Für die Frage "was ist chillen" (ein Wort, welches ich erst seit ca. 3 Jahren kenne

) müßte vermutlich ein eigener Thread eröffnet werden. Ich betrachte die Zeit, wo ich hier gemütlich vor dem PC sitze und im Forum schreibe ebenso als chillen wie die Zeit, wo ich an einem meiner Bücher schreibe, meine Briefmarkensammlung sortiere, Kataloge durchblättere, am Handy wordament spiele oder mich durch das Sortiment eines Büchergeschäfts schmökere.
Als Kind (als ich das Wort noch nicht kannte) war es für mich Comics oder Bücher lesen (nichts für die Schule!), fischen, Briefmarken sortieren, fernsehen oder Videospiele spielen (ich hatte eine der ersten Spielkonsolen - mit heute nicht vergleichbar.
Demnach ist "chillen" für mich das tun, wonach mir gerade ist. Und das ganz unabhängig davon, ob andere es als notwendig oder unnötig, anspruchsvoll oder anspruchslos, modern oder out betrachten. Und ich muß ehrlich gestehen dass ich meine chill-Zeiten BRAUCHE und solange meine Kinder zu Hause wohnen werde ich ihnen auch ermöglichen, ihre eigenen chill-Zeiten zu haben.
Mein älterer Sohn chillt beim lesen (sowohl Comics als auch Bücher), beim zeichen, beim Lego bauen, aber auch beim Videos schauen ("Paw Patrol" ist zur Zeit der Hit) oder Playstation spielen (Rio 3).
Kleinsohn chillt beim puzzeln, beim Holzeisenbahn spielen beim Kugelbahn spielen und auch beim Videos schauen (im Moment ist "Sesamstraße" sein Favorit).
Was die Kinder in ihrer freien Zeit machen ist ihre Sache. Bei uns gibt´s (wie ich schon öfter hier geschrieben habe) keine Limits in Sachen Computerspielzeit oder Video-Schau-Zeit. Trotzdem sind beide Buben durchaus kreativ und vielseitig interessiert. Sie dürfen ihre Zeit frei nutzen und durch Versuch und Irrtum lernen was gut für sie ist. Ich würde meinem Sohn z.B. nie sagen "Jetzt schalt aber endlich mal den Computer aus und lies statt dessen ein Buch" - jedenfalls nicht, solange er keine anderen Verpflichtungen erfüllen muß.
Mit den Beginn der Schule beginnen natürlich auch die Verpflichtungen, sprich Hausaufgaben. Da bin ich froh, wenn diese im Hort erledigt werden (drückt mir bitte die Dauem dass das klappt

) damit die Zeit zu Hause erst mal echte Freizeit bleibt.
Ich finde lernen mit Motivation und Begeisterung viel besser als mit Zwang und Druck, bezweifle aber, dass das, was sich die Kinder dann drucklos aneigenen auch genau das ist, was sie wirklich in der Schule und später auch im (Berufs-)Leben brauchen. Kein Kind ist gleich und kein Kind hat an allen Themen gleich viel Interesse. Jeder erinnert sich in seiner Schulzeit an Lieblingsgegenstände, Angstfächer und Unterrichtsstunden, wo es einfach nur stinklangweilig war und wo man einfach "durch" mußte.
Ein ohnehin weltoffenes, vielseitig interessiertes Kind ist sicher einfacher ohne viel Druch mit positiver Motivation und vielseitigem Lern-Angebot bei der Stange zu halten als ein Kind, welches nur für wenige oder sehr spezififische Dinge interessiert. Fakt ist aber dass sich der Großteil der Eltern einen halbwegs passablen Schulabschluss für das eigene Kind wünscht. Wenn das Interesse des Kindes aber z.B. hauptsächlich darin besteht, mit diversen Baukästen verschiedene Bagger zu bauen, dann ist das für die chill-Zeit-des Kindes zwar völlig ok, wird ihm aber beruflich nur dann weiterhelfen, wenn in den anderen Bereichen zumindest ein Basis-Wissen vorhanden ist.
Schule bietet nun mal ein breites Spektrum an Wissen an. Während das Kind die eine Sache liebend gerne noch vertiefen würde hat es keinerlei Interesse daran, sich in der anderen Sache auch nur ein Grundwissen anzueigenen. Ist das "Rezept" bei solchen (verständlichen) Verhaltensweisen wirklich, das Kind nur das tun zu lassen, was es von sich aus will? Oder muß es Kompromisse geben, dass man dem Kind z.B. sagt "OK, Mathe ist nicht so dein Ding, du hast viel mehr Interesse an Sprachen. Vertief dein Interesse daran so sehr du magst, schau aber, dass nebenbei trotzdem dass deine Mathe-Note im posiviten Bereich bleibt."
Und wenn das nicht klappen sollte - ist es dann wirklich so verwerflich das Kind GEGEN SEINEN WILLEN dazu zu bringen, in Mathe zumindest das Mindestniveau für eine positive Note zu erreichen (sofern das geistige Potential dafür da ist)? Oder soll es eben 2x die Klasse wiederholen und dann ohne Abschluss aussteigen weil man auf sein "Aber Mathe interessiert mich gar nicht" voll eingeht?
Nebenbei - es gibt schlimmeres als sitzen bleiben oder ohne Abschluss aus der Schule aussteigen

. Ich kenne einige Eltern von mittlerweile erwachsenen Kindern, die aus allen Wolken gefallen sind als das passiert ist, die Kinder haben aber trotzdem ihren Weg gemacht. Es geht einfach nur darum, ein Mittelmaß aus Eigenveranmtwortung und Druck zu finden, welches für alle Beteiligten noch erträglich ist.