Den Wochenplan für die letzten Tage vor den Ferien hat sie an einem Abend bearbeitet, weil sie nicht einschlafen konnte. Und für die kommende Woche ist in Mathe auch kaum mehr was da. Auf der einen Seite langweilt sie sich damit ("Das ist so babyleicht. Warum muss ich das machen?"), denkt aber, wenn sie schnell alles erledigt hat, braucht sie nichts mehr zu tun. Wenn ich dann mit alternativen Aufgaben um die Ecke komme, hat sie dazu aber auch keine Lust. Weil: Die kommt ja nicht von der Lehrerin. Sie möchte gerne wieder in die Schule und mit den anderen starken Kindern zusammen arbeiten. An manchen Tagen möchte sie sich bis Stoff Klasse 5 vorarbeiten. Ich verstehe diese schwankende Einstellung da auch nicht.
Hallo nosupermum,
Für mich stellt sich hier die Frage, warum sie denn überhaupt noch alternative Aufgaben bearbeiten soll? Es ist doch super, dass sie im Homeschooling nach ihrem Tempo die Aufgaben bearbeiten kann und dann mehr Freiraum hat für Dinge, die nicht zwangsläufig was mit Schule zu tun haben müssen...Warum sollte sie denn immer noch mehr tun? Ich finde es durchaus legitim, dass ein kluges Kind "schnell und ordentlich" die Pflichtaufgaben erledigt und dann keine Lust auf "mehr" hat.... Auch dass ihr die Zusammenarbeit mit anderen Kindern fehlt, kann ich gut nachvollziehen... Für mich ist das auch nicht "schwankend". JEDER ist mal mehr, mal weniger motiviert. An einem Tag hat man Lust zu "arbeiten", an einem anderen fällt es einem eher schwer. Das ist bei Kindern, auch bei den klugen Kindern, nicht anders.
Ich habe der Lehrerin schon ganz lieb geschrieben und freundlich um ein Gespräch gebeten, aber schon zwei Mal keine Antwort erhalten. Bei der Beratungsstelle für Hochbegabte teilte man mir mit, dass ich derzeit nicht auf Unterstützung/Förderung hoffen bräuchte. Die Schulen seien so überlastet. Ich solle mich lieber selbst einlesen und mit ihr dann alleine durcharbeiten, dazu habe ich ein paar Links zu Seiten bekommen, auf denen ich irgendwelche Handreichungen für den Unterricht finde. Ich bin zwar gerne dazu bereit, aber wie soll ich das machen?
a) ohne dem Stoff vorwegzugreifen; es ist ja nicht damit zu rechnen, dass die Lehrerin die dann entstehende Langeweile gemanagt bekommt
b) mit manchmal dermaßen geringer Akzeptanz des Kindes
c) ohne didaktisches Knowhow
d) ohne die ganzen vollständigen Materialien
d) neben einem (fast) Vollzeitjob im Homeoffice
Ich würde erst mal garnicht groß was machen, vorgreifen oder dem Kind immer wieder anbieten, wenn es keine Lust hat. Wenn deine Tochter in der Regel schnell ihre Pflichtaufgaben erledigt und dann nicht mehr möchte, dann lass sie sich ihre Freizeit doch auch selbst gestalten. Sie hat schon eine Klasse übersprungen, warum jetzt, wenn es NICHT von IHR kommt, das noch weiter forcieren?Was hat sie für Hobbies?
Die Online-Kurse der Beratungsstelle darf sie nur eingeschränkt nutzen, weil sie nicht getestet ist. Eigentlich wollten wir sie nicht testen lassen, weil wir dachten, das mit dem Klassensprung alles gut ist. Aber es verstärkt sich mein Eindruck, dass wir ohne einen Test nicht das bekommen, was sie brauchen würde.
Ein hochbegabtes Kind ist nicht plötzlich befriedigt, nur weil es eine Klasse überspringen darf... Bei meinem Sohn war das ja auch so mit dem Sprung. Er ist stofflich super mitgekommen, das war teilweise immer noch zu leicht (grade in Sachkunde und Mathe hat er sich da beklagt), er war notentechnisch direkt bei 1-2 und 2+ und wäre er weiterhin motiviert gewesen nud hätte er sich wohl gefühlt, so wäre er auch sicherlich unter den Klassenbesten gewesen am Ende des Jahres. ABER: er hat sich eben in der Klasse so garnicht wohl gefühlt und die Klasse sich nicht mit ihm. Ganz zu schweigen von der Lehrerin. Außerdem war ihm das Schreibpensum zu hoch. Er ist jemand, der grundsätzlich ALLES im Kopf versteht und transferieren kann, soll er es dann zu Papier bringen, fehlt ihm da die nötige Motivation, sich mit dem Vorgang des Schreibens besser anzufreunden. DAS ist nämlich sein Manko: die Feinmotorik. Bei euch lief oder läuft der Klassensprung ja um einiges besser und du weißt nicht, wie sie jetzt drauf wäre ohne den Sprung. Von daher würde ich den Sprung schon als Erfolg betrachten.
Aber heißt das automatisch, dass sie jetzt "passen" muss? Nein... Mein Sohn ist im Kopf ähnlich weit wie der 13-jährige, auch recht pfiffige Sohn von einem bekannten Pärchen, das jüngst zu Besuch war. Aber emotional und verhaltenstechnisch passt es garnicht. Wenn mein Sohn sich aber mit seinen 2.-Klässlern trifft, so passt das besser sozial und emotional, aber kognitiv liegen da Welten dazwischen und seine Interessen kann er nicht mit seiner Peergroup teilen. Ich versuche mich jeden Tag aufs Neue damit abzufinden, dass er nie wirklich "passen" wird, dass das aber auch völlig in Ordnung ist. Er ist gut wie er ist. Ich versuche oft mit ihm darüber zu reden, dass er sich zwar oft nicht passend fühlt (auch wegen seiner Verhaltensprobleme und Wahrnehmungsprobleme, durch die er zusätzlich zur HB noch "herausgefordert" ist sozial), aber dass er genau so richtig ist und dass es leichter wird, wenn er älter ist und aus ihm mal ein toller Mann werden wird. Und weil er große Anpassungsprobleme hat, rate ich ihm auch öfter, er soll versuchen sich vielleicht ab und zu ein wenig anzupassen, damit er nicht ganz ausgeschlossen wird. Dieser Misfit, den deine Tochter erlebt, den viele HB-Kinder erleben, der verschwindet nicht durch einen Klassensprung, er kann dadurch aber gemildert werden und das ist, denke ich, bei euch schon der Fall. Bei uns ging der Schuss nach hinten los... Sei froh, dass es bei euch so gut klappt.
Kennt ihr auch diesen Wechsel von hochmotiviert und allem Neuen gegenüber ablehnend?
natürlich! Mein Sohn lässt sich grundsätzlich mal garnichts erklären

. Und wenn er mal nicht selbst durchsteigt, hat er auch schnell keinen Bock mehr. Er spielt gerne Schach, hat aber bislang alle Tipps, wie er besser ans Ziel kommt, abgelehnt oder schlicht einfach nicht angenommen. So langsam, hat er verstanden, dass wir ihm helfen wollen, einen richtigen Zugang zur Größe dieses Spiels zu erlangen, aber bis dahin war es ein langer Weg. Erst einmal hat er rundweg dicht gemacht, wenn wir ihm Strategien oder ähnliches erklären wollten.
Was die Schule angeht: Manchmal hat er einfach richtig Bock was für die Schule zu machen, intrinsisch motiviert eben, und dann ist das auch ein Selbstläufer und manchmal, besonders wenn er SOLL, wird er richtig bockig und sehr unkonzentriert. Bei den anderen beiden sehe ich das Verhalten auch, immer wieder mal, wobei meine Große (6 Jahre, 1. Klasse und ein Fleißbienchen

) viel emsiger und motivierter ist bei von außen auferlegten Aufgaben. Sie möchte gefallen und ein Lob der Lehrerin oder auch von uns ist ihr wichtig. Sie meckert nicht rum, dass es alles zu leicht ist (obwohl es das ist, weil sie mit dem 1. Klasse-Stoff praktisch schon durch war, bevor sie in die 1. Klasse kam), sondern macht ihre Aufgaben ordentlich und gewissenhaft. Meistens. Mal hat sie aber eben auch nen Tag, da motzt und zickt sie rum, schmiert alles nur so hin und findet alles doof.
Ich habe einfach Bedenken, dass das schon wieder der Beginn einer Frustspirale wie im ersten Lockdown ist...
Ich glaube ja, dass der Lockdown vorrangig nicht frustig ist, wegen des Schulstoffs, sondern vielmehr wegen der fehlenden sozialen Kontakte. DA helfen hier aber eben alternative Aufgaben auch nicht.
Wenn du wirklich den Eindruck hast, sie sollte 5. Klasse-Stoff bekommen und dass SIE das auch möchte, so würde ich mich dahinter klemmen, ansonsten würde ich es nicht "pushen", wenn sie genügend Freizeitbeschäftigungen hat, mit denen sie den Freiraum, den sie durch ihr schnelles arbeiten gewinnt, füllen kann.