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Völlig am Ende der Kräfte

Verfasst: Do 9. Jul 2026, 15:16
von Senzwiebelchen
Hallo zusammen,

wir sind erst kürzlich auf das Thema Hochbegabung aufmerksam geworden, unsere Reise bis hierhin habe ich im Vorstellungsthread geteilt.

Kurzum: Unser Sohn (2 Jahre alt) hat keine diagnostizierte hb, weil in dem Alter schlicht unmöglich, aber die kognitive Entwicklung von ihm und die sonstigen Auffälligkeiten, die ich mit euren Erlebnissen und der hier aufgeführten Liste abgleichen konnte, haben uns zumindest mal etwas Licht ins Dunkle gebracht und einen Pfad angeboten, der es wert ist, verfolgt zu werden.

Aktuell sind wir völlig am Ende unseres Nervenkostüms angelangt. Am meisten nimmt uns die Schlafsituation mit, die so vielen eurer Beschreibungen gleicht: Jeden Abend (nach körperlichen Müdigkeitsanzeichen) ringen wir mit unserem Sohn, dass er doch vor 23 Uhr ins Bett gehen möge, da er auch um 7 Uhr schon wieder auf der Matte steht. Aber er bittet immer darum nochmal aufstehen zu dürfen, nochmal ein Buch zu lesen oder plappert uns noch das Ohr ab. Ist er einmal eingeschlafen beginnt meist das selbe Spiel, phasenweise mehr und phasenweise weniger: Er wird wach und entweder läuft er direkt zum Bücherregal um für zwei Stunden wach zu sein oder er fängt an wie am Spieß zu schreien und lässt sich durch kaum etwas beruhigen - Will keine Brust, keine Decke, nichts trinken, nicht schmusen, etc. Das dauert meist 15 Minuten und danach braucht er noch seine Stunde, bis er wieder einschläft. Und dann klettert er jetzt im Sommer meist gegen 7 Uhr wieder aus dem Bett, im Winter könnte er auch mal länger schlafen (kann er aber kaum, weil wir ihn dann meist auch zügig zur KiTa bringen müssen, Stichwort: Feste Bringzeit). Es war schon immer schlimm mit seiner Schlafsituation, er war auch schon immer ein Schreikind (als Säugling ganz klassisch 4 Monate lang) dass keine Regulation zwischen "alles gut" und "ich schreie mir die Seele aus dem Leib" kannte. Ich schlafe wenn es hoch kommt grade 3-4 Stunden in der Nacht.

In der KiTa selbst ist er nun schon 10 Monate und ihm gefällt es meist auch ganz gut. Wenn er mal weint, dann oft, weil ihn das "falsche" Elternteil bringt und der Trennungsschmerz da ist, aber in der KiTa selbst ist dann meist alles wieder gut. Allerdings hatte er schon 3x die Bezugserzieherin gewechselt, weil die erste aus dem Kollegium "gegangen" wurde (sie war nur integrative Hilfskraft und schon deutlich älter als die anderen), die zweite hat vermutlich ein Burn Out und fehlt nun schon seit 2 Monaten und die dritte Erzieherin manifestiert sich aktuell erst.

Phasenweise war es schon besser mit dem Schlafverhalten, vor allem als Erzieherin 2 ihn hauptsächlich betreut hat, sie hat ihn kognitiv auch wirklich immer individuell stark gefördert und uns schon früh auf seine besondere Sprachbegabung hingewiesen. In der Zeit ist er auch mal um 20 Uhr schon eingeschlafen oder hatte Phasen in denen er wirklich mal 4 Stunden am Stück geschlafen hat.

Aber aktuell ist's echt kein Zustand, ich sag es euch... Mein Partner hat kürzlich seinen Job verloren, weil er als zu "unzuverlässig" galt, wegen öfter Kind-Krank Tagen oder Überstundenabbau in denen er meinen Schlafmangel abgepuffert hatte oder unseren Sohn früher aus der KiTa holte, weil irgendwas in der KiTa war. (Jede Frau würde lachen und es einfach Equal Care Arbeit nennen, naja.) Ich habe daraufhin meine Promotion auf Eis gelegt, weil ich jetzt die Care Arbeit primär übernehme, damit mein Partner uns das Geld anscheffeln kann (Sch*** System!) und wieder "zuverlässiger" ist. Abgesehen davon bin ich auch seit 9 Monaten in psychotherapeutischer Behandlung wegen akuter Überlastung und habe inzwischen auch immer wieder mal neurologische Auffälligkeiten wie so stark zuckende Augenlider, dass ich z.B. im Straßenverkehr anhalten muss oder nicht weiter vor dem Laptop sitzen kann und Schwindelanfälle die ihres Gleichen suchen. Also der Schlafmangel kickt einfach anders hart. Zusätzlich zu den Tagen, an denen das Kind ja auch absolute Präsenz fordert und gefördert werden möchte und bei seinen Frustrationsattacken besonders empathische Begleitung braucht..

Vor kurzem hat unser Kinderarzt uns eine Überweisung für das SPZ gegeben wegen "emotionalen Regulationsstörungen". Heute bekomme ich die Antwortmail dass die Wartezeit 12 bis 19 Monate beträgt. :shock: Bis dahin bin ich in der Klapse oder hatte einen Schlaganfall.

Ich möchte nur eins fragen: WIE ÜBERLEBT MAN DAS? Wie habt ihr so Phasen gewuppt? Gibt es evtl. noch mehr Möglichkeiten oder Anlaufstellen?
Die KiTa riet uns zu einer Integrationskraft - Aber die können wir nur nach einem Gutachten vom Kinderpsychologen (Stichwort SPZ) stellen in unserer Stadt... (Und dann muss man auch erstmal eine verfügbare finden)

Verzweifelte Grüßchen