


Jedenfalls haben wir heute den Sack zugemacht. A. hatte heute ihren letzten Tag in dem alten Kindergarten und wird bereits am Montag dann in einem neuen Kindergarten anfangen. Es war mehr ein Zufall, denn sie geht in den gleichen Kindergarten, in dem auch L. Krippe ist. In meiner Verzweiflung habe ich wie eine Bekloppte im Internet gesucht, ggf. auch um A. dann evtl. früher einschulen zu lassen, falls es gar nicht mehr im Kindergarten weitergeht. Und dann bin ich darauf gekommen, dass der andere Kindergarten eine Kooperation mit einem Hochbegabtenverein hat, von dem ich aber noch nie etwas gehört oder gelesen hatte. Es gibt wohl eine Fachfrau, die berät hier vor Ort zwei Kindergärten und eine Grundschule pädagogisch und bietet auch Angebote für Kinder mit besonderen Begabungen an. Dabei fand ich es ganz interessant, dass diese Kinder nicht nach Test oder sonstwie ausgewählt werden, sondern sie werden von den Erzieherinnen vorgeschlagen und die Leiterin entscheidet dann nach einer kurzen Probezeit, ob die Angebote für die Kinder passend sind. Entsprechend durchlässig und altersunabhängig sind die Angebote dann auch. Es kann ja auch sein, dass ein Kind intellektuell dafür geeignet wäre, aber gar keinen Spaß daran hat. Und es wird auch ganz behutsam darauf geachtet, dass sie Kinder eben auch nicht überfordert werden. Denn die Beobachtung mache ich gerade im Moment im Kindergarten-Alter, dass viele Eltern ihre Kinder zu irgendwelchen Kursen anmelden ohne Rücksicht darauf, ob die Kinder dafür Interesse oder Begabungen mitbringen. Oft ist das einzige Kriterium, die Kinder für später fit zu machen.
Ich habe dann eine Email an die Kindergarten-Leiterin geschrieben, ob sie mich denn zumindest an irgendeine Fachstelle vermitteln kann, da ich nicht mehr weiß, wen ich noch fragen soll. Ich möchte einfach das Richtige tun und weiß aber selbst nicht, was richtig oder falsch ist. Eines war sicher, irgendwas muss(te) passieren. Die Leiterin hat mich dann zu einem Gespräch eingeladen und (soviel Fügung kann es eigentlich gar nicht geben) sie hat erzählt, dass sie selbst Mutter dreier hochbegabter Kinder ist.

Naja, da ging bei mir die Fassade runter und ich habe ihr frei von der Leber weg berichtet, wie hilflos ich bin und dass ich von allen Seiten so viele Tipps und Ratschläge bekomme, die sich aber auch zum Teil widersprechen. Sie erzählte mir dann, dass sie sich noch daran erinnern kann, wie wir uns das erste Mal den Kindergarten angesehen haben, als wir L. zur Krippe angemeldet haben. A. war mit dabei und durchstöberte dann das Büro und untersuchte sämtliche Gegenstände. Sobald wir dann aus dem Büro rausgingen, war A. weg und erkundete den Kindergarten auf eigene Faust. Sie erzählte mir nun in unserem Gespräch, dass ihr A. im Gedächtnis geblieben war, weil sie vom Verhalten her viel Ähnlichkeit mit einem ihrer Söhne in dem Alter hätte.

Ich habe dann nur gesagt:"Dann wissen Sie ja, was ich meine." Und dann erzählte sie mir von ihren Erfahrungen aus dem Verein und mit ihren eigenen Kindern und wie Mädchen anders mit ihrer Begabung umgehen als Jungen. Vor allem sagte sie, dass Jungen sich meistens in dem Alter ein wenig langsamer entwickeln als Mädchen, aber das Potenzial bei Mädchen oft viel später entdeckt wird, weil sie es einfach verbergen. Für sie ist es wichtiger, eine Verbindung durch Gemeinsamkeiten zu anderen Kindern herzustellen. Wenn es da aber kaum Gemeinsamkeiten gibt, ziehen sich Mädchen oft in sich zurück, weil sie einfach nicht wissen, wie sie mit den anderen Kindern in Kontakt treten sollen. Bei A. ist auch noch hinzugekommen, dass ihr Selbstvertrauen dadurch im Keller ist, weil sie so im Kindergarten auch keine Erfolgserlebnisse mehr hat.
Dann fragte sie mich noch, was ich mir davon verspreche, mit A. einen Test zu machen. Und ich habe ihr dann wahrheitsgemäß gesagt, dass ich selbst total verunsichert bin, weil ich die Begabung meiner Tochter nicht gesehen habe. Deswegen würde es mir persönlich helfen, wenn ich sie irgendwie einordnen könnte. Vor allem auch deshalb, weil ich so unterschiedliche Rückmeldungen über sie bekomme. Es würde mir eine Art von Sicherheit verschaffen. Da hat sie dann aber gesagt, dass es immer Menschen geben wird, die versuchen werden, einen zu verunsichern. Selbst wenn das Kind "amtlich" hochbegabt ist, wird umso mehr darauf geschaut, welche Defizite das Kind noch hat. Und da kein Kind perfekt ist, wird man immer was finden. Wichtig ist, dass man sein Kind selbst als begabt ansehen kann, ohne auf bestimmte Zahlen zu schauen. Der einzige Maßstab, den man dabei hat, ist die Rückmeldung des Kindes. Sie hat mir geraten, dass ich darauf vertrauen soll, dass A.s besondere Fähigkeiten herauswollen und dass sie sich zu gegebener Zeit zeigen werden, wenn A. soweit ist, sich zu offenbaren. Dafür ist es zunächst einmal das Wichtigste, dass sich das Kind sicher fühlt.

So, das hatten wir geklärt und dann sagte sie mir, dass sie noch einen Platz frei hätte. Sie könnte sich vorstellen, dass A. gut in die Regelgruppe passen würde. Es gibt dort schon ein weiteres besonders oder hoch begabtes Kind und die Erzieherinnen wissen auch um die besondere Pädagogik, die man bei diesen Kindern anwenden muss, z. B. klare Strukturen, nachvollziehbare Regeln, klare Grenzen und flexible Gestaltung der Angebote je nach Entwicklungsstand der Kinder. Was sich eigentlich anhört wie ein Widerspruch in sich, ist gut machbar, wenn man weiß, worauf man achten muss.
Zwischendurch habe ich gedacht, hier muss irgendwo eine versteckte Kamera sein!


Heute hatte ich das erste Einführungsgespräch und da sollte ich auch gegenüber der Erzieherin nochmal kurz erzählen, wie sie Situation gerade zuhause ist. Ich habe ihr dann erzählt, dass die Kinder im anderen Kindergarten gerade Bibelwochen hatten und was A. mir dazu für Fragen gestellt hat.


Heute gabs eine Abschiedsfeier mit Muffins und Mäusespeck und dann haben wir nächste Woche nochmal ein Abschlussgespräch mit den Erzieherinnen.
Ich frage mich wirklich manchmal, ob das alles so zufällig ist, denn an L.s Platz bin ich ja auch nur durch eine absolut unwahrscheinliche Fügung gekommen. Kann man zweimal soviel Glück haben?? Meine Mutter sagt ja, das war alles so vorherbestimmt. Ich nehme es einfach als Geschenk unf hoffe, dass A. nun endlich mal zur Ruhe kommt, bis die Schule dann losgeht.