Meine3 hat geschrieben:ich bin sonst immer ein Mensch, der den Mittelweg sucht und diesen auch in den meisten Fällen für am sinnigsten hält.
In diesem Fall sehe ich persönlich das ein wenig anders. Es gibt zwei "effektive" Wege, mit dem Virus umzugehen:
Sorry, aber das ist Quatsch! Wie effektiv der Weg der Briten sein wird kann man erst im Nachhinein sagen und der von Dir erwähnte "Global Shut Down" ist in der Praxis (gerade in ärmeren Regionen) nicht durchführbar.
Es gibt Millionen Menschen, die den Großteil ihres Arbeitseinkommens fürs Überleben benötigen. Wenn die nicht zu Arbeit gehen (wo sie zwangsläufig sowohl am Weg als auch dort in engem Kontakt mit anderen Menschen sind) kriegen sie kein Geld und können sich kein Essen mehr leisten. Wir leben in einem Land, wo man eben auf Nulldefizit verzichtet um die wirtschaftlichen Verluste durch die Virus-Maßnahmen halbwegs auszugleichen. In der Zeit, wo ich vermutlich zu Hause bin, werde ich zumindest den Großteil meines Gehaltes weiter bezahlt bekommen - teils vom Dienstgeber, teils vom Staat. Egal, ob die Maßnahmen einen oder drei Monate andauern werden, sie werden meine Familie nicht in den finanziellen Ruin stürzen oder an den Rand der Existenz bringen. Damit sind wir aber (global gesehen) extrem privillegiert. Eine Arbeiterin in einer indischen Textilfabrik hat da z.B. komplett andere Voraussetzungen.
Abgesehen davon ist statistisch erwiesen, dass die Ansteckungsgefahr um ganze 80% sinkt wenn man die Sozialkontakte nur um 25% reduziert. Auch wenn man vielleicht nicht so früh reagiert hat, wie das vielleicht nötig gewesen wäre, kann man den weiteren Anstieg durch konsequente Einschränkungen JETZT immer noch drastisch reduzieren - NICHT stoppen, so viel muß klar sein! Dazu gibt es genug Beispiele und es wurden hier auch Links dazu gepostet.
Natürlich kann man jetzt rummäkeln warum das Kino noch offen hat, das Theater aber zu. Dabei gibt es in Österreich klare Richtlinien: keine Veranstaltungen im Freien mit über 500 Personen und keine in Räumlichkeiten über 100 Personen. Wenn jetzt ein kleines Kino mit zwei Vorführräumen offen hat und nicht über 100 Personen reinlässt oder ein Wildpark (im Freien) kontrolliert, wie viele Leute reingehen und wieder rausgehen, damit die 500 nicht überschritten werden, ist diesem Gesetz soweit Genüge getan. Viele Einrichtungen schließen auch freiwillig um eine Verbreitung des Virus zu verringern, andere (welche die Zahlen unterschreiten) entscheiden sich dafür, offen zu halten. Hier wird an die Eigenverantwortung der Bevölkerung appelliert und - zumindest im österreichischen Fernsehen - sehr gut informiert.
Wir waren heute nachmittags z.B. mit den Jungs in einem Wildpark (im Freien). Es waren sicher deutlich weniger als 500 Personen auf dem doch sehr großen Gelände unterwegs und wir waren nie näher als 2 Meter an jemand anderen dran. Im angeschlossenen Buffetbereich waren vielleicht 20 Personen, die sich breit über alle Sitzmöglichkeiten (ca. für 100 Personen) aufgeteilt haben.
Ich würde aber z.B. heute nicht mehr in eine Videospielhalle in einem Einkaufszentrum gehen, wo etliche Kinder und Jugendliche auf engem Raum zusammen sind und die Geräte in kurzen Abständen anfassen, auch wenn es UNTER 100 Personen sein sollten.
Dasselbe ist mit Kino. Ich würde mich nicht in einen vollen Kinosaal setzen, wo sich schon im Eingangsbereich die Massen drängen. Aber ich kann mir einen Kinobesuch durchaus vorstellen, wenn wenig los ist und ich die Hygienehinweise beachte (Hände waschen, kein Körperkontakt, mindestens 1 Meter Abstand zu anderen). Ich war ohne Virus schon einige Male im Kino, wo nur 5 Leute im Saal saßen.
Ich verstehe schon, dass die Regierungen nicht ALLES rigoros verbieten wollen. Es wäre auch nicht sinnvoll, weil dann mit Protesten und Revolten zu rechnen wäre, wo dann erst recht wieder viele Leute auf engem Raum zusammen wären. Und es sollen auch die Fälle von "Lagerkoller" gering gehalten werden.
Ähnlich verhält es sich mit den Schulschließungen. Bei uns in Österreich sind ab Montag alle Oberstufen geschlossen und ab Mittwoch auch die Unterstufen, Grundschulen und Kindergärten. Man kann die Kinder aber zur Betreuung hingeben, wenn man nachweisen kann, dass man arbeiten muss (und nicht freigestellt wird oder home office machen kann). Wenn wer die Möglichkeit hat, ein Kind in der Unterstufe oder Grundschule schon ab Montag zu Hause zu lassen ist das aber auch erlaubt.
Bei mir ist es z.B. so, dass ich heute noch nicht weiß, ob ich am Montag arbeiten werde. Da meine Firma seit Freitag mittag geschlossen ist (Großhandel) habe ich von den Schließungen der Geschäfte erst zu Hause erfahren. Und ich habe keine Ahnung ob diese nur den Einzelhandel oder auch den Großhandel (wo ich im Detailverkauf im direkten Kundenkontakt tätig bin) betreffen. Da ich aber um 7h45 Dienstbeginn habe und der Schulbus den Kleinen schon um 6h45 abholt, werde ich danach wie immer den Großen in seine Schule bringen und am Arbeitsplatz erscheinen, um zu schauen, wie es aussieht. Sollte der Verkauf geschlossen werden kann ich die Kinder dann ab Dienstag zu Hause betreuen. Aber das weiß ich wie gesagt noch nicht.