Springforelle hat geschrieben:
Dann frage ich auch gleich hier, ob eure Kinder auch so anstrengend waren als Kleinkind.
Derzeit ist er mitten in der Autonomiephase, und das Ausmaß ist erschreckend.
Ich weiß mir oft nicht mehr zu helfen.
Natürlich ein allgemeines Thema, das alle Kinder in dem Alter betrifft, aber sind da HBs noch "ärger"?
Hallo Springforelle,
ich kann nicht sagen ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Intensität der Trotzphase und HB, aber alleine aus meinen persönlichen Erfahrungen heraus, würde ich sagen, dass HB's im allgemeinen nicht dazu neigen, eine besonders ausgeprägte Trotzphase zu haben.
Mein Bruder (als Erwachsener getestet, HB) war ein unentdecktes 'HB-Kind und so lammfromm, dass es schon nicht mehr normal war. Er ließ die Trotzphase also sozusagen aus. Ich übrigens auch ( getestet mit einem umfangreichen, aber nicht standardisierten Intelligenz und Eignungs-Test im Rahmen des Ausbildungsauswahlverfahrens mit knapp über 99%, also vermutlich bin ich auch HB, aber vielleicht war das auch nur "Glück"

). Ich hatte quasi keine Trotzphase, zumindest behauptet meine Mutter das und ich kann mich auch nicht dran erinnern

. Dafür war die Pupertät dann heftig und ich bin früh ausgezogen

, auch bei meinem Sohn kam die Pupertät dann heftig und da gabs einige Probleme.
Mein Neffe, jetzt 19, ist höchstbegabt. Der war als Kind auch sehr lieb und brav, die Autonomiephase sehr mild. Auch jetzt in der Pupertät ist er ein sehr ausgeglichener Mensch. Er ist perfektionistisch und hat hohe Ansprüche an sich selbst. Aber er hat eben tendenziell eher immer geweint als Kleinkind, wenn was nicht gelang und wurden nicht wütend oder bockig... Die Nichte (nicht getestet, aber Geschwister liegen ja oft recht nah beieinander mit dem IQ) hingegen hatte eine sehr ausgeprägte laaaaaange Trotzphase. Mein Bruder sagte immer: XX war in der Autonomiephase und die wurde dann von der Pupertät abgelöst

.
Ich habe 3 Kinder, 2 davon sind aus der Autonomie-Phase raus, eins ist grade am rauswachsen. Mein Sohn (8,5 Jahre alt, getestet, teil-höchstbegabt, G-IQ 128) hatte eine heftige; aber kurze Autonomiephase, die auch SEHR früh begann. Es ging mit ca. 15 Monaten los und endete kurz vor seinem 3. Geburtstag. Bei ihm äußerte sich die Trotzphase so, dass er immer wieder Tage hatte, an denen er mich mit seinem Verhalten wirklich teilweise zum weinen brachte (weil er wenn er dann wütend war, MEINE Grenzen absolut nicht anerkannte und mir schlagend und schreiend hinterher rannte, wenn ich dem Gebrüll kurz entkommen wollte) und längeren sehr ruhigen Zeiten dazwischen. Im Alter zwischen 3 und 5 war mein Sohn das kompromissbereiteste und verständigste Kind, dass ich in dem Alter je kennen gelernt habe. Das änderte sich dann zwar mit 5,5-6 ziemlich aprubt, aber das hatte andere Gründe.
Meine Tochter (die Mittlere grade 7 geworden, nicht getestet, aber ich vermute, dass sie zumindest gut überdurchschnittlich intelligent ist, vermutlich im 120er-Bereich) hatte eine normale Autonomiephase, aber es ging auch recht früh los (15 Monate) und endete mit 4 Jahren ziemlich plötzlich. Sie war SEHR zickig

und hat schnell geweint und wurde auch zornig, aber die Wut war nicht so überschäumend und zur Not konnte ich das brüllende Kind auch einfach mal toben lassen und die Szenerie kurz verlassen, um durchzuatmen. Das gabs bei meinem Sohn halt nicht. Dafür gab es bei ihr in dieser Zeit keine längeren Phasen, in denen sie nicht bockig war. Sie war es quasi ständig, mal mehr, mal weniger.
Bei meiner Jüngsten (4 Jahre und 5 Monate alt) ist die Trotzphase eigentlich vorbei. EIGENTLICH. Aber sie ist einfach auch sehr perfektionistisch und hat sehr genaue Vorstellungen wie etwas zu laufen und zu funktionieren hat und wenn es nicht so läuft, wie sie es will, kann sie schnell sehr frustriert sein. Sie hat einfach momentan noch eine sehr niedrige Frustrationsschwelle. Aber der "unbegründete" Trotz, den gibt es so nicht mehr und sie lässt auch mit sich reden. Bei ihr ging es auch früh los. So mit 15-16 Monaten.
Was ich also anhand meiner Erfahrungswerte sagen kann ist, dass die Intensität der Autonomiephase wohl eher charakterlich bedingt ist und nicht mit der Intelligenz unmittelbar in Verbindung steht.
Wo ich einen Zusammenhang mit "Trotz" oder Frustration sehe: Sehr perfektionistische Kinder neigen dazu schneller frustriert zu sein, und je nach Charakter äußert sich das in Wut oder in Weinen oder Aufgabe, aber auch da: mein Sohn ist kein Perfektionist, absolut nicht

, eher Minimalist, die Mädels sind wiederum sehr perfektionistisch.
Mein Sohn lässt NICHTS an sich machen.
Weder Popo auswischen, Zähne putzen, Gesicht waschen, anziehen etc.
Meine Jüngste auch nicht. Sie ist SEHR eigen mit ihrem Körper. Haare kämmen, Zähne putzen, Haare waschen. Oi

... Alles nicht so einfach. Popo abwischen lassen findet sie hingegen okay. Sie ist ziemlich sicher hochsensibel und einfach sensorisch sehr empfindlich, daher mag sie viele dieser "Körperhygiene"-Dinge nicht. Auch das anziehen oder die vielen Kleidungsschichten im Winter, wo sich dann Falten bilden etcpp., findet sie wirklich schlimm. Da kann sie richtige Wutausbrüche bekommen. Aber dafür muss man nicht hochbegabt sein, da reicht es, hochsensibel oder oder anderweitig sensorisch schnell überreizt zu sein.
Auch bei sämtlichen anderen Tätigkeiten ist er pedantisch und pingelig.
Wieder der Perfektionismus. Sehe ich aber eher losgelöst von der Intelligenz. Ich bin selbst auch in vielen Bereichen ein großer Perfektionist, mein Bruder, meine Schwägerin und ihre Kinder auch extrem, meine Mädels auch. Mein Sohn, nö. Der ist meist mit sich selbst und seinen Ergebnissen zufrieden.
Kennt ihr das auch? Wie seid ihr damit umgegangen?
Ich denke, das muss man für sich selbst herausfinden. Da gibt es kein Patentrezept.
Ich finde es sehr wichtig, den Kindern eben grade nicht alles recht machen zu wollen. So läuft es im Leben nicht und so lernen sie nicht mit Enttäuschungen umzugehen. Es gibt einfach Dinge, die sie akzeptieren lernen müssen. Aber es gibt auch Dinge wo man als Eltern auch mal entspannen und sagen kann: das ist jetzt nicht so wichtig, soll das Kind es halt so machen wie es denkt. Ich habe zum Beispiel eine Freundin mit ebenfalls 3 Kindern, die jetzt einfach hingenommen hat, dass ihre Tochter (bald 6 Jahre noch in der Kita) Haare kämmen einfach so schrecklich findet, dass es jedes Mal ein Riesendrama war. Das Kind hat jetzt Dreadlocks

. Für diese Mutter ist das okay im Zweifel dem Kind die Haare abzuschneiden oder sie eben verfilzen zu lassen. Ich persönlich fände es bei den schönen Haaren meiner Kinder einfach schade, daher kämpfe ich diesen Kampf mit meine Jüngsten auch aus und es geht auch immer besser... Da gibt es eben kein richtig oder falsch. Es gibt immer verschiedene Lösungsansätze.
Wichtig ist wahrscheinlich, dass man hier eine gesunde Balance findet, denke ich. Man sollte dem Kind nicht alle Stolpersteinchen und Hürden aus dem Weg räumen und alle Kämpfe meiden, denn durch diese Hindernisse und Auseinandersetzungen lernen sie ja mit Frust umzugehen, sich durch zu setzen oder eben auch mal nachzugeben. Kinder brauchen Reibung, aber man kann "zu viel" Reibung eben auch aus dem Weg gehen. Man muss sich selbst das Leben nicht unnötig schwer machen und das Kind darf m.E. auch ruhig mal seinen Willen durchsetzen und wo sich der Kampf lohnt und wo nicht, wo er vielleicht mehr schadet als gut tut, das musst DU für dich und dein Kind rausfinden.
Ansonsten: durchhalten: das Kleinkindalter ist toll. Denn es ist die Zeit, wo man sein Kind wirklich richtig kennen lernt, die kleine Persönlichkeit sich ausbildet und zeigt, dadurch, dass sie sprechen lernen und eben immer mehr zeigen, was ihnen gefällt, was sie mögen und was nicht. Deswegen ist die Autonomiephase ja auch richtig und wichtig. Man erkennt, dass man eine eigenständige Person ist und probiert aus, wo die Grenzen sind. Diese Grenzen müssen wir Eltern ihnen zeigen... Und wo die genau sind, dass muss wohl jedes Elternpaar selbst für sich entdecken. Die Kleinkindzeit ist aber auch super anstrengend und das ist normal so. Alle Eltern kommen immer wieder an ihre Grenzen. Wer sagt, es sei bei ihnen nicht so, der lügt

.
Grade auch mit sehr klugen Kindern ist es oft nicht so leicht. Denn kluge Kinder begreifen mit dem Kopf schon früh sehr viel, aber oft verstehen sie die sozialen, emotionalen Zusammenhänge noch nicht oder die Konsequenzen, die aus etwas entstehen können. Emotional sind sie eben doch erst 2 oder 3, im Kopf aber älter. Das kann zu Problemen führen (muss aber nicht!!).