Hochbegabt und Einsam

Mein Kluges Kind macht was es will
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Dan44
Beiträge: 1
Registriert: So 14. Nov 2021, 09:50

Hochbegabt und Einsam

Beitrag von Dan44 »

Hallo zusammen,

mein Sohn konnte bereits zwei Klassen überspringen, weil er einfach recht Klug ist und geistig mehr gefordert werden muss.

Doch ein großes Problem ist, dass er recht Einsam ist. Es will keiner was mit ihm zu tun haben und er zerdenkt sich mögliche Bekanntschaften. Habt ihr ähnliche Probleme?
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
Beiträge: 1287
Registriert: Do 23. Jan 2020, 09:33

Re: Hochbegabt und Einsam

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Wie alt ist das Kind und welche Klasse besucht er?
nosupermum
Dauergast
Beiträge: 102
Registriert: Fr 8. Nov 2013, 12:54

Re: Hochbegabt und Einsam

Beitrag von nosupermum »

Wie entstand denn dein Gefühl, dass er einsam ist? Wie zeigt sich das?

Ich kenne das auch von meiner Tochter. Es ist nur so, dass ich mit mehr Gedanken über das Alleinsein mache als sie.
Sie hat nur eine Klasse (3.) übersprungen und ist nun in Klasse 5 eines Gymnasiums. Sie möchte sich mit niemandem verabreden. Sie fragt nicht, ob die mit anderen spielen kann, ob wer vorbei kommen darf oder sie zu jemandem. Sie hat auch extra ein Handy bekommen, damit sie dich austauschen kann. Sie schreibt niemandem. Die Folge ist natürlich, dass die auch nie gefragt wird. Die meisten Verabredungen habe ich über ihren Kopf hinweg organisiert. Dann war sie auch happy, würde es aber nie einfordern.

Wie geht es ihr damit? Sie merkt, dass ich gerne hätte, dass sie sich mit jemanden trifft. Mache sie bald, weicht sie aus. Konkret gefragt, sagt die jedoch, dass sie so wie es ist gut ist. Sie will lieber lesen oder was mit mir machen. Die liest viel. Fast zu viel. Ich glaube, dass ist den Lockdowns geschuldet. Manchmal denke ich sie, sie flüchtet in ihre Bücher. Dazu später. Etwas mit mir machen ist eher „reden“ oder mal ein Brettspiel spielen oder was basteln. Jedoch geht sie gerne in Nachmittagsbetreuung. Manchmal denke ich, das reicht ihr an Kontakten

Sie passte nicht wirklich in ihre alte Klasse. Die Lehrer und ich merkten, dass die sich anpasst. Sie hat mal gesagt, sie finde niemanden mit dem sie fachsimpele kann. In den Sprung hat sie auch viel Hoffnung gesetzt und wurde enttäuscht. Da wurden sie Mädchen schon vorpubertär und machten nur alberne Sachen.

In Klasse 5 ist es auch so. Die Mädels werden noch alberner und machen noch blödere Sachen, zB Videos mit dem Handy, bei denen sie nie mitmachen würde, weil die unheimlich weitsichtig ist (Ich möchte Politikerin werden. Später schadet mir dieses Video). Was soll ich sagen? Oder sie unterhalten sich über Bücher und die erzählt begeistert wie spannend die Autobiografie von Barack Obama ist. Zack, das killt jedes Gespräch. Oft gibt sie sich Mühe, sich anzupassen. Ich höre das an ihrem Tonfall und Gestik. Wie wenn sie sich um die kleinen Kinder unserer Freunde kümmert. Das ist nicht sie selbst.

Sie würde gerne mit älteren Kindern zusammen sein. In der Grundschule haben wir verzweifelt versucht sie in ein Förderprogramm zu bekommen. Die Lehrerin hat es bewusst vereitelt. Auch im Sport ergibt sich nix. Außerschulische Fördermöglichkeiten mit ähnlichen Kindern wie sie, gibt es hier kaum. Und wenn, dann traut sie sich nicht, denn die hat auch ein sehr geringes Selbstvertrauen. Wenn sie sich mal getraut hat, ist es prima und man merkt, wie sieaufblüht.

Auf dem Gymnasium wurde sie in ein Pulloutprogramm aufgenommen. Wir hoffen, dass sie hier Gleichgesinnte findet.
nosupermum
Dauergast
Beiträge: 102
Registriert: Fr 8. Nov 2013, 12:54

Re: Hochbegabt und Einsam

Beitrag von nosupermum »

Ach so: in der Klasse ist sie gut integriert. Dennoch fangen so langsam an sich Rollen auszubilden. Welche Jungs ärgern wen. Und leider schießen sie zwei aufsieht ein. Und das als Streber bezeichnen nimmt mit steigender Zahl an Klassenarbeiten zu. Noch ist es okay
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
Beiträge: 1287
Registriert: Do 23. Jan 2020, 09:33

Re: Hochbegabt und Einsam

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

@nosupsermum

meine Kids waren in den Förderklassen für Hochbegabten. Ich schätze den Durchschnittswert der Klasse auf 135-140. Von einem Dutzend Mädchen in der Klasse der Tochter, fiel mindestens die Hälfte in die Kategorie "typisch Mädchen", die sich fesh kleideten, schminkten, für Jungs interessierten und ab der __Klasse auch tranken. Barack Obama als Gesprächsthema - Fehlanzeige. Meine Tochter gehört nicht zu den typischen Mädchen und konnte mit dieser Gruppe wenig anfangen. Vom Rest der Mädchen verstand sie sich gut mit einer Klassenkameradin, die extrem hochbegabt ist, ich glaube noch nie eine andere Note als 1 geschrieben hat. Aber auch unter diesen zwei Mädchen glaube ich nicht, dass Autobiographie ein Gesprächsthema wäre. Sie haben schon Jungendbücher getauscht wie "The Hate U give", aber es blieb jedoch auf dem Jugendniveau. Auch wurde das Mädchen mit 1er nie für ihre Leistung schief angeguckt, weil sie, so wie auch meine Tochter, jeder Zeit bereit war den schwächeren den Sachverhalt der Schulstunden zu erklären. Kostenlos, freundlich und effizient, besser als die meisten Lehrer.

Von der Klasse des Sohnes kenne ich nur die Jungs. Die sitzen auf Discord, lieben Ballerspiele, machen wenig für die Schule. Es gibt zwei, die jede Matheolympiade gewinnen: der Sohn von einem Matheproffessor, und ein Chinese :-)

Die Interessen deiner Tochter sind sehr speziell und haben mit der hochen Begabung an sich nur sekundär was zu tun. Die primäre Frage ist, dass sie auf die Mitmenschen nicht eingehen möchte. Warum liest sie nicht das was sie lesen? Die kognitive Überlegenheit verbieten einem nicht altersgerechte Literatur zu lesen. Meine Großen haben in dem Alter deiner Tocher Warrior Cats rauf und runter gelesen. Ich war entsetzt: "Was für ein Ramsch!". Meine Kinder hat meine Empörung nicht im Geringensten gestört.
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