
Würde ich meinen Kindern "vertrauen", dann würden sie nicht das lernen, was sie später, im Erwachsenenalter, benötigen.
VG
Nur mal am Rande: wie viel davon und wie oft benötigst du im Alltag oder Berufsleben bspw die "höhere" Physik, die im Gymnasium "dran" war?
Ich war immer ziemlich gut in Naturwissenschaften, habe ein Studium mit Abschluss Dipl.Ing. wo viele naturwissenschaftliche und technische Fächer Pflicht waren. (Nachrichtentechnik, Elektrotechnik, Physik, Mathe, Informatik...)
Fast NICHTS davon ist hängengeblieben. Trotz guter Noten. Einfach weil es mich zumeist nicht interessierte und weil ich es nicht wirklich brauchte.
WENN ich aber mal etwas brauchte, dann habe ich es mir haste-nich-gesehen schnell und effektiv selbst angeeignet.
Wir hatten z.B. eine Vorlesung "Medientheorie". An sich fand ich das hochinteressant, aber die Professorin ging gar nicht, die war völlig verquer. So schwänzte ich die Vorlesungen regelmäßig. Kurz vor der Prüfung suchte ich mir dann Skripte und Texte im Internet zusammen zu den Themen, die behandelt wurden und lernte das alles nach.(Ein ganzes Semester in 2-3 Nachmittagen) Ich habe die Prüfung, die insgesamt sehr schlecht ausfiel, dann mit "gut" bestanden.
Oder Elektronik/Elektrotechnik Thema Dreistromtechnik. Habe ich in der öden Vorlesung nicht so recht kapiert. Vor der Prüfung gründeten wir eine Lerngruppe und setzen uns bei einem Freund in der WG zusammen hin. Auch diese Prüfung war dann schnell und gut abgehakt.
Oder Beispiel Sprachen: Ich habe in der Schule Russisch und Englisch gehabt, weil es halt Pflicht war. Ich habe gemacht, was ich machen musste, weil es Noten gab. Konnte ich hinterher russisch oder englisch?
Nein!
Das erste Mal eine Sprache wirklich motiviert und mit Erfolg gelernt habe ich, als es mich wirklich interessierte. Das war mit 15 Jahren Esperanto. (Damals fuhr ich zu diversen Esperantotreffen und war höchst fasziniert davon, mich mit so vielen verschiedenen und höchst interessanten Menschen aus verschiedensten Ländern so unkompliziert unterhalten zu können.)
Später hatte ich einen arabischen Partner. Da habe ich dann bisschen arabisch gelernt und auch die arabische Schrift zu lesen.
Englisch sprechen habe ich erst auf Reisen gelernt...
Die Dinge, die in meinem Leben von Bedeutung waren, habe ich mir meistens selbst bzw aus eigener Motivation heraus angeeignet.
Und so viel unkomplizierter und effektiver, als alles, was im Unterricht dran war!
Aktuell arbeite ich als Grafikerin. Das hat jetzt nicht allzuviel mit dem zu tun, was ich studiert habe. Das Studium gab wichtige Impulse, aber die Fähigkeiten, die ich im Berufsleben brauche, habe ich eher nicht aus dem Unterricht der Schule und den Vorlesungen des Studiums.
Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das wirklich alles so sinnvoll ist, wie es im jetzigen Schulsystem funktioniert oder ob es nicht ganz andere Ansätze gibt, die sehr viel besser sind. Wie bspw. das freie Lernen.
Nur weil etwas etabliert ist, heißt es nicht, dass es gut ist und noch in die jetzige Zeit passt...
Ich könnte mir z.B. ein Schulsytem vorstellen, wo es Ansprechpartner und Stunden zu bestimmten Themen gibt, den Kindern aber selbst überlassen wird, welche "Vorlesungen" sie besuchen, ob sie lieber entsprechende Projekte machen wollen (wo die fachkompetenten Ansprechpartner nur bei Bedarf befragt werden) oder doch Unterricht/Vorträge haben/hören wollen etc.
Man darf auch nicht vergessen, dass es heutzutage so viel leichter ist, sich selbst Wissen zu beschaffen, als früher.
Früher blieb maximal der Gang in die Bibliothek - so eine erreichbar. Heute findest du fast alles fast jederzeit online, vom Sprachkurs über Sachfilmen zu allen möglichen und unmöglichen Themen bis hin zu Lern-Tutorials. (Ich lerne bspw grad per Onlinetutorial Ukulele)
Und durch die Medien wirst du auch ständig mit einer Vielzahl von Themen und Informationen konfrontiert, die zu weiterreichenden Fragestellungen führen.
Das gabs früher so alles nicht... Das musste dann natürlich u.a. die Schule anbieten. Die Welt ist viel kleiner und gleichzeitig viel größer geworden.
Ich denke, dass die Schule/das Schulsystem da noch sehr hinterherhinkt... ich finde sie nicht "falsch" und sicher bietet sie nach wie vor sehr viel, aber ich denke, sie passt langfristig gesehen einfach nicht mehr so richtig gut zur heutigen Zeit.
Wie viel besser wäre es, zu fördern, dass die Kinder selbst lernen - die richtigen Fragen zu stellen und an der richtigen Stelle Antworten zu finden - statt sie zu einem Großteil "ungefragt" mit Informationen zu berieseln, die sie in dem Moment weder interessieren, noch sich langfristig merken?
Ich selbst war immer ein vielseitig interessiertes Kind und behaupte, das trifft auf fast alle Kinder zu. Ich würde wohl ganz von selbst die Abwechlsung suchen und irgendwann nicht mehr nur toben und spielen wollen.
Ich war grad mit Freunden und deren und meinen Kindern in den Alpen.
Was denkst du, wie viele tiefgehende Fachfragen die 7jährigen hatten "ganz nebenbei". Zur Enstehung des Gebirges, wieso man da Muscheln finden kann, wo das Wasser in den Bergbächen eigentlich herkommt, wieso das Gestein so in Schichten vorkommt, wie eigentlich Steine entstehen, warum sie so verschiedene Farben haben, wie so eine Seilbahn eigentlich funktioniert .......etc pp.
Und im Urlaub hat man dank Schulferien und entspannter Eltern so viel mehr Zeit, über sowas zu reden.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die Kinder in der und durch die Schule weniger "Pflichtprogramm" hätten und mehr Zeit für solche Erlebnisse und Fragen... *träum*
Wie viel mehr würden sie dann wohl lernen und erfahren? Und wie viel besser würde es sich einprägen?
Man trifft ja innerhalb eines Themas eigentlich immer auch auf Nebenthemen, wo dann bspw plötzlich doch auch Physik, Chemie etc eine Rolle spielen und dann muss sich dann darin fit machen, um voranzukommen...
(Aktuell: Tochter hat vom Fall Peggy gehört und den neuen DNA-Spuren. Ein wunderbarer Aufhänger, um über DNA zu sprechen.)
Was mich immer sehr angeödet hat, war das - leider sehr häufige - "berieselt Werden" mit Wissen, wozu mir der aktuelle und praktische (und emotionale) Bezug völlig fehlte.
Im damaligen Sprachunterricht z.B. (Damals war man noch nicht überall von englischer Sprache umgeben und an Fernreisen war in der DDR eh nicht zu denken. Bzw kurz nach der Wende aus finanziellen Gründen auch lange nicht.)
Ich bin übrigens insgesamt gern in die Schule gegangen(zumindest ins Gymnasium, an den Grundschulunterricht erinnere ich mich wenig), hatte viele Freunde und viel Spaß mit ihnen und es gab im Unterricht durchaus oft Themen, die mich begeistert haben. Ich mochte neben Kunst, Musik und Sport z.B. Deutsch sehr gern und Geographie. Zeitweise auch Mathe, Biologie und Physik. (Das hing vom Lehrer ab!)
Vermutlich war aber - so rückblickend betrachtet - trotzdem ein Großteil meines Schulunterrichts so ziemlich vertane Zeit. Bzw maximal eine Lektion zum Thema Anpassung und Stillsitzen. Wer weiß, wie viel besser ich die Zeit hätte nutzen können...
Und was für ein Glück, dass mir das Lernen immer so leicht fiel, dass ich genug Freizeit hatte, in der ich den Dingen nachgehen konnte, die mich wirklich interessierten.
Das ist ja mit der heutigen Schule scheints leider heute auch nicht mehr ganz so, dass nicht auch noch die Freizeit von schulischen Dingen reduziert wird.