Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon EinfachLeben » Mi 6. Sep 2017, 19:12

Mein Großer wurde im August 5 und da bei uns hier bei einigen Schulen im September/Oktober die Einschulung schon stattfindet, ist das Thema gerade hochaktuell. Eigentlich dachte ich mir immer, dass ich mir sicher bin, wie es weitergeht, aber jetzt seh ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr...
Eigentlich war für mich immer klar, dass ich mein Kind einmal zurückstellen werde und in die Waldorfschule schicke. Aber jetzt habe ich ein Kind, das andere Ideen hat :) Wir besuchen bereits einen Waldorf-Kindergarten und ich fühle mich dort sehr wohl. Die Atmosphäre in DIESER Waldorf-Einrichtung ist sehr frisch und herzlich. Die Art und Weise den Jahreskreis zu gestalten, kommt unserer Familie sehr entgegen und auch dass dort nicht das "Recht des Stärkeren" waltet, finde ich sehr positiv. Außerdem ist es mir sehr wichtig, dass mein Kind auch in der Schule nicht nur auswendig lernt und Wissen ausspuckt, sondern ich möchte auch, dass er sich selbst finden kann und lernt, mit Problemen, die später im Leben auftreten, kreativ umzugehen... Nun sehe ich aber, dass mein Sohn rein wissenschaftliches Denken liebt, er malt nicht gerne (weil er "das nicht kann") und vieles, was "typisch Waldorf" ist, scheint nicht wirklich zu ihm zu passen. Nun habe ich Angst, dass ich ihm damit etwas aufzwänge und ihm anderes vorenthalte, nur weil ich Angst habe, dass er mit seiner eigenbrödlerischen Art und seinem "zarten Aussehen und Wesen" Mobbingopfer wird (war beim Papa auch so). Er ist sehr sensibel, nimmt sich über die Maßen zurück und leidet jetzt schon darunter, dass er sich überanpasst...
Nun dachte ich auch an die Montessori-Schule hier. Montessori finde ich vom Ansatz her gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob sehr kluge Kinder da auch auf ihre Kosten kommen (dass dies bei Montessori eigentlich so vorgesehen ist, ist mir klar, aber in der Praxis ist dies - aus verschiedenen Gründen - ja oft nicht der Fall). Immerhin müsste es ja auch zusätzliches Material zu bestimmten Themen geben, was sicherlich nicht immer der Fall ist. Auch finde ich die Atmosphäre dort etwas "kühl" und ich kann oftmals nichts Kreatives erkennen. Manches kommt mir etwas sehr verzweckt vor und die Einrichtung hier vor Ort wirkt etwas "elitär"...

Wie würdet ihr euch entscheiden? Habt ihr einen Tipp für mich? Ich weiß, dass dies von außen immer schwierig ist, aber ich bin über jeden Denkanstoß dankbar, der mich UNSEREM Weg ein Stück näher bringt.
DANKE schon mal!
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Re: Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon Twochild » Mi 6. Sep 2017, 20:37

Wir haben uns u.a. wegen den von dir genannten Gründen dagegen entschieden. Unserem Sohn liegt das arbeiten mit den Händen nicht. Er malt z.B. weder gut, noch gerne. Gerade hat er arg mit dem geforderten Schleife binden zu tun. Seine Fähigkeiten im Bereich Lesen und Rechnen würden nicht zum Bild eines Erstklässlers in der Waldorfschule passen. Und das vorherrschende Tempo in diesen Bereichen ist eher seeeeeehr gemütlich.

Meine Tochter hätte ich gerne dorthin geschickt. Aber mein Mann konnte sich nicht dafür entscheiden...
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Re: Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon Vesajo » Do 7. Sep 2017, 11:55

Hallo!

Wie gefällt es denn deinem Sohn in seinem Kindergarten? Ist er dort glücklich, geht er gerne hin? Er verbringt relativ viel Zeit dort, weshalb ich es wichtig finde, dass KiGa und Kind zusammenpassen! Dass er bereits jetzt darunter leidet, sich über die Maßen anzupassen finde ich sehr schade. Gäbe es die Möglichkeit in eine andere Einrichtung zu wechseln, wo er mehr er selbst sein kann?
Was ich nicht verstanden habe: er ist 5, September/Oktober sind Einschulungen, auch für ihn? Oder wäre er nächstes Jahr dran? Spielst du nun mit dem Gedanken der Früheinschulung? (Sorry, steh gerade irgendwie auf dem Schlauch. :fahne: )

Was das Malen angeht, ... Könnte es sein, dass dein Sohn das nicht mag/kann, weil er (zu) hohe Ansprüche an sich hat?

Meine Tochter ist auch im August 5 geworden, sie wird nächstes Jahr regulär eingeschult in eine stinknormale Grundschule hier am Ort. Montessori und Waldorf gibt es hier nur 1-2 Ortschaften weiter mit miserabler Öffi-Anbindung. Mir ist wichtig, dass mein Kind selbständig zur Schule gehen kann. Das ist mM sehr gut für ihr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein.

LG, Vesajo
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Re: Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon BiHa » Do 7. Sep 2017, 12:51

Ich denke ja, Mobbing kann es überall geben genauso wie es überall friedlich zu gehen könnte. Mein Sohn geht auf eine öffentliche Schule und hat sich im Kindergarten zum Beispiel nie gewehrt, so dass auch ich Angst hatte, dass er ggf. zum Opfer wird. Es hat sich aber alles super entwickelt im letzten Jahr. Auch wenn er immer noch nett und freundlich ist, hat er gelernt, sich auch mal zu verteidigen, ist aufgrund seiner Art sehr beliebt und hat mir bisher noch nie davon berichtet, dass er gemobbt wurde.
Momo könnte Dir von der freien Schule ihrer Tochter berichten, in der diese aufblüht. Ich kann Dir sagen, dass auch öffentliche Schule nicht verteufelt werden müssen.
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Re: Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon Rabaukenmama » Do 7. Sep 2017, 18:12

EinfachLeben hat geschrieben:Nun habe ich Angst, dass ich ihm damit etwas aufzwänge und ihm anderes vorenthalte, nur weil ich Angst habe, dass er mit seiner eigenbrödlerischen Art und seinem "zarten Aussehen und Wesen" Mobbingopfer wird (war beim Papa auch so). Er ist sehr sensibel, nimmt sich über die Maßen zurück und leidet jetzt schon darunter, dass er sich überanpasst...


Bitte laß dich bei deinen Entscheidungen nicht von Ängsten beeinflussen. Allein auf Grund dessen, was bei einer Einrichtung wie Kindergarten oder Schule "außen draufsteht" kann man keinerlei Vorhersagen machen. Weder, ob ein ein Kind sich dort wohl fühlt, noch ob die Gefahr, Mobbing-Opfer zu werden bei einer Einrichtung größer ist als bei einer anderen.

Das beste Bild kann man sich machen, wenn man die Pädagogen persönlich kennenlernt, vielleicht mal in der Einrichtung hospizieren darf, und mit Eltern redet, deren Kinder diese Einrichtung schon besuchen. In Wien gibt es z.B. den "Tag der Wiener Schulen" wo bei den meisten städtischen Schulen hospiziert werden darf. Manche Schulen haben darüber hinaus noch "Tage der offenen Tür" oder man kann sich einen Termin ausmachen, wo man sich die Einrichtung mal anschaut.

Ich vermute mal, dass es bei euch darum geht, euch jetzt (im September/Oktober) für eine Schule zu entscheiden, die der Sohn ab nächstem Schuljahr besuchen soll. In dem Fall macht es Sinn, die Lehrpersonen der momentanen 4. Klassen kennenzulernen. Denn die übernehmen im nächsten Schuljahr wieder eine erste Klasse.

Das, was im ach-so-netten Schulkonzept steht, ist unwesentlich. Es steht und fällt alles mit der Lehrperson und der (zufälligen) Klassen-Konstellation. Man kann nicht vorhersehen, wie viele schwierige, verhaltensauffällige Kinder bzw. wie viele sozial kompetente Kinder in einer Klasse sein werden oder wie viele Buben und wie viele Mädchen. Dabei ist das ein ganz wesentlicher Faktor für das Klassenklima.

Aber man kann sich anschauen oder bei Eltern von Kindern, die die Schule schon besuchen, erfragen, wie die Lehrpersonen IN DEN KLASSEN mit auftretenden Problemen umgehen. Auch in wie weit die Lehrpersonen imstande und bereit sind, zu differenzieren, kann man mit etwas Hartnäckigkeit schon im vorhinein abchecken.

DAS ist ein viel wichtigeres Kriterium, als ob außen "Waldorfschule" oder "Städtische Grundschule" draufsteht ;) .
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Re: Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon patchanka » Di 12. Sep 2017, 12:32

aus Angst (z.B.vor Mobbing) würde ich gar keine Schule wählen.

Auch in einer Waldorfschule kann es Mobbing geben, und besonders den sehr "beseelten Anthroposophen" unterstelle ich (aus persönlicher Erfahrung), in manchen Bereichen blinde Flecken....

Eine Waldorfschule würde ich dann wählen:
- wenn ich mit dem Welt- und Menschenbild, welches dort die Grundlage bildet im großen und ganzen ganz gut kann...
- wenn ich den Eindruck habe, dass die Schule nicht in starren überholten anthroposophischen Vorstellungen verharrt und sie mit dem Wissensdurst und der Individualität von meinem Kind umgehen können...
- sie nicht verlangen, mein Kind in seinem Lernwillen zu bremsen, z.B. indem ich es erst mit 7 Jahren in die Schule schicke, wenn es schon mit 6 (oder kurz davor in die Schule gehen WILL....)


in die Waldorfschule meiner Schulzeit (80er und 90er Jahre) würden meine beiden Kinder eher nicht reinpassen!
Ich weiß aber, das sich in vielen Schulen sehr viel weiterentwickelt hat!

Das ist gut so und auch damals gab es sehr vieles was ich positiv bewerte und einiges, was ich erst viele Jahre später und durch die Erfahrung mit den eigenen Kinder und anderen alternativen Schulsystemen zu schätzen gelernt habe!
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Re: Waldorfschule aus Angst vor Mobbing???

Beitragvon EinfachLeben » Mi 13. Sep 2017, 21:31

Da habe ich mich wohl etwas ungeschickt ausgedrückt: Die Einschulung wäre zum September 2018, der Anmeldezeitraum ist aber bereits im September/Oktober 2017...
Habt vielen Dank für eure Antworten! Es gibt viele Gründe, warum ich meinen Sohn gerne in die Waldorfschule geschickt hätte, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es ihm wirklich gut tut... Eine meiner Hoffnung wäre, dass die Klassenlehrerin dort sich auch für die KlassenGEMEINSCHAFT zuständig fühlt und mein Sohn somit einen besseren Rahmen hätte. Aber ich denke, ich werde mir die einzelnen Lehrer jetzt erst einmal anschauen und dann meinen Bauch entscheiden lassen.
Wenn mein Sohn mit seiner Lehrkraft (und umgekehrt) nicht auskommt, dann hat das wenig Sinn...
Vielen Dank nochmals für eure Rückmeldungen,
EinfachLeben
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