2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon koala27 » So 13. Sep 2020, 19:02

Hallo,
der Kurze geht seit 2 Wochen zur Grundschule und ist bisher sehr begeistert davon. Allerdings kam er Freitag etwas gefrustet nach Hause, weil er einen Igel nicht gut ausschneiden konnte.
Am Nachmittag rief dann die Lehrerin hier an- mein Mann war dran. Laut ihrer Aussage konnte er wohl gar nichts vom Igel ausschneiden. Außerdem ist ihr wohl aufgefallen, dass er langsamer bei den Schreib- Übungen ist und den Malübungen in Mathe ist. Weiterhin fragte sie, ob er Sport machen würde bzw. mal gemacht hätte. Ihr sei auch aufgefallen, dass er sprachlich sehr weit ist.
Mein Mann hat ihr dann erklärt, dass wir wissen, das er nicht gut schneiden kann etc., weil er erst seit 1 Jahr überhaupt freiwillig mal einen Stift oder eine Schere in die Hand nimmt. Das er eben genau weiß, was er malen wollen würde, aber das nicht schaffen kann und dann eben lieber nichts macht. Mein Mann hat dann nachgefragt, ob er die Sachen, die er in der Schule nicht fertig bekommt nicht als Hausaufgaben mitbekommen könnte-- darüber war sie etwas verwundert. :?
Mein Mann hat ihr dann erklärt, dass wir das von der Große so kenne würden, wenn was nicht fertig wird in der Schule, dass das dann eine zusätzliche Hausaufgabe ist-- weil ja sonst auch die Übung fehlt--geht ja aktuell um Ziffern schreiben, Buchstaben schreiben ... also etwas was zum schneller werden einfach Übung erfordert.
Wenn sie daran denkt will sie jetzt wohl ihm die Sachen immer mitgeben, wenn was nicht fertig geworden ist..."Aber nicht länger als 30 Minuten für die Hausaufgaben und auch NICHT vorarbeiten" kam auch von ihr :gruebel: :gruebel:
In Bezug auf Sport war sie erstaunt, dass er Kampfsport gemacht hat- sie konnte sich das wohl nicht vorstellen. :gruebel: Und das er aktuell ja Badminton neuerdings macht.
Die Lehrerin meinte dann, dass wir die Feinmotorik mehr üben sollten und sie mal bis Nov. warten wollen würde- ansonsten wäre sicher Ergo noch was für ihn.
Am Schluß meinte sie, dass ihm dann ja "doch wohl nur Übung fehlen würde" und "es ja nichts über die weitere Schullaufbahn aussagen würde, wenn er jetzt hinterherhinkt".

Erstmal finde ich es ja gut, dass sie sich jetzt schon mal meldet und sie den Kurzen schon gut beobachtet hat.
Wir wissen ja auch, was seine Baustellen sind und weswegen er auch erst jetzt - und nicht schon letztes Jahr - eingeschult wurde.
Was mich ein bisschen beunruhigt ist die Aussage " Nicht vorarbeiten"-- das klingt nicht so gut für die Zukunft mit dieser Lehrerin-- ich hoffe, ich tue ihr Unrecht und sie kann später differenzieren. :?
Die Aussage über die Schullaufbahn finde ich ehrlich gesagt etwas dreist-- wenn man ein Kind erst 40 Stunden kennt.

Der Kurze übt jetzt hier erstmal schneiden- wir haben nochmal eine andere Schere geholt und einen Rätsel-Schnipselblock entdeckt- damit er auch etwas knobeln kann dabei.
Vielleicht war die Sache mit dem Igel ganz gut für ihn- auch wenn es gemein klingt- aber so hat er selber erkannt, dass er was üben muss-- denn ich habe mir schon den Mund fusselig geredet seit dem letzten Sommer, damit er mal was schneidet- außer Wunschzettel ging nichts.

In Bezug auf Sport- der Kurze mag kein Fußball/ Dribbeln etc. also wird er das auch nicht üben wollen-- das war schon im KIga so " Das ist kein Fußballjunge" (Aussage der Erzieherin).

Im November ist Elternsprechtag-- wir werden sehen, was sich bis dahin ergibt und wie er sich bis dahin macht--und dann entscheiden, ob wir die HB dann ansprechen müssen- je nach Situation in der Schule.

Allerdings sind wir jetzt schon froh, dass wir den Test letztes Jahr gemacht haben, denn sonst wären diese ganzen Aussagen der Lehrerin bei uns sicher anders angekommen und mit mehr Zweifeln über den Kurzen und seine Fähigkeiten verbunden gewesen.


Wie sieht es denn bei Euch anderen aus? Nach Schulbeginn/ Schulwechsel?
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 13. Sep 2020, 19:56

Hallo koala,

Aus meiner Erfahrung meiden Kinder sehr gerne ihre Problembereiche. Ich glaube, der Zusammenhang ist anders herum. Dein Sohn hat Probleme mit der Feinmotorik, daher meidet er diese Beschäftigungen. Durch ein bisschen Übung werden diese Probleme dann nicht gelöst. Das wäre eine falsche Erwartung, und würde dem Kind schon eher fade erste Klasse noch mehr verleden. Als ich meinen Großen eingeschult habe, war er nicht mal 5 und in der Feinmotorik gleichaltrigen eher hinterher. An sein Schriftbild konnte seine Lehrerin sich fast 10 Jahre danach noch erinnern. Ausschneiden ging natürlich auch nur sehr grob. Ausmalen war auch gewöhnungsbedürftig. Weder seine Lehrerin noch ihr haben daran zusätzlich gearbeitet. Jetzt in der 9. Klasse interessiert sich überhaupt keiner, wie sein Schriftbild aussieht, ob seine Zahlen in die Kästchen reinpassen und wie sauber die Hefte sind. Dein Junge spielt doch Klavier oder? Was besseres für Beherrschung der Hände kann man nicht tun. Er wird sich entwickeln, lass ihm Zeit und interessiere dich nicht für die Qualität der ausgemalten Bildern oder der ausgeschnittenen Sachen. Das verletzt in dem Alter noch zu sehr das Ego. Vor allem weil er selber erkennt, das er schlecht ist, braucht er nur Lob.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon koala27 » So 13. Sep 2020, 23:03

Hallo Katze,

ja er spielt Klavier, er hat Blockflöte gespielt, er liebt Bügelperlen, er baut Lego, er mag Stickkarten und Ausmalen.
Mir sind die ausgeschnittenen Sachen nicht wichtig, ihm aber schon. Er war richtig traurig, dass er mit seinem Igel gar nicht klar kam. "Ich konnte gar nicht richtig was daran machen" mit Tränen in den Augen. :(
Natürlich haben wir ihn getröstet und ihm gesagt, dass das nicht schlimm ist usw. Aber ihn hat es sehr gewurmt und beschäftigt. Den ganzen Freitag lang-- er war sowieos schon dabei den Wunschzettel zu machen ( seine Idee)-- und bei jedem Ausschneiden kam wieder " das geht nicht, das klappt nicht etc." Deshalb haben wir ja nochmal eine neue Schere geholt, als Idee, das es damit sicher besser geht. Das Blöde ist ja, ich weiß nur, was er berichtet und was die Lehrerin berichtet. Wie der Igel wirklich zu Stande kam und aussieht oder letzte Woche die Maus-- wir bekommen die Sachen ja nicht zu sehen. Im KIga haben wir die Sachen immer gesehen-- es wurden alle Sachen aufgehängt von den Kids ( ohne das die namen für alle sichtbar sind) und er konnte immer zeigen, was seins war. Da wurde nicht verglichen von den Erziehern oder kritisiert.
Das läuft jetzt anders-- die Lehrerin möchte auch nicht, dass die Bastelarbeiten in der nächsten Stunde weitergemacht werden- sie haben die vorgegebene Stunde Zeit und das war es dann.
Ich denke, dass setzt ihn auch unter Druck- weil er eben langsam und genau arbeiten will, wenn er malt oder schreibt oder schneidet. Er ist halt Perfektionist.

Das wir zu Hause was machen ist auch dem Umstand geschuldet, dass in der GS die Kids die Probleme irgendwo haben später sonst rausgezogen werden aus der Klasse und Extraunterstützung ( Förder) bekommen. Aktuell haben sie eine FÖJlerin zusätzlich mit in der Klasse, die ihm wohl auch helfen sollte beim Igel...laut dem Kurzen hat sie aber wohl 90% der Arbeit gemacht und er saß untätig daneben....was natürlich ihm nicht hilft, aber das Ziel der Stunde erfüllt ( hat er uns aber erst heute so genau erzählt, wusste ich Freitag noch nicht)
Die neue Schere hat er gestern schon getestet und fand sie gut, er hat auch den Knobelblock angesehen und sich ein Blatt rausgesucht und gemacht und war ganz stolz. So hat er zumindest gemerkt, dass er schneiden kann und das Ergebnis/ Bild fand er auch gut. Wir haben ihn gelobt und er hat die Schere gleich eingepackt für die Schule morgen.
Ich hoffe, er hat sich dadurch etwas Sicherheit geholt fürs Schneiden, dass er auch einfach erstmal anfängt zu schneiden und sich zutraut loszulegen--das würde ich ihm wünschen.
Wir wissen ja, dass er bei einigen Dingen länger braucht und zuviel im Vorfeld überlegt usw. bevor er anfängt--aber das wird sicher in der Schule anders gedeutet werden.
Und die FÖJlerin kommt frisch von der Schule- wie soll die wissen, wie sie den Kids helfen kann ohne alles selber zu machen, wenn es ihr keiner sagt/zeigt?
Ich werde mal abwarten, was die Woche bringt und ggfls. nochmal Rücksprache halten, wenn ihm die Arbeit erneut abgenommen wird- anstatt ihn soweit machen zu lassen, wie er eben kommt. Dann hat der Igel eben weniger Stacheln oder keine Füße....seine Maus hatte auch keine Schnurrbarthaare mehr bekommen, mangels Zeit ( " die sind im Fell versteckt Mama")

Leider war es ja auch schon bei der Großen an dieser Grundschule so, dass die Kids möglichst alle das Gleiche machen sollen, wenig vorarbeiten sollen, alle Bilder etc. nach Schema F gestaltet werden sollten usw. Die Parallelklassen sollen auch den gleichen Stand haben, die gelichen Arbeiten schreiben usw.
Also genau das, was ihm Kiga verpönt ist ( Schablonenarbeit) wird dort gelebt....Werden wir nicht ändern, müssen wir nochmal 4 Jahre durch.

Dein Großer hat Glück, dass die Lehrer bei ihm nichts sagen. Die Große ( Klasse 7) hat in den 2 Wochen auch schon wieder mehrmals von verschiedenen Lehrern zu hören bekommen, dass ihre Schrift zu schlecht sei und die Lehrer sie nicht lesen können würden....hier wird schon darauf geachtet und im Zweifel gibt es dann auch entsprechende Noten, wenn die Lehrer das nicht lesen können.
Sie hat diese vereinfachte Ausgangschrift gelernt und bei der Schreibschrift ihre Handhaltung so verdreht ( wie ein Harken) das sie total verdreht schreibt und noch drüberwischt etc. da sieht ein E in Schreibtschrift aus wie eine W, weil es mehr liegt als steht etc.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 14. Sep 2020, 06:47

@koala

mir fehlen dazu einfach die Worte und ich weiß, wie es die Jungs wurmt. Wir hatten letztes Jahr in der achten Klassen einen ähnlich gelageten Fall im Sport. Der Sohn hat für Liegestützen eine 6 bekommen. Ich musste ganz oft sagen, dass es mich überhaupt nicht interessiert, was er für Note auf dem Zeugnis 8. Klasse für Sport hat. Manche Lehrer sind halt ungeignet für die Arbeit mit Kindern. Von diesem Lehrer hat nicht nur unsere Familie, sondern viele Jungs und ihre Eltern gestöhnt. Ich hatte schon mal als Idee, dass sich da jemand den Hochbegabten doch beweisen will, dass sie nicht alles können.

Ich finde die Förderlehrerin gar nicht schlimm. Ich würde für mein Kind zuhause selber was ausschneiden und zusammenkleben, sollte es für mein Kind einen viel zu großen Aufwand darstellen. Schwieriger finde ich die Einstellung die Hauptlehrerin. Wenn dich das so beschäftigt, würde ich zum Kinderarzt gehen und ihre "Diagnose" überprüfen lassen. Entweder ihr bekommt Ergotherapie verschrieben oder eine Bestätigung, dass alles in Ordnung ist und sie zu viel fordert.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon sinus » Mo 14. Sep 2020, 10:53

Ohje.
Wobei ich es grundsätzlich erstmal gut finde, dass die Lehrerin so schnell schon Rückmeldungen gibt. Sie meint es sicherlich gut...

ICH würde das Ausschneiden jetzt schon gezielt üben mit dem Kind. Auch, damit es erlebt, dass man selber einen gewissen Einfluss darauf hat, wie gut man etwas kann.
Das ist doch genau das Thema, was immer wieder problematisch ist - Lernen lernen.

Ich war letztes WE bei einem Wochendevent der DghK, wo es auch tolle Vorträge gab.
Von einer Lehrerin und selbst Mutter von hoch- und höchstbegabten Kindern. (Inzwischen erwachsen.)
Ich fand ihren Vortrag bzw den Workshop wirklich sehr gut.
Für mich mitgenommen habe ich vor allem zwei Themen/Dinge:

1) Thema Kinder in der Schule/Herausforderungen:
Selbstwert stärken ist meist noch vor Enrichment & Co wichtig.
Dazu ist es entscheidend, dass das Kind "gesehen", akzeptiert und respektiert wird in seine Stärken und Besonderheiten.
(in dem Falle wäre es evtl. ganz gut, dass die Lehrerin über die Hb bescheid weiß...?!)

Sehr wichtig für das Selbswertgefühl und Motivation sind aber auch die Herausforderungen und vor allem, dass man regelmäßig das positive Gefühl erlebt, wenn man diese meistert.
Die Referentin stellte dafür nochmal dar, welche Schritte nötig sind, um Lernen positiv zu erleben:

Zuerst kommt die Angst vor Misserfolg, die überwunden werden muss.
Dann kommt die Anstrengung.
Dann das Durchhaltenmüssen.
Am Ende erreicht man sein Ziel.

Und nur wenn ALLE diese Schritte "abgearbeitet" sind, werden die entsprechenden Botenstoffe ausgeschüttet, die zu Glücksgefühlen führen.
Wenn eines davon fehlt (man sich nicht richtig anstrengen musste oder es fast ganz ohne Durchhaltevermögen geschafft hat), bleibt diese Belohnung
aus und der Erfolg wird nicht als solcher erlebt.

Die meisten Kinder erleben das alles "nebenbei" und häufig im (Schul-)alltag. Sie stehen schlicht öfter vor Herausforderungen, als "unsere".
Bei unseren Kindern läuft dieser "Kreislauf" insgesamt sehr viel seltener vollständig ab.
Darum leidet trotz guter Leistungen das Selbstwertgefühl (Leistungen werden nicht als echte Leistungen empfunden), geht die Motivation verloren und empfinden die Kinder keine Freude am Lernen.
Und die ist dann ggf sehr schwer wiederzufinden. (Davon kann ich auch schon ein Liedchen singen...)

Also Kinder immer wieder stärken, Projekte in Angriff zu nehmen und durchzuhalten. Auch wenn es "Hänger" zwischendurch gibt. Nicht zu schnell auf- und nachgeben, nicht zu schnell Probleme aus dem Weg räumen.
Sport und Instrument sind da die Klassiker, wo man das mit dem Anstrengen und Durchhalten regelmäßig erlebt und lernt.
Und da nicht zu schnell bei Unlust aufgeben.
Sie empfiehlt, darauf zu achten, dass die Kinder sich immer wieder ihrer Angst vor Misserfolg stellen, dass sie Sachen, die sie ein mal angefangen haben, durchhalten, dass sie sich auch mal anstrengen müssen.

In deinem Fall hieße das für mich also, dass ich das Problem Feinmotorik wirklich aktiv angehen würde. Zumal er sie ist ja jetzt motiviert scheint, das Problem anzugehen. Da würde ich das jetzt nicht schon an Punkt 1 scheitern lassen - an der Angst vor Misserfolg...
Also evtl. wäre eine Ergotherapie doch was. Oder eben das Ausschneiden eine Weile lang gezielt üben.

2)
Zweiter sehr hilfreicher Themenbereich war, wie man gute, erfolgreiche Lehrergespräche zum Thema HB führt.
Das würde jetzt hier evtl. zu umfangreich werden zu schildern, obwohl du das dann demnächst sicher brauchen könntest.
Kurz gesagt ging es darum, dass betroffene Eltern oft sehr viel besser informiert sind zum Thema, als die Lehrer. Grad wenn große hb-Geschwister da sind.
Das sollten die Pädagogen aber dann besser nicht allzu deutlich zu spüren bekommen, kein Lehrer wird gern belehrt. 8-)
Außerdem seien die Lehrer leider allzu oft auch gar nicht geschult in guter Gesprächsführung und darum laufen solche Problemgespräche oft aus dem Ruder oder enden ergebnislos.

Man solle sich darum als Eltern unbedingt vorher gut vorbereiten, sich klarmachen, was man für ein Ziel erreichen möchte mit dem Gespräch und was man sich ganz konkret erwartet.
Natürlich auf Gesprächsführung achten. (ich-Botschaften etc, sollte grundsätzlich bekannt sein, oder?)
Man solle, besonders als Mutter, klar kommunizieren, Aussagen nicht "verweichlichen" (vielleicht, man könne, wäre es möglich bitte, dass...). usw usf

Am besten wäre es, man nimmt eine weitere Person mit ins Gespräch. Manchmal hilft da schon der Vater sehr, allein weil er ein Mann ist und ggf klarer kommuniziert.
Ansonsten gern auch jemanden von einer Beratungsstelle. Das müsse man dann natürlich ankündigen, dass die Lehrperson sich nicht überfallen fühlt.
Also ankündigen, das man jemandem mitbringt und auch welches Thema einem am Herzen liegt.
Damit der Lehrer die Chance hat, sich ebenfalls auf das Thema vorzubereiten und nicht von dem Thema überfahren wird. Dann wird er ggf auch erstmal abwehrend reagieren, um seine eigene Unwissenheit zu überspielen.
Ein "externer" Fachmann hilft jedenfalls auch sehr, das Thema von der "persönlichen" Seite weg zu bekommen und sachlicher zu halten.
Und der "Widerspruch" richtet sich dann ggf auch nicht gleich direkt gegen die Familie/Eltern. ;-)

Falls du also demnächst ein Lehrergespräch zum Thema Hochbegabung suchen wirst (was ich wohl machen würde), würde ich mich an deiner Stelle tatsächlich vorher nochmal an eine Beratungsstelle wenden und um Hilfe bitten.
Auch die DGhK kann da sicherlich jemandem empfehlen oder stellen.
Zuletzt geändert von sinus am Mo 14. Sep 2020, 11:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon charlotte12 » Mo 14. Sep 2020, 11:02

Ich finde am Verhalten der Lehrerin v.a. problematisch, dass das der sicherste Weg ist, dem Kind beizubringen, dass Ausschneiden etwas Blödes ist, etwas was zu schwer ist und was man um nichts auf der Welt freiwillig macht. Und dass damit verhindert wird, dass er unbefangen anfängt, damit zu experimentieren, wenn er von seiner Entwicklung her so weit wäre. Wenn er erst seit einem Jahr schneiden kann, dann könnte ich mir vorstellen, dass er schlicht noch nicht so weit ist. Zum Glück ist Ausschneiden für die weitere Schullaufbahn definitiv sekundär... Meine Tochter konnte in Mathe in der ersten Klasse den kompletten Stoff schon vorher mit Ausnahme von Streichholz-Knobeleien, mit denen tat sie sich schwer. Die Lehrerin, froh dass sie ein Defizit entdeckt hatte, gab uns den Rat, das mit dem Kind zu üben. Kind hasste es. Ich ließ das Kind nach kurzer Zeit damit in Ruhe, zumal das Thema in der Schule schon wieder vorbei war. Als ein Jahr später wieder Streichholz-Knobeleien dran waren, hatte meine Tochter urplötzlich ohne jede Übung einen Blick dafür und war mit Feuereifer dabei. Manche Fähigkeiten brauchen bei Kindern im Gehirn einfach Zeit, um zu reifen. Ich habe ein gestörtes Verhältnis zu Waldorf, aber an dem Spruch "Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht" ist was Wahres dran.
Dieses "nicht vorarbeiten" hat meine Tochter ihre komplette Grundschulzeit hindurch begleitet. Wir haben das Problem in Klasse 1 und 2 so gelöst, dass ich ihr die Seiten, die sie gerne machen wollte, kopierte, die Blätter aufhob und später, wenn sie als Hausaufgaben dran waren und meine Tochter überhaupt keine Lust mehr auf das Thema hatte, einfach über die Originalseiten drüberklebte, so dass sie Hausaufgaben-Zeit sparte :oops: In Klasse 3 hatte sich das Thema von selbst erledigt, weil sie keine Lust mehr auf Schulstoff hatte.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 14. Sep 2020, 11:03

@sinus

das ewige Problem ist der Vergleich. Allein für sich kann man die Besserung sehen, aber ein Junge wird in den meisten Fällen viel unordentlicher Schreiben, Ausschneiden, Ausmalen als die gleichaltrigen Mädchen. Natürlich gibt es Ausnahmen an beiden Seiten, aber es ist schon so, dass Mädchen in dem früheren Schulalter den Jungen auf dem Gebiet der Beherrschung der Fein- und Grobmotorik voraus sind. Das habe ich schon selbst gesehen, von Grundschul, Schwimm- und Turnlehrern gehört. Also heißt schon die Frage aus Sicht eines Jungen, wie komme ich damit zurecht, dass Mädchen in der Schule besser sind? Männliche Lehrer können dem Problem die Schärfe nehmen, aber von denen gibt es leider viel zu wenige.

Zu viel Üben gegen eigenen Willen ist definitiv ein Gift. Dabei kann es sein, dass wenn der Junge schon in der Schule mit dem Schneiden kämpft, jedes Schneiden nach Ansage zuhause zu viel ist. Wie charlotte richtig erwäht, dass ist ein Prozess im Gehirn, und das braucht Zeit. Vermuttlich Jahre, bis er an den Durchschnitt kommt.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon sinus » Mo 14. Sep 2020, 11:31

"Viel üben" müssen andere Kinder aber ggf auch. Lesen, rechnen, Sachkunde.
Das alles müssen unsere ja nicht/kaum. Ich finde es nicht verkehrt, wenn unsere dafür halt eben was anderes üben.
Gerade unter dem Gesichtspunkt des "Lernen lernens".
Das besser Sein als andere ist ja auch eben gerade NICHT das, was unsere Kinder als wirklich tragenden Erfolg erleben.

Die Kunst ist, das Üben so zu machen, dass es keinen Familienstreit gibt deswegen und dass das Selbstbewusstsein dabei nicht leidet.
Darum wäre Ergo evtl nicht verkehrt. Ausgelagert, beim Fachmann mit Erfahrung.
Ansonsten spielerisch und dann immer wieder mit sich selbst vergleichen. Die Fortschritte klar machen, indem man die Ergebnisse von vor 1 Woche, 2 Wochen usw vergleicht mit dem was man inzwischen kann.
Der Vergleich mit den Klassenkameraden wird ja auch negativ ausfallen, wenn man es weiterhin NICHT übt.
Da gibts jetzt schon noch Möglichkeiten, die man probieren kann.

Das mit dem Vorarbeiten zeigt für mich nur die Angst des Lehrers, dass das Kind dann im Unterricht sitzt und alles schon kann/gemacht hat.
Aber vielleicht gibts da ja auch wirklich einige Eltern, die das machen, um dem Kind einen Vorteil zu verschaffen.
Womöglich vermutet die Lehrerin, dass Koala mit ihrem Sohn vor der Schule einige Dinge schon gezielt gelernt hat, weil er schon so viel kann und hat betont das darum so.
Dass das Vorarbeiten bei HB Kindern NICHT das eigentliche Problem ist und nicht Vorarbeiten es auch nicht löst, muss man dem Lehrer ggf in einem Gespräch geschickt vermitteln.
Da ist eben oft sehr viel Unwissen über HB-Kinder im Spiel.

Aber das sind derzeit alles nur Vermutungen, ich finde nicht, dass das Kind auch diesen 2 Wochen schon in den Brunnen gefallen ist und würde der Lehrerin schon noch eine Chance geben.
Noch weiß sie ja nicht, wen sie vor sich hat. Sie sollte schon die Chance bekommen, sich damit zu beschäftigen und das aus der richtigen Perspektive zu betrachten.
Dafür halte ich ein entsprechendes Gespräch demnächst doch evtl für hilfreich.
Als erstes würde ich Koala da jetzt raten, sich hinzusetzen und genau zu überlegen, was sie sich davon erwartet und was sie konkret sieht, was getan werden kann und muss.

Ich hätte mir übrigens im Nachhinein gewünscht, dass die Grundschullehrerin der Großen besser auf ihre Stifthaltung geachtet hätte.
Tochter kam definitiv mit richtiger Stifthaltung in die Schule und hat es im Lauf der Grundschule offensichtlich "verlernt". Sie hat nun eine krampfige, ungünstige Stifthaltung und eine chaotische Schrift.
Der Stift liegt bei ihr jetzt auf dem Zeigefinger etwa in der Mitte auf, der Daumen liegt oben auf dem Stift und presst den Stift auf den Zeigefinger runter. Das ist mir erst aufgefallen beim Homeschooling.
Jedenfalls kommen die Bewegungen beim Schreiben zu 100% nur aus dem Handgelenk, statt zumindest tw auch aus den Fingern. Abgesehen vom Schreibttempo - sie findet ihre Schrift selbst auch nicht schön.

Da Kind in der Grundschule wohl immer schnell genug war und die Lehrerin beim Schriftbild immer wieder ihre Augen zugedrückt hat, ist das entweder nicht aufgefallen, oder nicht thematisiert worden.
Ich selbst hab das Kind kaum schreiben sehn. (HA wurden erst im Hort, später im eigenen Zimmer ohne mich gemacht)
Jetzt ist es zu spät - das in der Schule geforderte Schreibtempo ist so hoch, dass sie da jetzt nicht nochmal einfach umlernen kann.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 14. Sep 2020, 11:44

Ich halte "Lernen lernen" für einen neuen Modetrend. Ich kenne kein Kind, dem das was gebracht hat. Meine Kinder ignorieren großspurig alle Methodenseiten im Buch. Ähnliches höre ich von den Eltern anderer Gymnasiasten, denen in Klassen 5 und 6 diese Methoden über den Kopf gestülpt werden. Die Kinder machen nicht mit. Punkt. In der Grundschule lernen Kinder, egal ob begabt oder nicht, viel mehr über das praktische Leben als durch Wissenvermittlung im Unterricht. Sie lernen dann im praktischen Leben gut, wenn sie Interesse an den Dingen haben. Mein damals noch so ungeduldiger und nicht unbedingt frustrationstoleranter Junge ist bei seiner ersten Windsurfstunde bestimmt 100 mal aufs Brett aufgestiegen, bevor er spätestens nach drei Sekunden wieder hingefallen ist. Ich bin der Meinung dass man für "Lernen lernen" die Interessen der Kinder und ihre Begabungen aufgreifen muss, um sie dort an die Spitze zu bringen, und keinesfalls die Defizite. Rumhacken an den Defiziten ruiniert das Selbstwertgefühl.
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Re: 2 Wochen Grundschule- Telefonat mit Lehrerin-Update

Beitragvon sinus » Mo 14. Sep 2020, 11:51

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:Ich halte "Lernen lernen" für einen neuen Modetrend. Ich kenne kein Kind, dem das was gebracht hat. Meine Kinder ignorieren großspurig alle Methodenseiten im Buch. Ähnliches höre ich von den Eltern anderer Gymnasiasten, denen in Klassen 5 und 6 diese Methoden über den Kopf gestülpt werden. Die Kinder machen nicht mit. Punkt. In der Grundschule lernen Kinder, egal ob begabt oder nicht, viel mehr über das praktische Leben als durch Wissenvermittlung im Unterricht. Sie lernen dann im praktischen Leben gut, wenn sie Interesse an den Dingen haben. Mein damals noch so ungeduldiger und nicht unbedingt frustrationstoleranter Junge ist bei seiner ersten Windsurfstunde bestimmt 100 mal aufs Brett aufgestiegen, bevor er spätestens nach drei Sekunden wieder hingefallen ist. Ich bin der Meinung dass man für "Lernen lernen" die Interessen der Kinder und ihre Begabungen aufgreifen muss, um sie dort an die Spitze zu bringen, und keinesfalls die Defizite. Rumhacken an den Defiziten ruiniert das Selbstwertgefühl.



...ich meine hier mit Lernen lernen nicht irgendwelche Methoden, sondern dass das Kind regelmäßige Erfolgerlebnisse hat, die es sich wirklich mal erarbeiten musste und ihm nicht einfach zugefallen sind, wie das im Schulalltag für kluge Kinder ja nunmal meist der Fall ist. (siehe oben: Angst vor Misserfolg überwinden, anstrengen, durchhalten)
Dass das in Bereichen, wo Interessen und Begabungen liegen besonders gut klappt, ist klar.
Und dass ein Ziel für uns Eltern sein muss, solche Erfahrungen zu ermöglichen.

Aber wenn ein Kind schon selbst den Wunsch hat, es besser zu können (wie Koala ja schrieb), sehe ich da trotzdem einen Punkt, wo man ansetzen kann.
Und mitunter ist ein Defizit ja auch hinderlich, um andere Bereiche zu erschließen, die einem vielleicht liegen würden. (bspw weil einen die schlechte Schrift/Haltung behindert, Ideen fließend zu Papier zu bringen)

Ich sehe das übrigens ähnlich auch bei Aufgaben im Haushalt. Die machen eigentlich ja keinem Spaß, wer mag schon Haushalts-Pflichten.
Trotzdem sind die letzten Endes wichtig für das Selbstwertgefühl ("ich kann was beitragen, ich hab es in Angriff genommen und hab was geschafft") und meine Kinder sind nach jeder erledigten Pflicht definitiv zufriedener als vorher.
Auch wenn sie vorher noch so gemotzt haben.

Also ich finde nicht, dass man unangenehmen Sachen wie bswp auch Defiziten - vor allem, wenn sie mit Übung zu verbessern oder beseitigen sind - so schnell aus dem Weg gehen sollte.
Und Ausschneiden IST eine Frage der Übung. Wenn das Kind Klavier spielt und Bügelperlen setzt, wird es wohl eher kein physisches Defizit haben, was es wirklich daran hindert, ordentlich auszuschneiden.
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