Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests
Mutti1902
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Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Mutti1902 »

Hallo zusammen,

ich bin ganz neu hier und hätte erstmal folgendes Problem bzw. Frage. Ich habe mich inzwischen durch einige Beiträge gelesen und gesehen, dass viele von euch auch den WISC-V Test gemacht haben. Wir haben diesen Test mit unserem 6-jährigem Sohn gemacht. Bei einer Psychologin, Hintergrund war Verdacht auf auditive Wahrnehmungsschwäche. Ich wurde vorher nicht informiert, dass dabei ein IQ-Test gemacht wird und war ehrlich gesagt ziemlich geschockt als ich mit meinem Sohn in dem Raum war. Nun alles in allem hat er toll mitgemacht, nur wurde er nach 30 Minuten sehr zappelig und die Konzentration ging flöten. Mir wurde im Anschluss an dem Test in einem Telefonat erklärt, dass mein Sohn sehr intelligent wäre aber neben einer auditiven Verarbeitungsschwäche auch an einer sehr langsamen visuomotorischen Differenzierungs- und Wahrnehmungsgeschwindigkeit leiden würde. Die Werte wären extrem abgefallen im Vergleich zu den anderen Bereichen. Nun wollte ich die einzelnen Ergebnisse gerne einmal sehen und habe diese schriftlich angefragt. Die Psychologin erklärt sie gäbe diese nie raus, da es nicht einfach sei so einen Test zu lesen. Wenn ein nicht Professioneller sich die Leistungskurve anguckt, kann er wenig davon verstehen, vielmehr ergeben sich häufig Missverständnisse und Fehlinterpretationen. Sie gibt die Testergebnisse nur an Fachpersonen raus.
So jetzt zu meiner Frage: Gibt es irgendwelche Rechte die ich habe diese Ergebnisse einzufordern? Der Test wurde von der Kasse bezahlt. Danke schon mal und sorry fürs abschweifen.
Katze_keine_Ahnung
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Ich bin kein Profi, aber wenn ich mich richtig erinnern kann, dürfen die Tests ab einer bestimmten Differenz nicht gesamt gewertet werden. Ich finde die Erklärung der Psychologin sehr schlüssig. Viel mehr als die Herausgabe der Ergebnisse, die euch nichts bringen, braucht ihr das Konzept, wie das Kind bei der bevorstehenden Einschulung vorbereitet und gleich von Anfang an am besten unterstützt wird. Alleine schon die auditive Wahrnehmungsstörung ist für die Schule eine große Baustelle. Wenn das Kind auch auf die visuelle Kanäle nicht ausweichen kann, um die Schwäche zu konzentrieren, hat es das doppelt schwer. Das Problem ist nicht, die schulische Inhalte zu lernen, sondern mitzubekommen, was, wann und wie gemacht wird, damit in angegebener Zeit fertig zu werden. Auch in der lauten Klasse einige Stunden am Tag auszuhalten ist schon eine Herausforderung. Ich habe an einer anderen Stelle gelesen, dass ihr über die Idee eines Schulbegleiters nachdenkt. Sollte die Möglichkeit vorhanden sein, einen genehmigt zu bekommen, kann man schon jetzt den Prozess in die Wege leiten.
Meine3
Dauergast
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Meine3 »

vielleicht reicht es dir ja, wenn du einen schriftlichen Bericht der Diagnose anforderst (sozusagen ein Gutachten), denn das brauchst du ohnehin für das Besntragen einer Schulbegleitung. Im Normalfall stehen dort dann auch die Ergebnisse des Tests. In aller Regel auch mit einer Auflistung der Ergebnisse in den Teilbereichen. Mehr brauchst du als „Laie“ und Mutter i.d.R. nicht. Denn die Kopie der Auswertung des Tests besteht un der Tat aus sehr vielen Abkürzungen und Zahlenwerten, für die man sich sehr gut einlesen muss oder eben eine Erklärung benötigt, um sie interpretieren zu können.

Wir haben beim ersten Test beim Psychologen auch „nur“ einen Bericht erhalten mit den IQ Werten der Testbereiche und der Beobachtung und Interpretation der Psychologin, sprich die schriftliche Diagnose.

Beim Begsbungsdiagnostiker erhielten wir dann ein sehr ausführliches Gutachten mit dem gesamten Test, allen Zahlen und Diagrammen. Spannend, aber die IQ Werte reichen einfach.

Einen schriftlichen Bericht brauchst du ja. Den darf sie dir eigentlich nicht verweigern, denn ohne kannst du keine Hilfen beantragen.

Gruß
Es kann sein, dass nicht alles wahr ist, was ein Mensch dafür hält, denn er kann irren, aber in allem, was er sagt, muss er wahrhaftig sein.
Mutti1902
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Mutti1902 »

Hallo Meine3,

einen ausführlichen Bericht habe ich vorliegen nur eben leider ohne die Ergebnisse/IQ-Werte. Die wollte ich gerade deshalb haben, weil die Erklärungen irgendwie so gar nicht zu unserem Sohn passen. Also zumindest nicht in der starken Ausprägung, die von der Psychologin beschrieben wurde. Zudem hat sie das Kind ja auch nicht gesehen. Mir ist beim Test aufgefallen, dass einige Aufgaben für ihn noch gar nicht machbar waren. Mich interessiert einfach wie eben diese Aufgaben gewertet wurden. Am Freitag habe ich mit der Kinderärztin ein Gespräch, vielleicht wurden ihr ja die Werte übermittelt. Echt schade, dass sich die Psychologin so bedeckt hält.

Viele Grüße
Katze_keine_Ahnung
Dauergast
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Die Intelligenztests sind keine exakte Wissenschaft, und vor allem in jungen Jahren sehr unzuverlässig. Gute Tester können sehr viel aus dem Verhalten des Kindes beim Testen interpretieren. Diese Beobachtungen können sehr aufschlussreich sein. Wenn du gesehen hast, dass die Konzentration stark abgefallen ist, heißt das dass es auch im Alltag nicht unwahrscheinlich genauso läuft.

Die Tests sind genormt, und die Untertests, die über die Konzentration eine Aussage erlauben, sind nicht umsonst am Ende. Alle Kinder, die für die Normierung den Test absolviert haben, haben die gleichen Bedingungen gehabt.

Was verstehst du unter nicht machbaren Aufgaben? Wenn man in den überdurchschnittlichen Teil des Testes kommt, dann werden die Fragen schwieriger. Sehr intelligente Kinder deckeln die Tests für Jahre voraus. Bei den Früheinschulungen und Sprüngen werden manchmal gezielt nicht altersgerechte Tests eingesetzt, um zu schauen, wie die Kinder abschneiden, und ob sie dann mit Klassenkameraden mithalten können.

Ich kann mich erinnern, mit meinem Älteren zum Messen der auditiven und visuellen Signalverarbeitungsgeschwindigkeit bei einem Ergotherapeuten gewesen zu sein. Das Ergebnis war der Prozentrang, bezogen auf den Durchschnitt. Bei AWS ist ein Pädaudiologe ein kompetenter Ansprechpartner.

Auch die Konzentration kann man in separaten Tests messen lassen, dazu braucht man nicht unbedingt einen großen IQ Test. Das Ergebnis ist auch ein Prozentrang.
Mutti1902
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Mutti1902 »

Mit nichtmachbaren Aufgaben meine ich zum Beispiel das wiederholen der ähnlich klingenden Wörter. Da waren viele Wörter dabei, deren Bedeutung er noch nicht kennt. Beispiel: Seite/Seide, was Seide ist weiß er nicht. Wenn er dann zuvor Seite hört ist für mich klar dass er auch bei Seide, Seite wiederholt. Die Psychologin hat aber darauf geschlossen es läge eine starke auditive Verarbeitungsschwäche vor und er könne den Unterschied nicht heraushören. Ist aber Quatsch, zumindest mit dieser Begründung , weil ich kenne ihn ja.

Dann war da der letzte Test bei dem er die Buchstaben der Wortanfänge wiedergegeben sollte, sprich BL bei Blume. Ich habe erklärt, dass sie in der Schule erst sechs Buchstaben durch haben und er das noch nicht kann. Spielte keine Rolle, er musste es trotzdem machen.

Das sind einfach so ein paar Ungereimtheiten, die mich an der Diagnosen zweifeln lassen.
Katze_keine_Ahnung
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Katze_keine_Ahnung »

Kinder können auch Kauderwelsch wiederholen, ohne jeglichen Sinn und Verstand. Darauf sind viele Abzählreime ausgelegt. Sollte dein Kind Buchstaben oder Laute angeben? Wenn es um Laute geht, entwickelt sich diese Fähigkeit etwa im Vorschulalter. Bei kognitiv fitten Kindern häufig viel früher. Ein Pädaudiologe würde helfen, die Ungereimtheiten aufzuklären.
Mutti1902
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Mutti1902 »

Ja vermutlich ist das der nächste Weg. Aber jetzt warte ich erstmal noch das Gespräch mit der Kinderärztin ab. Danke für dein Feedback!

VG
Rabaukenmama
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Rabaukenmama »

Meine Jungs haben beide extreme Teilleistungsstärken, so dass die IQ-Tests in Einzelbereichen immer nach oben "gedeckelt" sind. Das "BL" als Wortanfang für Blume hätte mein älterer Sohn vermutlich schon mit 4 Jahren geschafft und den Unterschied zwischen Seite und Seide hätte er auch gekannt, weil bei ihm eben der sprachliche Bereich extrem überdurschnittlich ist. Mir wäre lieber gewesen, wenn er statt dessen mal gelernt hätte, aufs WC zu gehen, aber das

Dafür ist er in den klassichen "Wahrnehmeungsstörungs-Bereichen" im Gegensatz zum restlichen Testergebnis extrem nach unten abgesackt. In seinem Fall waren das VG (Verarbeitungsgeschwindigkeit) und AG (Arbeitsgedächtnis). Beides war aber trotzdem noch im mittleren bzw. unteren "Normalbereich". Also auf dem Befund (als Zahl) hat es nicht so auffällig gewirkt. In Kombi mit den anderen Teilergebnissen war und ist dieser extreme Abfall aber eben doch auffällig.

Darum kann auch bei Kinder mit extremen Unterschieden zwischen den einzelnen Teilbereichen kein seriöser Durchschnitts-IQ ermittelt werden. Früher war mal die Grenze zwischen bestem und schlechtestemUnterergebnis, bis zu der ein Test "ausgewertet" werden konnte, 23 IQ-Punkte. Bei meinen Jungs waren diese Unterschiede über 60 bzw. über 100 (kein Tippfehler!) IQ-Punkte. Beide sind diagnostizierte Autisten.
Der liebe Gott schenkt uns die Nüsse, aber er knackt sie nicht (Johann Wolfgang von Goethe)
Mutti1902
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Re: Anspruch auf Herausgabe Testergebnisse

Beitrag von Mutti1902 »

Ja Rabaukenmama,

genau den Verdacht (Asperger-Autismus) haben wir bei unserem Sohn inzwischen auch. Und auch unsere Kinderärztin hält das für möglich. Ob ich das aber tatsächlich bestätigt haben möchte, weiß ich noch nicht. Ich denke diesen schritt wagen wir erst, wenn die Probleme in der Schule wirklich zunehmen sollten. Wir haben in dieser Woche mit der Reflexintegrationstherapie begonnen, von der ich mir viel erhoffe. Ich bin gespannt, ob sich Erfolge einstellen.
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