Diagnose Förderklasse?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag
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Schnegge
Beiträge: 24
Registriert: So 12. Jun 2016, 18:41

Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Schnegge »

Hallo Ihr lieben,

unser Sohn Milan geht seit September in die 1 Klasse einer Grundschule
und besucht dort als Regelkind eine Partnerklasse.
Er war ein Wackelkanditat bezüglich Zurückstellung, wurde dann aber von der Schuluntersuchung und vom Kindergarten als
Schultauglich eingestuft. Er bemüht sich sehr und ist auch Hilfsbereit, das Soziale ist seine Stärke aber im Regelunterricht kommt er nicht richtig mit.
Er liegt jetzt schon nach nur 11 Wochen hinter seinen Klassenkameraden zurück. Deshalb ist er traurig, frustriert und möchte ungerne zur Schule.
Auch seine Klassenlehrerin ist bemüht, hat uns aber vorsichtig an das Thema Diagnose Förderklasse gestupst.
Seine Probleme liegen in der Wahrnehmung und in der Aufmerkamkeit.
Das Mengenverstädniss ist noch mal ein eigenes Thema für sich und geht meiner Meinung nach Richtung Discalkulie. (Er kann mit der Menge einer Zahl nicht viel anfangen)
Wir haben im Dezember einen Termin im Spz zur weiteren Diagnostik bezüglich einer Wahrnehmungsstörung und eventuell noch ADHS.

Jetzt meine Frage ... hat jemand Erfahrung mit Diagnose Förderklassen ?
Meint ihr da hat man überhaupt eine Chance im laufenden Schuljahr unter zu kommen?
Bekomme gerade ein wenig die Krise ... Sorry für den langen Text ....

Grüße Katrin
alibaba

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von alibaba »

Ich würde abwarten was das SPZ heraus findet.

Förderschulen müssen immer aufnehmen, wenn das entsprechende Ergebnis da ist. Auch unter dem Jahr.

Tendenziell, wenn Ihr auch schon Schwachstellen vermutet, würde ich das Gespräch mit der Lehrerin der klasse suchen und zeitglich das Gespräch mit eben einer in Frage kommenden Förderschule.

Jetzt muss man aber aufpassen, je nach Bundesland, muss man sich erkundigen ob Inklusion möglich ist. Das könnt ihr aber auch beim SPZ erfragen, die kennen sich für Eure individuellen Bedürfnisse da sicher am besten aus. Förderklassen kenne ich so hier nicht.

VG
Schnegge
Beiträge: 24
Registriert: So 12. Jun 2016, 18:41

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Schnegge »

Eine Diagnose Förderklasse gibt es glaub ich nur in Bayern.
Es ist eine Förderklasse mit nur 14 Kindern die nach den normalen Grundschullehrplan unterrichtet wird.
Aber statt 2 Jahre wird die 1. und 2. Klasse in 3 Jahren gemacht.
Hört sich echt gut an finde ich. Die Lehrerin meint ihn ist vermutlich noch nicht bewusst das er zurück liegt.
Aber ein Anzeichen dafür das es ihn bewusst wird sind die Tränen jeden Morgen wenn er in die Schule muss.
Aber er tut sich einfach mega schwer ... und wenn es ihn jetzt schon ( nach 11 Wochen) zu schwer ist,
wird das mit der Zeit nicht besser da der Stoff ja anspruchsvoller wird!
Dazu kommt, das er seiner Klasse auch noch nicht wirklich Anschluss gefunden hat.
Hoffe nur wir bekommen dort noch einen Platz im laufenden Jahr ... bei uns sind es dieses Jahr mega viele Kinder eingeschult worden.

Grüße Katrin
alibaba

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von alibaba »

Also Grundschulen wo man die ersten beiden Jahre in drei durchlaufen kann, gibt es an vielen Schulen, in ganz unterschiedlichen BL innerhalb Deutschlands. Das ist mancherorts normal, also ein ganz normales Angebot. Ich habe mal ein Pärchen kennen gelernt die haben das für ihre ganz normalen Kinder so genutzt, Zeit zum reifen gegeben. Mit Förderklassen hat das aber nichts zu tun. aber das nur so, am Rande. :D
Rabaukenmama
Dauergast
Beiträge: 2924
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Rabaukenmama »

Wegen Förderklasse kann ich leider auch nicht hilfreich sein. Aber die ersten zwei Grundschuljahre in 3 Jahren durchmachen ist auch an der Schule meines Sohnes möglich. Umgekehrt ist es auch möglich, man kann z.B. auch 4 Grundschuljahre in 3 Jahren durchlaufen.

Und das ist eine ganz "normale" städtische Schule wo einfach jede Klasse fix eine Integrationsklasse ist und die Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und Schwächen besuchen - von schwerem Autismus über Hörschäden, Verhaltensauffälligkeiten, Dyscalkulie usw. bis zur Hochbegabung. So eine Möglichkeit hört sich auf den ersten Blick mal sehr gut an.

Was ich an Deiner Schilderung sehr traurig finde ist, dass dein Sohn offensichtlich sehr darunter leidet, mitzubekommen, dass er mit seinen Mitschülern nicht mithalten kann. Gerade für ein sozial kompetentes Kind (so, wie Du Deinen Sohn beschreibst, ist er das) muss es sehr schwer sein mit Erwartungshaltungen, die er klar erkennt, an denen er aber nichts ändern kann, umzugehen.

Ich habe hier genau die umgekehrte Version: ein vermutlich hochbegabtes Kind mit ganz vielen Stärken, aber sozial eindeutig zurück. Und auch mein Sohn leidet darunter, die Erwartungshaltung AN SEIN VERHALTEN oft nicht erfüllen zu können. Er hat zum Glück zwei sehr liebe, tolerante Lehrerinnen und so hoffe ich, dass er "seinen" Platz in der Klasse noch finden wird.

Was Deinen Sohn betrifft sehe ich aber akuten Handlungsbedarf (also nicht von heute auf morgen, aber bis spätestens zum Halbjahr) eine Entscheidung zu treffen damit ER SELBST sich in seiner Haut wieder wohl fühlen kann. Also alle Möglichkeiten checken (Vorschulklasse, Förderklasse, zwei Schuljahre in 3 Jahren), mit Lehrern der in Frage kommenden Einrichtungen reden, mit Eltern von Kindern, die dort sind, Kontakt suchen usw. Und danach nach bestem Wissen etwas aussuchen, wo die Chance, dass dein Sohn wieder mit sich selbst zufrieden sein kann, am größten erscheint. Alles Gute von uns :) !
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Schnegge
Beiträge: 24
Registriert: So 12. Jun 2016, 18:41

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Schnegge »

Da er gerade einen großen Sprung zu machen scheint und es zunehmend etwas besser läuft , haben wir uns entschieden erst mal abzuwarten.
Sollte sich dennoch abzeichnen das er er nicht schafft oder es einfach zu schwer wird können wir jeder Zeit umsteigen da
Kinder die eine Förderklasse benötigen auf Antrag der Schule wohl nicht abgelehnt werden dürfen.
Vielleicht bekommt er in Zukunft wieder Ergo zur Unterstützung seiner Wahrnehmung. Ich denke auch das durch seine Hobbys
einiges an Konzentration / Wahrnehmung geübt wird ( Schwimmen und Karate)und solange er Spaß daran hat ... :)
Careenah
Beiträge: 1
Registriert: Di 12. Mär 2019, 08:51

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Careenah »

Hallo habe dein Post gefunden und stehe auch grade vor der Frage ob ich meinen Sohn in die Diagnose Förderklasse anmelden soll oder in die Regelschule.

Wie ist es den deinem Sohn ergangen ? Ist er auf der Regelschule geblieben?


Lg
Amelie
Beiträge: 1
Registriert: So 22. Jan 2023, 14:29

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Amelie »

Habe diesen Post durch Zufall entdeckt. Für Eltern mit einem Kind mit Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“ möchte ich hier eine andere, persönliche Perspektive aufzeigen.

Bei mir wurde damals eine Diagnose Förderklasse festgestellt. Ich war zu dem Zeitpunkt in der dritten Klasse einer regulären Grundschule. Meine Noten waren damals nicht sonderlich schlecht, aber es haperte laut meinen Lehrern an meiner emotionalen und sozialen Entwicklung. Ich war einfach als Kind zu lieb zu anderen, wurde dadurch gehänselt und habe mich etwas zurückgezogen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an das „Vorstellungsgespräch“ an der Förderschule. Man hat mir schnell meine Perspektiven fürs Leben auferlegt. Der Rektor führte uns durch die Räumlichkeiten seiner Schule und sagte zu meinen Eltern stolz, dass die Schule einen Integrationsvertrag mit Firmen besitzt und dass 8 von 10 Schülern erfolgreich nach der Förderung eine Ausbildung zum Handwerker, Schreiner oder Konditor anfangen. Dann richtete sich der Rektor zu mir, „Na würdest du nicht gerne in einer Bäckerei mit Süßigkeiten arbeiten wollen?“ Ich verneinte höflich und sagte, dass ich lieber in die Wissenschaft gehen möchte. Der Rektor verzog dabei das Gesicht als ob er sich angegriffen gefühlt hat. Dann hat man mir eine Klasse kurz aufzeigen wollen, während zufällig ein Schüler den Lehrer mit einer Schere beworfen hat. Als ich das gesehen habe wollte einfach nur raus.

Ich war zwar nur 8 Jahre alt, aber ich wusste, dass das nichts für mich ist. Ich dachte ich würde dort eher sterben. Vor allem kannte ich einen Jungen an dieser Förderschule der mit 10 Jahren schon mit Drogen gedealt hatte. So einer wäre dann in meiner Klasse gewesen.

Ich habe damals beschlossen mich als Kind mit Händen und Füssen gegen den Beschluss zu Wehr zu setzen. Auf keinen Fall wollte ich dahin. Das war ein Überlebensinstinkt in mir.

Zum Glücke hab ich mich auch erfolgreich durchgesetzt sowohl gegen den Willen meiner Lehrer als auch meiner Eltern. Ich habe die Regelschule normal fortsetzen können, habe zehn Jahre später Abi gemacht, habe in Oxford studiert, habe erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut.

Ich hätte nie und nimmer mein Intellektuelles Potenzial erreicht, wäre ich damals doch noch auf die Förderschule gewechselt. Da bin ich mir 100% sicher. Auch die Integration zurück zu einer regulären Schule aus dem Förderschwerpunkt emotionale und sozialen Entwicklung heraus gestaltet sich notorisch schwierig.

Das Problem ist die Abgrenzung von einer inklusiven Bildung. Vor allem, wenn Kinder mit verschiedenen Problemen unterschiedlicher Art aufeinandertreffen. Dadurch kommt es mit unter zu vielen Reibereinen und Gewalt und negativen Einfluss zwischen den Kindern.

Das heißt jetzt nicht dass Förderschulen schlecht sind. Es kommt sehr auf den Einzelfall an. Man kann vielleicht erst Hilfe von einem Psychologen suchen der die Ursachen hinterfragt. Ist das Kind zu sensibel oder empathisch? Wird es von anderen Mitschülern gehänselt und warum?
Ein Kind mit anderen Kindern grob zusammenzuschieben unter der Rubrik emotionalen und soziale Entwicklung ist meiner Ansicht nach zu wage und kann das Gegenteil einer Förderung bewirken.

Generell, sollte das Bauchgefühl der Eltern zusammen im Gespräch mit dem Kind das Maaß aller Dinge sein. Auch das Motto „im Zweifel für den Schüler“ sollte gelten.
Rabaukenmama
Dauergast
Beiträge: 2924
Registriert: So 8. Dez 2013, 21:24

Re: Diagnose Förderklasse?

Beitrag von Rabaukenmama »

Der Thread ist aus dem Jahr 1916, somit ist das Kind, um das es geht, jetzt schon mindestens 12 Jahre alt.

Trotzdem danke für deinen aufschlussreichen Beitrag und willkommen hier im Forum :) !

Mein Sohn ist gehörlos und autistisch und für ihn war die Sonderschulklasse (für gebärdensprachige, gehörlose Autisten von 6-16 Jahren) das Beste, was ihm passieren konnte. Er ist jetzt innerhalb seines Klassenverbandes (mit aktuell 6 Kindern und zwei Lehrern) in den Regelschulehrplan gewechselt und wird aktuell nach dem Lehrplan der 1. Klasse Mittelschule beschult :) .

An keiner andern Schule könnte er sein kognitives Potential so ausnützen und sich außerdem barrierefrei (in Gebärdensprache) mit Mitschülern und Lehrern verständigen.

Es kommt mMn immer aufs individuelle Setting an.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
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