Hallo,
Es tut mir leid, dass du hier so angegriffen wurdest.
Ich wundere mich etwas darüber und sehe das anders.
Die wesentlichen Informationen über deine Tochter wurden deutlich von dir kommuniziert:
-extrem begabt
-zweites von vier Kindern (mit älterem OFFENSICHTLICH begabtem Bruder) und zwei deutlich kleineren Geschwistern
-sehr verschlossen aber ungewöhnlich schwinungsfähig ( vermutlich “höchst“sensibel)
-beschäftigt sich vornehmlich mit existenzialistischen Fragen ( großes Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit)
- hat schon immer Probleme gehabt, soziale Kontakte außerhalb der Familie aufzubauen, fühlt sich fremd und unwohl innerhalb der Peergroup
- sehr großes Schreibtalent ist vorhanden und wird auch genutzt, toll!!! (sogar sehr erfolgreich genutzt)
- ungewöhnliche Anpassung, um die vorhandene Begabung zu kaschieren
- trotz der Anpassung konnten sich die Ressourcen aber voll entfalten und deine Tochter haut mit 14 mal eben so ein Ergrbnis raus, Wahnsinn!!!!
- es ist wohl ein großer Hang zur Melancholie vorhanden, vielleicht auch mehr ( was meiner Meinung nach durchaus an der Kombination Höchstbegabung+ ernsthaftes Naturell liegen kann)
- das Selbstwerterleben/ Selbstvertrauen ist nicht gut ausgebildet ( daran wirst du nun mit Sicherheit arbeiten, deine Tochter ist superschlau und ein faszinierender, ganz einzigartiger besonderer Mensch, Boah, wer hat schon solche Voraussetzungen

)
- stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und moralische Reife ( das kann zu sehr großem Leidensdruck führen, da die Altersgenossen bezüglich der Entwicklung einer moralischen Urteilsfähigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit derart hinterherhinken, dass deine Tochter sich fühlen muss wie Jesus unter Knastbrüdern)
Dein Kind ist ein großes Geschenk und du hast ein Riesenglück so ein kostbares Wesen großziehen zu dürfen und da deine Tochter im Test so fulminant performen konnte, hat sie trotz aller ( wie auch immer gearteten) Widrigkeiten, ihr Potential wunderbar entwickeln können und sie kann darauf zugreifen ( das ist nicht selbstverständlich).
Du bist Mutter von vier Kindern , meine Hochachtung und Respekt für diese enorme Herausforderung und Verantwortung sind dir gewiß, da ich schon mit zwei Kindern ( nun 16 und knapp 14) oft heillos überfordert war und oft noch bin.
Rabaukenmama hatte in der Rubrik “Literatur“ das Buch
“extrem begabt“ von Andrea Brackmann verlinkt, was ich dir dringend empfehlen kann.
Die Probleme Höchsbegabter sind kaum erforscht und dieses Buch ist eines der wenigen, das sich explizit damit befasst und sich vor allem der ungewöhnlichen Denkstruktur dieser Menschen widmet.
Mitleid braucht deine Tochter nicht, da schließe ich mich der Mehrheitsmeinung hier an aber Mitgefühl und Verständnis für ihre Andersartigkeit, ohne dabei Erwartungen aufzubauen.
Warum sie so leidet, beruht bestimmt auf einem Komplex unterschiedlicher Ursachen und nur du kannst deinen Anteil daran erfassen.
In die Analyse der gegenseitigen ( bewussten und unbewussten, konstruktiven und destruktiven) Beeinflussungen zu gehen, bedeutet nicht Schuldzuweisungen vorzunehemen, sondern ganz banal, zu verstehen.
Mitleid verhindert das, dafür hast du keine Zeit.
In dem Buch wird die These vertreten, dass Höchsbegabte sich unter ihresgleichen sozial/ emotional mit höherer Wahrscheinlichkeit gut entwickeln als in einem Setting, in dem die Diskrepanz zum Durchschnitt zu groß ist, im Gegensatz zu moderat Hochbegabten ( IQ unter 145).
Das Marburger Hochbegabtenprojekt (Rost-Studie) hatte ja keine signifikanten Unterschiede in der sozial- emotionalen Entwicklung Hochbegabter zum Durchschnitt festgesellt.
Dass das für Höchsbegabte auch gilt, scheint die Autorin zu bezweifeln, verifiziert ist das selbstverständlich nicht.
Meine Erfahrung mit meinem Sohn ( IQ im Rahmen von dem deiner Tochter) bestätigt das 100%ig.
In seiner “Nerdclique ist er ein vollkommen unauffälliger und total normaler Jugendlicher, innerhalb seiner Klasse......recht speziell.
Offen kommunizieren kann man sowas nicht, dafür hat kaum ein Umfeld Verständnis und auch ich habe immer wieder Phasen in denen ich umschwenke und denke, dass soviel Normalität wie möglich meinem Sohn guttut.
Dass du so knapp antwortetst kann ich total nachvollziehen, da es mir immer unglaublich schwerfällt, mein Gedankenchaos zu ordnen, das kostet Anstrenung, die einen manchmal schon der einfache Alltag übermäßig kostest.
Wie muß es dir da gehen?
Nicht alle sind routinierter Forumsschreiber, die pointiert und /oder problemlos in hinreichender Länge und Tiefe, Sachverhalte darlegen können.
soweit erst mal alles Gute
( brauchst auch nicht zu antworten, mir ging es vornehmlich darum, dir das Buch zu empfehlen, weil ich glaube, dass dir das schon sehr helfen könnte)