Ich verstehe nicht ganz warum alles immer so kompliziert gemacht werden muss. Zuerst ist ein "Problem" wenn das Kind unbedingt lesen und schreiben will, dann ist ein Problem wenn es das (momentan) nicht mehr will... Schon die Frage ob man es "anbieten" soll ist wieder ein Problem...
...unsere Kinder gehen noch nicht mal zur Schule. Keiner will Druck machen, aber vor lauter "keinen Druck machen wollen" machen sich viele Eltern selber Druck, ja immer alles "richtig" zu machen.
Was ist dabei wenn ich anbiete "Komm, wollen wir gemeinsam diese Buch lesen?"? Ist nichts anderes als "Magst du auf den Spielplatz gehen?" oder "Wollen wir Ostereier bemalen?" Das Kind wird allein von dem Angebot sicher keinen Schaden nehmen und klar sagen, was es will und was nicht.
Momos Beispiel mit ihrer Tochter und dem reiten (im Threat "Zum mitmachen animieren?") zeigt deutlich, wie wir als Erwachsene oft glauben zu wissen, was unseren Kindern Spass macht und was nicht. Dabei ticken unsere Kinder oft ganz anders und zeigen uns dann sehr deutlich, was sie wollen und was nicht.
Ich habe ein ähnliches Beispiel bezüglich schlafen-gehen. Da ich morgens um6 aufstehe (damit ich Kleinsohn für den Kiga-Bus fertig mache) bin ich abends nach einem anstrengenden Tag oft sehr müde. Da mein großer Sohn aber ein Abendmensch ist hat es mir oft Streß gemacht wenn er beim schlafen gehen ewig getrödelt hat und dann noch eine lange Geschichte vorgelesen bekommen wollte. Daher kam von mirdie Regel "Nach 22h wird nicht mehr vorgelesen, dann will ich entweder schlafen oder leise in meinem eigenen Buch lesen." Habe dann angekündigt wenn es zeitlich knapp wird einen Wecker zu stellen und wenn der um 22h läutet wird die aktuelle Seite noch zu Ende gelesen und dann ist Schluß.
So weit, so gut. Nur hat das Sohnemann nicht am trödeln gehindert. Pyjama anziehen, waschen und Zähne putzen dauerte immer noch eine Stunde (oder noch länger

) und ich habe bemerkt wie ich ungeduldig und nervös wurde weil ICH Angst hatte er würde zu lange brauchen und dann traurig sein weil kein Buch mehr vorgelesen wird. Manchmal war es schon nach 22h wenn Sohnemann ins Bett kam, ein anderes Mal läutete der Wecker schon nach der ersten Buchseite. Aber nach und nach kam ich dahinter dass Sohnemann die Regel durchaus verstanden hatte und dass ihm das rumtrödeln am Abend manchmal wirlklich WICHTIGER war als das vorgelesen-bekommen. Habe dann aufgehört immer wieder zu drängen und zu erinnern und mittlerweile sind die Abende viel friedlicher, auch wenn immer wieder mal nicht vorgelesen wird.
Was ich damit sagen will: unsere Kind haben IHRE Prioriäten. Über ihre Motivation dazu können wir maximal mutmaßen. Ob die Tochter von Charlotte im Moment nicht lesen mag weil sie sich anpassen will oder ob es andere Gründe hat (z.B. weil was anderes interessanter erscheint) ist nichts, was wir als Eltern unbedingt wissen müssen. Es reicht, es zu akzeptieren und das eigene Kind gut zu beobachten.
Mein Sohn ist auch gerade in einer Phase der "Anpassung". Erst neulich hat er angekündigt, seine geliebten rosa Blinkschuhe nicht mehr anzuziehen wenn er mal in die Schule geht. Denn dann will er nur "Bubenschuhe" tragen. Mittlerweile weiß er, was von den anderen Kindern akzeptiert wird und was nicht und versucht, sich danach zu richten. Das sind die Dinge, wo ich ihm gar nichts dreinrede, denn er muss SEINEN Weg in der Gemeinschaft finden und selbst durch Versuch und Irrtum herausbekommen, wo Anpassung und wo Individualität für IHN besser ist.