Hallo,
die Probleme meines Sohnes scheinen massiver als ich selbst bisher annahm. Die KL hat mich gestern angerufen, es war ein gutes und produktives Gespräch. Aber es hat mich auch leider in meinen schlimmsten Befürchtungen bestätigt
Sohnemann selbst sagt seit Donnerstag, dass er zurück in die alte Klasse will. Grund: er vermisst die Kinder aus seiner Klasse. Allen voran wohl seinen besten Freund, da er ja coronabedingt im Schulalltag komplett von seiner alten KLasse separiert ist und eine Durchmischung derKinder auch in der Pause nicht erlaubt ist. Er macht mir Sorgen. Ich habe meinen Sohn so noch nie gesehen. Er ist in einem sehr schlechten Gemütszustand und zeigt nun auch neben den üblichen "adhs-igen" Verhaltensweisen, wie Hyperaktivität und Impulsivität und mangelnde Konzentration bei vielen Dingen auch deutliche Defizite in der sozialen Interaktion...
Die KL berichtet: Sohnemann benimmt sich als würde er nicht dazugehören, als beträfe ihn das alles garnicht. Er macht im Unterricht zwar mündlich wie bisher gut mit (zu gut, er meldet sich selten, ruft ständig rein, aber immer themenbezogen), aber wenn eine schriftliche Stillarbeit ansteht, spielt er mit seinem Lineal Laserschwert

, steht auch ab und zu auf, hampelt herum. Er kippelt die ganze Zeit mit dem Stuhl. Sie hat ihm einen schwereren Stuhl gegeben. Er kippelte weiter. Das war ihr zu gefährlich, sie hat ihm den leichten Stuhl wieder gegeben. Er sucht keinen aktiven Kontakt zu den anderen Kindern und zeigt wenig Interesse. Es klappt super mit den Tests. Sie hat bereits in der 1. Woche einige Schnelltests (Blitzrechnen, "das kann ich schon", Rechtschreibung, etc.)gemacht. Er hat durchgehend gute bis sehr gute Leistungen abgeliefert. Gute meist aus Zeitgründen (nicht fertig geworden) oder Flüchtigkeitsfehler. Er hat auch noch Probleme mit der Heftführung und seinem Schriftbild, aber das ist nicht weiter schlimm, sagt die KL, das würde sich sicher bald bessern. Sie ist auch ganz begeistert wie schnell Sohnemann versteht und dass er so fit ist. Nur sozial klappt es eben garnicht.
Er berichtete: er hat schon einen neuen Freund (seinen Banknachbarn), in der Pause spielen alle Jungs aus der Klasse zusammen, er spielt mit (sie spielen fangen. ER ist der Gejagte, die anderen fangen NUR ihn, aber ihm gefällt das, weil er schneller ist als die anderen). Er kennt bereits einige Namen und kann diese Kinder auch trotz Gesichtsblindheit schon ziemlich gut erkennen. Am 1. Tag war er noch hellauf begeistert, am 2. Tag hat er nur noch vom Unterrichtsstoff erzählt und von der Pause. Am 3. Tag hat er nichts erzählt. Am 4. und 5. hat er gesagt, er fühlt sich irgendwie nicht wohl, er möchte zurück in die 2. Klasse. Auf meine Nachfrage woran das liegt, sagt er, er vermisst die Kinder aus seiner Klasse. Er mag die Kinder in seiner neuen Klasse auch, aber kennt sie halt noch nci ht. Er mag auch seine neue Klassenlehrerin (laut seiner Aussage, ist sie genau so nett wie die alte). Den neuen, anspruchsvollen Stoff findet er super.
Die KL hat auch ihre persönlichen Rückschlüsse mir preisggeben: es scheint ihr, als ob ihn diese ganzen "normalen" Schulregeln einfach total einengen und einzwängen und ihn richtiggehend erdrücken. Er bemüht sich, schafft es aber einfach grade nicht. Egal wie oft man ihn ermahnt. Er musste sogar schon einmal die Pause drinnen verbringen (er ist einen 3m hohen Zaun hochgeklettert, 2 Tage hintereinander, am 2. Tag ist er sogar DRÜBER geklettert, nach mehrmaliger Ansagem, dass er da nicht hochklettern darf!! Das ganze ist im Spieleifer passiert. Es war keine "Flucht"). Sie merkt, dass er sehr gut "runterkommt" beim lesen und würde das auch nutzen, wenn er das nächste Mal sehr unruhig ist (motorisch) und ihm eine Auszeit mit lesen anbieten. Auch will sie ihn, wenn sie merkt, es ist "zu viel" raussetzen, damit er die Aufgaben draußen erledigen kann. Er tut ihr leid, aber sie ist jetzt schon gut mit ihm beschäftigt. Ihr fällt auf, dass es in der 1:1 Situation überhaupt keine Probleme gibt! Weder bei der Ausführung von Aufgaben noch bei der Einhaltung von Regeln. Aber sobald mehrere Kinder dabei sind, im Raum sind, fühlt er sich quasi nicht angesprochen /(auch bei allgemeinen Arbeitsanweisungen). Sie fragte ob wir einen Schulwechsel auf ein alternatives Schulsystem in Erwägung ziehen würden (haben wir ja bereist. Waldorf lehnte ihn schon vor der Einschulung ab, Montessori zum Halbjahr nach der Hospitation, auch aus sozialen, bzw. Verhaltensgründen!). Sie fragte dann gezielt nach einer Schule, die ausschließlich mit Hochebgabten arbeitet. Ich antwortete ihr, dass wir bis dahin noch bis zum Gymnasium durchhalten müssen

. Sie sagt es ist definitiv KEINE Lösung ihn zurück in die 2.Klasse zu schicken. Kognitiv ist er in der 3. KLasse sehr gut aufgehoben und sein soziales Rücksäckchen nimmt er ja mit, egal wohin er geht. Sie ist ratlos und auf meine laut ausgesprochenen Gedanken zum THema ADHS und ASperger sagt sie, sie habe sowohl Autisten als auch ADHSler kennen gelernt, aber die seien noch viel auffälliger gewesen. Aber sie verstehe was ich meine, er habe so von beidem "ein bißchen" was. Ich erklärte ihr, dass ich vermute, dass die HB seine eigentlichen Defizite sehr gut verschleiert. Das fand sie auch aufschlussreich. Wir versuchen ihn nun also erstmal so zu behandeln, wie man ein reizüberflutetes Kind mit einer eventuellen Wahrnehmungsstörung behandeln würde und schauen ob das hilft. Ich schilderte ihr auch, dass ich das Verhalten so von ihm kenne, dass das immer auftaucht, wenn eine große Veränderung inklusive Änderung des Sozialgefüges stattfindet (Kita-Wechsel, Einschulung... Hospitatoin Schulwechsel, jetzt der Sprung), dass ich deswegen auch gegen den Sprung gewesen sei und zusätzlich nicht einschätzen konnte, wie sich DAS auf die kognitiven Fähigkeiten auswirkt. Tut es sicherlich, ich denke ohne den emotionalen Stress wäre er noch besser ins neue Schuljahr gestartet.
Nach diesem Gespräch habe ich mit ihm gesprochen. Ich wollte wissen, ob er sein eigenes Verhalten erlkären kann oder seine Gefühle. Er sagt weiterhin er kann es nicht gut beschreiben (er, der sonst jeden Sachverhalt, jedes Buch, alles sehr präzise und wortgewandt beschreiben kann, hat mit der Beschreibung seiner eigenen Gefühle große Probleme). Ihm fehlen im wahrsten Sinne des Wortes die Worte dafür. Ich habe es mit einer Metapher versucht, damit gelang es ihm sehr gut, zu beschreiben wie er sich fühlt.
Übersetzt bedeutet das:
Er scheint sich komplett isoliert von den anderen zu sehen, möchte gern Anschluss, hat aber keine Ahnung wie er es anstellen soll und fühlt sich so als ob er nicht dazu gehört (deswegen benimmt er sich wohl auch so. Was verständnlich ist. Was ich seltsam finde ist, dass er es nciht VERSUCHT). Alles um ihn herum ist ihm grade zu viel, zu Neu, er kann vieles nicht richtig einschätzen, das macht ihm dann auch Angst. Das "spielen" und kippeln und so weiter sind Schutzmechanismen, er kapselt sich tatsächlich einfach von seiner Umwelt ab und taucht in seine eigene Welt ein. Er ist schlicht emotional grade schwer überfordert. Mit dem spielen zieht er sich aus der Situation heraus.
Neuerdings zieht er sich auch zu Hause zurück und mir fallen Dinge auf, die beim angedachten Schulwechsel von der Rektorin als Begründung für die Ablehnung des Wechsels galten, die ich aber damals ncoh garnicht nachvollziehen konnte, weil er sie in unserer Gegenwart nicht zeigte. JETZT zeigt er sich auch in unserer Gegenwart. Es ist z.B. offensichtlich, dass ein Kind interesse hat mit ihm zu spielen (steht da und starrt ihn an und lächelt) und er ist so sehr mit was anderem beschäftigt, dass er sogar, wenn man ihn darauf aufmerksam macht nicht darauf eingehen kann (oder will?).
Ich bin besorgt. Ich werde jetzt handeln (Ergo, KJP, was auch immer). Es geht so nciht weiter. Meine Vermutung, dass wir hier einen ADHS/Asperger/HB Jungen zu Hause sitzen haben wird immer "lauter". Ich kann das nicht weiter immer nur auf die Begabung schieben, auch wenn es zwei Experten zuvor so begründet haben. Es geht so nciht mehr weiter.
Wir wissen auch absolut nicht, was wir jetzt konkret mit dem Klassensprung machen sollen. Er will ja zurück! Aber er hat auch Angst vor der Langeweile. Wir haben ihn gebeten es noch 1 Woche zu probieren. DAnach sehen wir weiter.
Ich würde gerne mit ihm zum Psychologen, mein Mann will nicht. Er sieht sich selbst ganz extrem im Sohn wieder. Er hat gestern deswegen sogar geweint. Ich glaube, das is tauch der Grund warum er nicht so genau "hinsehen mag". Es ist zu nah, es hat zu viel mit ihm selbst zu tun. Wenn mein Sohn Asperger hätte, wüssten wir woher. Das will ER nicht rausfinden. Noch nicht.
GRüße von einer ziemlich fertigen Meine3