Re: Das Wort "erziehen"
Verfasst: Di 25. Aug 2015, 13:57
Die Früchte wirst Du später ernten
Austausch zum Thema Hochbegabte Kinder
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Ja, solche Situationen kenne ich auch sehr gut. Keine Ahnung warum gerade die Klobürste so interessant für meine Kinder war. Sie haben damit das Klo geputzt, Haare gekämmt und Zähne geputzt - und immer im ungünstigsten Momentorangenminze hat geschrieben:Und aus meiner Erfahrung mit ebenfalls zwei Jungen kann ich nur erzählen, dass es eine völlig andere Situation ist, ob der Wutanfall gerade eintritt, wenn man gerade nichts anderes zu tun hat, als den Wutanfall zu begleiten, oder ob es gerade dann passiert (und es passiert meistens gerade dann), wenn das kleine Kind gerade gelernt hat, aus dem Hochstuhl aufzustehen, und nun nun fröhlich und stolz auf den Tisch klettert oder sich am Küchenregal hochzieht oder beginnt, sich mit der Klobürste die Zähne zu putzen...
Ich glaube auch, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. So wichtig mir meine Kinder auch sind, aber sie sind nun mal nicht der Nabel der Welt um die sich alles andere dreht. Ich würde auch keinen Familienausflug abbrechen nur weil eines meiner Kinder "ausflippt", weil ich nicht einsehe dass 3 Personen zurückstecken müssen, weil eine nicht bereit ist, sich anzupassen. Das Signal "Du hast die Macht, dass alle ihre Pläne deinetwegen über den Haufen werfen" empfinde ich als bedenklich. Was anderes wäre, wenn ich z.B. mit EINEM Kind etwas unternehme um dem Kind einfach eine Freude zu machen und dann ist das Kind unmöglich. In der Situation würde ich auch "So, jetzt ist genug, wir fahren nach Hause" sagen.orangenminze hat geschrieben: Mir gelingt es dann nicht ruhig und gelassen zu bleiben, sondern für mich stellt es oftmals eine Stresssituation dar, beiden Kindern gerecht zu werden. Das gelingt nicht immer. Irgendwie denke/hoffe ich auch, dass es das vielleicht nicht immer muss, denn Kinder wachsen nunmal mit Geschwistern/anderen Menschen auf, die auch Bedürfnisse haben.
Ja, Vermeidungsmodus ist auch nicht mein Ziel. Ich bin aber durchaus bereit, darüber nachzudenken, ob es nicht einfacher für alle Beteiligten ist, wenn ich den Wünschen des aktuell bockigen Kindes einfach nachgebe. Wir hatten eine Zeitlang immer ein Riesendrama wenn der Kleine mich begleitete, wenn ich den Großen in seinen KIGA brachte. Wir sin dann mit Rad und Kinder-Anhänger unterwegs. Bis zum Kindergarten und auch dort war immer alles ok, doch danach weigerte sich mein Kleiner regelmäßig in den Anhänger einzusteigen. Natürlich mit einem Riesen-Wutanfall, wo man ihm besser nicht zu nahe kommt.orangenminze hat geschrieben: Also, die überaus heftigen Wutanfälle kenne ich auch, (von beiden Kindern, vom Größeren mehr, aber der Kleinere wird, so mein Gefühl, diese Wutanfälle noch gesteigert haben) ich kann sie nicht immer vermeiden und offen gesagt, sehe ich auch nicht immer ein, in einem ständigen Vermeidungsmodus zu leben. Dann muss die Wut eben raus. Klar, versuchen wir im Alltag Autonomie zu gewähren, wo es möglich ist, aber es gibt und gab auch schon Situationen, da wäre dies nicht möglich, ohne das Wohlbefinden des anderen Kindes massiv zu beeinträchtigen und dann geht es eben auch mal nicht.
Ja, das mit der Kommunikation ist immer noch ein Problem. Ich habe neulich mit der hörenden Mutter einer gehörlosen Tochter gesprochen wie alt ihr Kind war als sie wirklich mit ihr kommunizieren konnte. Antwort: fünforangenminze hat geschrieben: Und finde es aus Deinen Erzählungen heraus sehr bewundernswert und einfühlsam, wie Ihr mit beiden Kindern umgeht, vor allem, da die Kommunikation mit Deinem jüngeren Sohn ja stattfindet, ohne dass er Euch hören kann. Respekt. Auch das trägt bestimmt dazu bei, dass Ihr andere Wege ausprobieren müsst, aber ich finde, es klingt danach, als wäret Ihr sehr bei Euren Kindern.
Gott sei Dank sind so Situationen, wo mein Sohn wildfremde Menschen mit Schlamm bewirft, nicht alltäglich. Sonst würde ich echt auszucken. Denn von der Grund-Wesensart her ist mein Sohn nicht agressiv, nur manchmal kommt mir vor, dass etwas in ihm steckt was ihn unzufrieden macht und mit dem er nicht fertig wird. Ob das nur Geschwistereifersucht ist kann ich nicht sagen weil es quasi abgekoppelt von unserer Familiensituation auftritt.orangenminze hat geschrieben: Konkrete Tips, wie Du mit Situationen wie im Freibad oder am Strand umgehen kannst, weiss ich leider auch nicht, außer so, wie Du es ja bereits tust. Kenne Ähnliches (in milderer Form) auch von meinem Großen, wenn er gerade sehr in seinen Geschichtenwelten mit vielen Gefahren und Abenteuern steckt, da kann es sein, dass die Ansprache eines anderen Kindes oder anderen Erwachsenen reicht, um ihn böse schauen zu lassen oder gleich in Verteidigungshaltung schreien zu lassen. Da er nicht so der Hau-drauf-mich ist, bleibt es meistens beim ärgerlich schauen oder laut werden, aber schon das führt natürlich zu Irritationen auf der anderen Seite. Ich merke dann eben nur manchmal, dass es gar nichts mit dem Kind oder Erwachsenen oder mit dem zu tun haben, was da gerade passiert ist, sondern, er sich gerade gedanklich ganz woanders befunden hat.
Ich frage mich selbst warum mich manche deiner Aussagen so ärgern. Vielleicht weil ich es so auffasse, dass es ja ganz, ganz einfach wäre wenn ich es nur endlich "richtiger" machen würde. Also "richtig" in dem Sinn, einfach nur vorzuleben, keine Vorträge halten und das Kind nicht bewusst manipulieren oder in eine bestimmte Richtung lenken wollen.Momo hat geschrieben:
Hui, Du fühlst Dich aber wirklich schnell angegriffenDieses Zitat war allgemein zum Thema Erziehung gemeint und zu meiner These, dass Kinder keine Erziehung im herkömmlichen Sinne bedürfen, sondern dass sie sich aus sich heraus entwickeln.
Du hast mir nie konkret die Schuld für was gegeben. Es kommt nur so rüber, als wäre alles so einfach.Momo hat geschrieben: Eure Situation ist speziell, das verstehe ich und ich möchte Dir nicht die Schuld dafür geben. Ich kenne Euch nicht persönlich und deshalb fällt es mir auch schwer, von außen die Situation einzuschätzen. Wenn ich die von Dir geschilderten Situationen auf uns übertrage, würde ich folgendermaßen reagieren:
Naja, Sachen packen und gehen ist für mich eine Option wenn ich ALLEINE mit EINEM Kind unterwegs bin. Aber dass 3 Personen ihren ganzen Tagesplan umstellen (auch Kleinsohn hat es am Strand sehr gut gefallen) nur weil EINER auflippt, ist mMN das falsche Signal.Momo hat geschrieben: Angenommen meine Tochter bewirft fremde Menschen mit Schlamm, beißt aus heiterem Himmel andere Kinder: Sachen packen und gehen! Später in Ruhe darüber sprechen und dem Kind ohne Umschweife und völlig diskussionslos klar machen, dass ich ein solches Verhalten nicht toleriere. Die Freiheit des einen hört da auf, wo das Recht des anderen beginnt“, sobald die Freiheit anderer Menschen eingeschränkt oder verletzt wird, zeige ich meiner Tochter diese Grenze ganz klar auf!
Ich habe keine grundsätzlichen Vorurteile WaldorfpädagogInnen gegenüber und ob mir das Buch "seltsam" vorkommt kann ich natürlich erst beurteilen, wenn ich es gelesen habe. Bei Büchern oder Artikeln halte ich es so, dass ich das, was dort behauptet wird, mit dem vergleiche, was ich beobachte. Wenn z.B. steht "Kinder, die permanent unterdrückt oder geschlagen werden, entwickeln sich zu Erwachsenen, die diese Verhaltensmuster (sofern sie diese nicht erkennen und bearbeiten) weitergeben." dann schaue ich, ob in meinem unmittelbaren Freundes- und Bekanntenkreis solche Menschen sind und ob diese Behauptung zutrifft. In dem Fall würde ich sagen: "Ja, entspricht meiner Beobachtung!"Momo hat geschrieben:
Übrigens bin ich immer noch dabei, das Buch "Wackeln die Zähne, wackelt sie Seele" zu lesen. Viele Deiner beschriebenen Verhaltensweisen Deines Sohnes passen in diese Zeit des inneren Umbruchs, sogar seine Bauchschmerzen, von denen Du an anderer Stelle geschrieben hast. Eine Zahnärztin und eine Antroposophin (Waldorfpädagogin) versuchen diese Zusammenhänge zu erklären und mir ist dadurch vieles klar geworden. Wie ich Dich kenne, wird Dir dieses Buch sehr seltsam vorkommen, doch vielleicht auch den einen oder anderen Grund für das Verhalten Deines Sohnes aufzeigen![]()
Genau dasselbe hätte ich auch geantwortet als ich nur ein Kind hatte. Doch da mein Leben seit 3 Jahren um eine Komponente reicher geworden istMomo hat geschrieben: Da ich nur ein Kind habe, kann ich hier nur theoretisch antworten. Ich denke, ein Geschwisterstreit ist ein Geschwisterstreit und ich als Mutter würde versuchen, mich rauszuhalten. Sobald ich mich einmische, kommt eine neue Komponente hinzu und ich kann mir vorstellen, dass dadurch alles viel komplizierter wird. Eine andere Möglichkeit wäre, zu vermitteln, indem ich die Bedürfnisse beider Kinder benenne, ohne Vorschläge zu machen oder zu bewerten. Oder beide Kinder frage, welche Lösungsvorschläge sie haben. Doch die Hauptarbeit liegt meiner Meinung nach auch hier in den entspannten Situationen, in denen gezielt die Beziehung der Geschwister gestärkt werden kann.
Liebe Rabaukenmama,Rabaukenmama hat geschrieben:
Ich frage mich selbst warum mich manche deiner Aussagen so ärgern. Vielleicht weil ich es so auffasse, dass es ja ganz, ganz einfach wäre wenn ich es nur endlich "richtiger" machen würde. Also "richtig" in dem Sinn, einfach nur vorzuleben, keine Vorträge halten und das Kind nicht bewusst manipulieren oder in eine bestimmte Richtung lenken wollen.
Nein, leider habe ich keinen guten Rat (zumindest keinen, der bei meinem Sohn bisher Änderung gebracht hätte). Nur fällt es mir irgendwie leichter, ihn zu verstehen, weil ich selbst als Kind ähnlich war - wenngleich nicht ganz so krass. Da ich mich bis in meine frühe Kindheit zurückerinnern kann weiß ich noch gut, dass ich manchmal einfach aus Langeweile irgendjemanden angesprochen habe oder sonst irgendetwas gesagt/gemacht habe um die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Da mir mein Sohn von der gesamten Wesensart sehr ähnlich ist vermute ich mal dass es auch bei ihm einfach Langeweile ist.orangenminze hat geschrieben: Bei meinem älteren Sohn stelle ich übrigens auch eine gewisse Distanzlosigkeit Fremden gegenüber fest. Manchmal habe ich den Eindruck, dass er noch nicht wirklich ein Gefühl dafür entwickelt hat, wann es angebracht ist, an einem Gespräch teilzunehmen und wann nicht...
... Ich versuche natürlich schon, ihn darauf hinzuweisen, dass es a) meistens nicht so ist, dass die Leute hören wollen, was er beizusteuern hat und b) es nicht angemessen ist, sich in die Gespräche von Fremden Menschen einzumischen. Aber manchmal geht es, glaube ich, einfach mit ihm durch... tja, vielleicht hast Du diesbezüglich noch einen guten Rat für mich. Liebe Grüße orangenminze
Mein Sohn hat dann auch aufgehört, fremde Menschen mit Schlamm zu bewerfen.Momo hat geschrieben:Liebe Rabaukenmama,Rabaukenmama hat geschrieben:
Ich frage mich selbst warum mich manche deiner Aussagen so ärgern. Vielleicht weil ich es so auffasse, dass es ja ganz, ganz einfach wäre wenn ich es nur endlich "richtiger" machen würde. Also "richtig" in dem Sinn, einfach nur vorzuleben, keine Vorträge halten und das Kind nicht bewusst manipulieren oder in eine bestimmte Richtung lenken wollen.
das ist genau die schwierige Frage, was ist denn "richtig" und kann man sich wirklich immer richtig verhalten? Manchmal verhalte ich mich sehr authentisch aber im Nachhinein wahrscheinlich nicht richtig. Z.B. habe ich neulich , als meine Tochter wieder mal einen fiesen Wutanfal hatte und mich angespuckt hat, in meiner Wut zurückgespuckt. Ähnlich wie Du mit dem Schlamm reagiert hast. Meine Tochter hat mich dann mit tellergroßen Augen angesehen und sofort aufgehört (und es seitdem auch nicht mehr gemacht), doch war mein Verhalten "richtig"? Schön fand ich es jedenfalls nichtWie hatte denn Dein Sohn auf Dein Schlammwerfen reagiert?
Ich halte es für gar keine klare Grenzsetzung ins Hotel zurückzgehen. Selbst wenn es einfacher gewesen wäre als ich gleich unten unsere konkrete Situation beschreibe war es ja nicht mein Sohn gewesen, der sich den Badetag am Meer so gewünscht hatte. Dem wäre jedes andere Programm genauso recht gewesen. Und im Hotel angekommen wäre sicher gleich gekommen "Mama, gehen wir jetzt in den Hotelpool?"oder "Mama, spiel mit mir Autos!" oder "Mama, jetzt mag ich fernsehen!". Was wäre dann die "richtige" Antwort? Auf den jeweiligen Vorschlag eingehen wäre wahrscheinlich nicht gerade das Signal zukünftig nicht mehr mit Schlamm auf fremde Leute zu schießen. Oder soll ich sagen "Weil du dich so benommen hast musst du jetzt allein im Zimmer sitzen und ich unternehme nichts mit Dir!"?Momo hat geschrieben: In Eurer Situation mit 4 Personen hätte eventuell auch ein Erwachsener mit deinem Großen Sohn in Hotel zurückgehen können, es ist zwar auch ärgerlich, das verstehe ich. Doch ich denke, dass eine solch klare Grenzsetzung in diesem Fall am eindeutigsten und aus meiner Sicht auch sehr wichtig ist.
Ach Momo, die Ursache kenne ich ja sehr wahrscheinlich. Mein Großer will ganz, ganz viel Aufmerksamkeit und ist außerdem eifersüchtig auf seinen kleinen Bruder. Nur allein mit diesem Wissen habe ich noch keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll.Momo hat geschrieben: Warum Dein großer Sohn die Grenzen anderer Menschen nicht sieht oder nicht respektiert, kann ich überhaupt nicht einschätzen. Natürlich ist mir klar, dass Ihr Eurem Sohn ein solches Verhalten nicht vorlebt, das ist in diesem Fall auch ein ganz anderes Thema. Wie schon geschrieben, liegt die Ursache meinem Gefühl nach an ganz anderer Stelle und ich hoffe sehr für Euch, dass Ihr diese Ursache herausfindet und Euer Sohn somit wieder ins Gleichgewicht zurückfindet!
Liebe Grüße von Momo