Hallo du,
zu allererst einmal: fühl dich bitte nicht mieß oder gib dir die "Schuld" daran, nicht erkannt zu haben, WIE anders deine Tochter ist. Mädchen sind sehr gut im bescheiden sein

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Das Thema "weibliche Hochbegabung" ist noch diffiziler als das Thema allgemein, da Mädchen oder Frauen sich im Allgemeinen einfach viel stärker an der Gruppe orientieren und dazu gehören wollen, sozialer denken, angepasster sind und handeln als Jungen, bzw. Männer. Zudem werden Mädchen eher depressiv oder still oder zeigen psychosomatische Probleme wenn sie leiden, Jungs hingegen werden laut, aggressiv und "störend". Das ist natürlich nicht bei JEDEM Jungen und bei JEDEM Mädchen so, aber tendenziell ergibt sich da schon ein Muster. Weibliche kluge Menschen sind demnach oft Meister des Understatements und schwer zu "enttarnen".
Hier ein Ausschnitt aus dem Aufklärungsblatt des BMBF:
"...Und wie Eltern machen auch Lehrkräfte den Fehler, eine hohe Begabung eher bei Jungen als bei Mädchen zu vermuten. Bittet man sie darum, die hoch begabten Kinder ihrer Klassen zu benennen, so liegt das Verhältnis der von Lehrkräften benannten Schülerinnen und Schüler auch in aktuellen Untersuchungen bei einem Verhältnis von 2 : 1 bis 3 : 1 zugunsten der Jungen,
obwohl es vergleichbar viele hoch begabte Jungen und Mädchen gibt. 3. WIE ERKENNT MAN HOCHBEGABTE?
—44 BEGABTE KINDER FINDEN UND FÖRDERN Direkte Erfahrungen mit hoch begabten Kindern sowie Schulungen zum Thema „Hochbegabung“ können dabei helfen, dass Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte hoch begabte Kinder besser erkennen. Lehrer und Lehrerinnen sollten auch auf besondere Leistungen des Kindes achten, die in anderen Situationen als dem normalen Unterricht sichtbar werden. Manche besonders begabten Kinder möchten in der Schule nicht auffallen (siehe auch den Abschnitt „Hoch begabte Mädchen“ in Kapitel 2); sie halten sich deshalb ganz bewusst zurück. Stellt man diesen Kindern komplexe Aufgaben oder beobachtet man sie bei Projekten oder bei anderen Gelegenheiten, bei denen hohe Anforderungen gestellt werden, dann kann man oft Anzeichen für eine Hochbegabung entdeckt..."
"Was können Eltern für hoch begabte Mädchen tun? Wie bereits in Kapitel 3 dargestellt wurde, wird die Hochbegabung von Mädchen seltener und häufig später erkannt als die von Jungen. Da hoch begabte Mädchen sich in den meisten Fällen „unauffälliger“ verhalten, kümmern sich ihre Eltern eventuell weniger um die Entwicklung der Begabung. Oft werden Mädchen von ihren Eltern auch stärker behütet als Jungen und daher seltener herausfordernden Situationen ausgesetzt, in denen sie zeigen können, was in ihnen steckt..."
Ich selbst war ein unentdecktes, hochbegabtes Mädchen. Familiär gab es Probleme (Scheidung, psychisch kranker Vater, etcpp), ich hatte Selbstzweifel, war schüchtern, habe mich sehr schnell verunsichern lassen. Noch dazu kam, dass meine Stärken oder sagen wir besser mein Interessenschwerpunkt schon immer mehr im Sprachlichen und Künstlerischen lag, nicht in den Naturwissenschaften. Ein Kind, dass mit 5 schon komplizierte Gleichungen löst oder nütztliche Dinge "erfindet", sowie sich Gedanken über den Aufbau einer Solarzelle macht, fällt mehr auf, als ein Kind, dass einen gehobenen Wortschatz hat, zu Hause Geschichten und Gedichte schreibt, malt wie eine 10jährige und (heimlich)liest. Ich bin niemandem als sonderlich klug aufgefallen. Erst in der Oberstufe (Realschule!) dem Englisch- und der Französischlehrerin, davor war ich als mittelmäßige Schülerin alles andere als ein Hochleister oder ein Wunderkind. Meine schulische Karriere ging erst mit Klasse 11 los und dem eigenständigen Entschluss das Abitur nachzumachen. Davor war ich der typische Underachiever und niemand, ich am allerwenigsten, dachten bei mir an eine hohe Intelligenz.
Mein im Erwachsenenalter getesteter, hochbegabter Bruder hat zwei Kinder. Der Sohn ist das ältere Kind und wurde durch Zufall bei einer psychologischen Studie, an der er teilnahm als Höchstbegabter entdeckt. Seine Schwester, 3,5 Jahre jünger, leidet seit jeher darunter, sich für "dumm" zu halten, ist bei weitem nicht so ein Überflieger in der Schule wie der Bruder, aber meiner Meinung nach recht sicher auch hochbegabt. Die Eltern wollten es bei ihr nicht testen lassen...Warum? Frag mich nicht: das Hauptargument ist: was ist, wenn heraus kommt, dass sie NICHT hochbegabt ist? Dann hat sie die Bestätigung, dass sie "dumm" ist. Die Eltern glauben also selbst nicht dran, dass ihre Tochter ebenfalls hochbegabt ist. Dabei hat man ja schon zu genüge festgestellt, dass Geschwister sich im IQ oft SEHR ähneln (meist nur 5 IQ Punkte Unterschied oder weniger) und dass Hochbegabung zu einem großen Teil erblich ist. Und woran liegt das? Weil Hochbegabung sich bei Mädchen in der Regel nunmal ganz anders zeigt, bzw. Mädchen eben nicht um jeden Preis zeigen müssen, was sie können, sondern sich lieber des lieben Frieden willen anpassen und verstecken. DAs habe ich auch getan und das tut meiner Meinung nach auch meine Nichte. Noch dazu kommt, dass sie von klein auf den Komplex hat, sie sei dümmer als ihr Bruder, also IST sie es auch, da sie nicht an sich glaubt. Das muss aber nicht ihrem tatsächlichen kognitiven Potenzial liegen, sondern ist psychisch bedingt.
Ich habe3 Kinder. Auch hier: der Sohn ist der älteste (7 Jahre, 1. Klasse) und wurde wegen Verhaltensauffälligkeiten im Vorschulalter erstmals und ein halbes Jahr nach Schulbeginn ein zweites Mal getestet. Er liegt bei weitem nicht so hoch wie deine Tochter, lediglich in einem Bereich hat er durchgehend Werte von 155+ (Sprachverständnis). Dennoch fällt er extrem auf. Schon immer. Er war in allem immer "schneller" und wir wurden fast täglich auf ihn angesprochen. Für UNS war er "normal", aber für die anderen eben nicht... Vor allem fällt er eben sprachlich sehr auf. Zudem hat er den special-move, dass er sich Dinge, die er spannend findet, nach 1-3 mal hören (lesen) fast wörtlich merken kann. So hat er mit knapp 2 Jahren (er war 22 Monate alt glaube ich) Henriette Bimmelbahn nach ein paar Mal vorlesen seinerseits wörtlich korrekt "vorgelesen"

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Meine Tochter ist jetzt ungefähr so alt wie der Sohn bei seinem ersten Test (Sie wird im Juni 6). Sie kann besser mit großen Zahlen umgehen (sie lesen, verstehen), rechnet aber weniger, hat sich selbst das lesen und schreiben beigebracht (der Sohn hielt das für überflüssig vor der Schule

) und ist vor allem sozial extrem kompetent. Außerdem hat sie ein unheimlich gutes Auge für Details, sie malt mit 5 Jahren Gesichter mit Falten, Augen mit Iris, Pupille, Wimpern, malt teilweise dreidimensional, usw. und merkt sich auch sehr schnell Dinge (Baumwurzelarten oder dergleichen), gibt damit aber nicht an, behält ihr Wissen für sich. Nur durch Zufall merken wir dann:" holla, die hat ja ganz schön was auf dem Kasten..."
Mein Sohn hat in der Zeit fast garnicht gemalt, hat aber ein immenses Wissen zu Thmen die absolut nicht altersgerecht sind (Humanbiologie, Wölfe, Physik, Wetter, Astronomie, etcpp.)UND er war laut,unangepasst, schwierig und hat unheimlich viel geredet, unheimlich viel gewusst und keine Situation ausgelassen, um dies kund zu tun

. Und wenn er mal nicht durfte, wurde er ungemütlich.
Klar ist ER aufgefallen, während meine ziemlich sicher ebenso intelligente Tochter durch ihr zartes und einfühlsames, so wie rücksichtsvolles und angepasstes Wesen den Lehrern oder Erziehern nicht als besonders herausragend klug auffällt (auffallen wird).
Und wir als Eltern sind lediglich wachsam, weil wir den auffälligen Sohn vor Augen haben und um die erbliche Komponente Bescheid wissen. Man muss dazu sagen, dass bei meinem Sohn zusätzlich eine Wahrnehmungsstörung im Raum steht (ADHS) und dies natürlich seine "Verhaltensschwierigkeiten" verstärkt, sowie einige Bereiche seiner kognitiven Fähigkeiten "schwächt" (Konzentrationsvermögen), daher haben wir bei ihm auch ein extrem ungleiches, sehr heterogenes INtelligenzprofil und ein Ergebnis ganz knapp unter der HB-Grenze (trotz etlicher deutlicher Begabungsspitzen in verschiedenen Bereichen, vor allem aber deckelnd im sprachlichen Bereich).
Ich vermute daher, dass meine Tochter einen höheren IQ hat als der Sohn

, da sie sich besser konzentrieren kann als er und IQ-Tests dies nunmal auch immer testen und dies in die Wertung mit einfließt.
Deine Tochter hat ihr Leben lang gespürt, dass sie anders ist und hat vergeblich versucht sich anzupassen. Das kann man ihr nicht vorwerfen, sondern ist verständlich wenn man ein größeres Potenzial hat als 99,9% der Menschheit und ebenso wenig hast du dir etwas vorzuwerfen. Denn Hohe Begabung kann nur gesehen werden, wenn sie gezeigt und gelebt wird.
Wichtig ist jetzt sicherlich, dass Ihr als Eltern ihr Selbstwertgefühl stärkt und sie auch "aufklärt" in Hinblick auf ihren Intellekt. Es gibt einige wirklich gute und lesenswerte Bücher zum Thema Hochbegabung und auch speziell für hochbegabte Mädchen/Frauen.
Zuletzt möchte ich sagen: ein besonders leistungsfähiges Gehirn zu haben, macht anders, manchmal einsam und ist oft anstrengend, aber es ist auch eine Gabe und ein GESCHENK. Nehmt es an.
Zu deiner kleinen Tochter würde ich sagen: das was du über sie schreibst, schreit auch ziemlch nach "high potential" sorry

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