alibaba hat geschrieben:
Da hab ich mal eine Frage.
Woher weiß man denn - bei einem so jungen Kind - das es weit voraus ist. Nehmen wir das Allgemeinwissen. Das finde ich ein gutes interessantes Beispiel. Mein Großkind hatte das schon immer. Immer hohe Prozentränge. Nur es fiel mir nie auf, dass es eben deutlich voraus ist. Woher auch? Ich stelle mich doch nicht hin und überprüfe Gleichaltrige. Woher weiß man das dann also?
Naja, wenn das eine Kind noch "Mamamma" plappert, dein Kind schon sagt "Miezekatze hat Fell an" (als wir darüber sprachen, dass es ganz schön warm sei! Ich bin ziemlich sicher, sie wollte damit ausdrücken, dass der Katze bestimmt auch warm sein muss...) und "Finger sieht ganz rot aus!" wenn es mit Fingermalfarben herumgegespielt hat. (beides Sätze meiner großen Tochter mit etwas über eineinhalb Jahren, die ich auf Video habe und wo man sehr gut sieht, was in dem Kind in dem Moment vorgeht bzw wie es über die beobachteten Dinge wirklich NACHDENKT).
Wenn es außerdem mit U2 Eichen und Ahornblätter unterscheidet, wo ein anderes Kind gerade mal Bäume als solche als eigene Kategorie erfasst hat. Wenn es nicht zu jedem Insekt "Biene" sagt, wie andere Kinder, sondern Hummeln, Wespen und Bienen unterscheidet.
Wenn das eine Kind Krikelkrakel malt, das andere schon szenische Bilder (z.B. Fische unter einer Wasseroberfläche und unten Wasserpflanzen), wenn das Kind Puzzle löst, die für wesentlich ältere Kinder sind, wenn ein Kind super schnell Spielregeln versteht, für nicht altersgerechte Spiele, wenn eine Kind sehr früh tiefergehende Fragen stellt ("Was ist Strom? Aus was besteht eigentlich Feuer? Was machen Ameisen nachts?" und auch das erwähnte "Wo war ich, bevor ich in deinem Bauch gewachsen bin?")...
Meine Große hat auch mit 2 schon Rollenspiele gespielt und dabei aktiv Geschichten erfunden, tw mir auch lange selbst erdachte Geschichten mit kompletten Handlungssträngen erzählt.
In einem Alter, da konnten andere Kinder noch nichtmal ein Erlebnis richtig widergeben/erzählen.
(Ich habe auch da einige Videos und es gibt eine Geschichte, die sie mit 3 erzählte, da gibt es sogar eine innere Verschachtelung. Also eine Geschichte wird da in einer Geschichte erzählt)
Beim Vorschultest bei der Großen damals im Kindergarten sollten die Kinder Formen aus bunten Bausteinen nachlegen, die die Testerin ihnen vorgab.
Sie saß über Eck (90-Grad-Winkel)und legte die zusammengesetzte Form vor das Kind hin und die Kinder sollten dieselbe Form dann nochmal vor sich nachbauen. Meine Tochter hat die Bausteine im Kopf aber noch mal um 90 Grad gedreht und die Form so nachgebaut, dass die Testerin - die wie gesagt über Eck saß - die Form so sah, wie sie sie selbst vorher vor sich gesehen hatte. (Ich hatte damals übrigens den Eindruck, dass das der Testerin gar nicht auffiel, mir aber sehr wohl)
Bei meinen Kindern sieht man einen Vorsprung auch (vorausgesetzt man schaut genau hin) deutlich auf den von ihnen gemalten Bildern.
Obwohl Nr. 2 bei weitem technisch nicht so gut malt wie Nr. 1 in dem Alter, fällt auf, dass sie wie die Schwester die Größenverhältnisse sehr realistisch darstellt. Also Pilze klein, Bäume groß, etwa im richtigen Verhältnis.
(bei anderen Kindern sind bspw die Blumen auf der Wiese oft ähnlich groß wie Menschen. Das sehe ich bei vielen Kindern noch bis weit ins Grundschulalter hinein!)
Menschliche Figuren ebenso - die Größenverhältnisse sind viel realistischer, als die anderen Kinder es malen. Neulich hingen bspw Selbstbildnisse der Kinder aus dem Kiga aus.
Zwar fiel Kind zweis Bild nicht wie bei der Großen damals total krass heraus (die Große malte wirklich deutlich erkennbar auch "technisch" nicht altersansprechend, sie hatte einen sehr "klaren Strich"), aber die Kleine hatte bspw zahlreiche Details gemalt, die bei den anderen fehlten. (Bspw besondere Accessoires an der Hose, die sie an dem Tag angehabt hatte und das Muster ihres Pullis)
Meist sind es so Kleinigkeiten, die nur bei genauerem Hinsehen auffallen... Das erfordert natürlich auch beim Beobachter/Betrachter eine gewisse Beobachtungsgabe... Im Kindergarten gab es damals bei meiner Großen nur so 1-2 Erzieher, denen solche Sachen überhaupt auffielen. (Schlicht weil die anderen selbst nicht so genau hinsahen/unterschieden)
Ich habe bei meinen Kindern oft gemerkt, dass ich meine Kinder automatisch so behandele, als seien sie 1-2 Jahre älter. Das habe ich aber immer nur dann bemerkt, wenn altersgleiche Kinder dabei waren und ich merkte, dass ich einfach anders mit ihnen reden musste. Man sieht ja an den Reaktionen, ob das ankommt, was man sagt. Und wie viel verstanden wird.
Seitdem ich Malkurse für Grundschüler gebe, fällt mir das noch deutlicher auf. Im Vergleich zur Großen, als sie noch im Grundschulalter war und manchmal jetzt sogar auch im Vergleich zur Kleinen. (Die im Wissen/Verstehen ca. auf dem Niveau einiger der eher cleveren der Erstklässler ist, die in meinen Kursen sind. Also ich hab einige Erstklässler, die ich "jünger" behandeln/etwas erklären muss, als sie/ihr)
Da setze ich oft Dinge (Wissen, Verständnis) voraus, wo ich dann merke, dass das ganz und gar nicht zu erwarten ist.