Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Fragen, Antworten und Erfahrungen zu IQ-Tests

Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Möhrchen » Sa 22. Mai 2021, 21:58

Hallo an alle,

ich habe schon ab und zu mal hier gelesen, war mir aber nicht sicher, ob wir hier „reingehören“. Aus gegebenem Anlass schildere ich unsere Situation und wäre dankbar für eventuelle Ratschläge.

Mein älterer Sohn (2. Klasse, fast 8 Jahre alt) hat eine neurologische Erkrankung, die sich auf seine Gehfähigkeit auswirkt, verbunden mit einer Muskelhypotonie im Rumpf. Festgestellt wurde dies, als er drei Jahre alt war. Er konnte auch erst spät sprechen und laufen. Aufgrund seiner Erkrankung war er schon früh an ein sozialpädiatrisches Zentrum angebunden, wo 2018, im Alter von 5 Jahren, ein Intelligenztest (WPPSI-III) durchgeführt wurde.

Der Gesamt-IQ lag bei 126, welcher laut untersuchender Psychologin „künstlich erniedrigt war durch die Senke auf der Skala Verarbeitungsgeschwindigkeit“. Hier hatte er ein Ergebnis im Bereich des unteren Durchschnitts.

Er hat durch seine körperlichen Einschränkungen eine Teilleistungsschwäche in diesem Bereich. Meistens verweigert er Aufgaben, die Geschwindigkeit erfordern oder wenn ihm bewusst ist, dass er sie nicht so perfekt erledigen kann, wie er es gerne würde. Oder er braucht halt lange dafür. Er hat sehr hohe Ansprüche an sich selbst und ist eher perfektionistisch.
Nun empfahl sein Kinderarzt nach der letzten Untersuchung einen erneuten IQ-Test, um anhand des Ergebnisses die weitere Schullaufbahn zu planen (der Test bringt jetzt vielleicht auch mehr als mit 5 Jahren(?)). Unser Sohn sagt öfter, dass ihm die Aufgaben zu langweilig sind und beschwert sich über Wiederholungsaufgaben. Aber oft hat er eine Art von mentalen Blockaden und versteht einfache Aufgaben nicht oder bekommt einen Wutanfall, weil er sie zu anderen Zeiten zu schwierig findet, und wirft dann im wahrsten Sinne des Wortes alles hin. Er hat Schwierigkeiten mit der Konzentration. Das kann natürlich mit der erhöhten Intelligenz zusammenhängen, aber auch seiner Behinderung geschuldet sein (am Schreibtisch sitzen oder stehen und schreiben oder auch malen ist körperlich sehr anstrengend für ihn).

Wo haben Eure Kinder IQ-Tests gemacht? Welche Möglichkeiten außer einem SPZ gibt es? Er hat und hatte schon sehr viele Arzt- und Therapietermine und wenn möglich erspare ich ihm ein paar, im SPZ gäbe es dann wieder jede Menge sonstige Diagnostik. Wir wohnen in Deutschland (Hessen). Und ich frage mich, ob ein erneuter Test wirklich sinnvoll wäre.

Ich wäre dankbar für eventuelle Tipps. Und vielen Dank an alle, die den langen Text bis zum Ende durchgelesen haben ;-).
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon sinus » So 23. Mai 2021, 10:23

Erstmal Hallo und klar passt du hier herein. Ein IQ von 126 ist sehr weit weg vom Durchschnitt und entsprechende Auffälligkeiten werden oft schon ab Werten von 120 beobachtet.

Zu deinem Anliegen:
Auf jeden Fall ist ein erneuter Test möglich und sinnvoll. Er sollte bei einem erfahrenen Begabungsdiagnostiker stattfinden.
Ich kann dir für Hessen nichts sagen, schreibe und lese aber seit ein paar Monaten in einer Facebookgruppe, die von einem Psycholgenpaar geleitet wird, die sehr erfahrene Tester sind und einen sehr kompetenten Eindruck machen.
Dort könntest du ja mal anfragen. Soweit ich weiß, gibt es einige, die extra wegen der Tests von weit her zu ihnen fahren.
Die Dame hat auch schon als Grundschullehrerin gearbeitet, der Mann ist auf Schulprobleme spezialisiert. Zum Test gehört ein ausführliches Gutachten inkl. Verhaltenstipps/Beratung.
Wer Mitglied in der Fb Gruppe ist, kann auch kostenloses telefonisches Blitzcoaching in Anspruch nehmen.

Dort schreiben auch sehr viele Mitglieder, so dass du da sicherlich auch Eltern mit ähnlichen Problemen findest.
Was allerdings unerwünscht ist, ist nach anderen Teststellen zu fragen, da die Gruppe eben von den beiden Psychologen gegründet und geleitet wird.

Du findest die Gruppe unter dem Stichwort "Hochbegabte Kinder kreativ & entspannt begleiten".
Viel Glück!
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
Raureif liegt auf dem Gras.
Der Has`
friert um die Nas.

(Herbstgedicht der 6jährigen)
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 23. Mai 2021, 13:26

Hallo,

ich verstehe die Fragestellung nicht ganz. Was genau ist unter der Planung der Schullaufbahn gemeint? Stellt jemand in Frage, dass er mit IQ von 126 ins Gymnasium gehört? Sein Verhalten in der 2. Klasse resultiert sich aus Überforderung in den Bereichen, die Feinmotorik erfordern und Unterforderung des Geistes. Er braucht eine verständnisvolle Lehrerin, die ihm die Menge an Schreibkram reduziert, unter der Voraussetzung, dass er das Minimale, was sie von ihm fordert, sauber und ordentlich erledigt. Dabei ist dieses "sauber und ordentlich" wirklich nach seinen Maßstäben zu beurteilen und nicht mit einer 8-jährigen MusterschülerIN zu vergleichen. Vielleicht lösen sich die Blockaden durch das positive Feedback.

Ab der 3. Klasse schreiben Kinder in den kleineren Zeilen und auch wesentlich mehr als in der 2. Klasse. Das gibt bei uns ab dem 1. Tag los, und der Schwall an Schreibaufgaben hat dann nie aufgehört. Es wäre besser für deinen Sohn, dass ihr gleich am Ufer vereibart, dass die Hefteinträge für ein kopiert und nach Hause gegeben werden. Wenn er keine Probleme hat sie von Kopien zu verinnerlichen, braucht er sie nicht abschreiben. Alle unnötige Wiederholungen in Mathe müssen weg, damit er mehr Kapazität für die Schrift hat. Wie ist sein Status? Fällt die Beeinträchtigung in den Bereich einer motorischen Behinderung? Hat er ein Recht auf Integrationshilfe und Nachteilausgleich?

Zu der eigentlichen Frage. Alles was Schullaufbahn betrifft, testen kostenlos die Schulpsychologen. Das ist dann eine andere Frage, wie qualifiziert sie dafür sind, um eine Hochbegabung zu diagnostizieren. Aber wie gesagt, ich verstehe nicht, wozu der Test gut wäre.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Rabaukenmama » So 23. Mai 2021, 16:09

Hallo Möhrchen!

Kann der Kinderarzt begründen warum er einen neuen IQ-Test will? Für eine etwaige Gymnasiumempfehlung ist ja die Klassenlehrerin zuständig, nicht der Kinderarzt. Und wenn dein Sohn gerade in der 2. Klasse ist, bringt es auch nichts, für eine Gymnasiumempfehlung (die erst in 1-11/2 Jahren spruchreif wird) JETZT einen IQ-Test zu machen.

Oder könnte sein, dass der Kinderarzt (ev. auch durch die "schlechte" Verarbeitungsgeschwindigkeit darauf aufmerksam gemacht) eine Wahrnehmungsstörung wie Autismus oder ADHS vermutet? Denn bei diesen Störungen ist die VG sehr häufig deutlich schlechter als die anderen Werte beim IQ-Test.

Natürlich ersetzt der IQ-Test keine ordentliche Diagnostik, aber das Ergebnis kann eben aufschlussreich wenn in die Richtung ohnehin schon Vermutungen im Rsum stehen.

Mein älterer Sohn hat auch als schlechtestes Unterergebnis VG (unterer Durchschnitt) und als zweitschlechteste AG (mittlerer Durchschnitt). Bei ihm ist das auf Grund von einer Kombi aus Asperger Autismus, ADHS und sehr wahrscheinlich Hochbegabung. Wobei die HB - ähnlich wie bei deinem Sohn - das Gesamtergebnis des IQ-Tests deutlich nach unten zieht, und er im Test (mit 9 Jahren) auch Teile verweigert hst, die ihm entweder "zu leicht" oder "zu langweilig" waren. Insgesamt hat er auf Grund seiner Behinderungen eine niedrige Frustrationsschwelle und wenig Durchhaltevermögen.

Ich würde beim Kinderarzt noch mal explizit nachfragen, WARUM er gerade jetzt einen neuerlichen IQ-Test machen lassen will. Und dann würde ich überlegen, ob ihr als Eltern das auch wollt.

Testmöglichkeiten: Ich würde keinen reinen IQ-Test machen lassen, sondern eine komplette Entwicklungsdiagnostik mi IQ-Test dabei, und zwar bei einem KJP, der sowohl mit Hochbegabung als auch mit Wahrnehmungsstörungen (und der Kombi von beiden) Erfahrung hat. Und ich würde in dem Fall keinesfalls eine Schweigepflichtentbindung unterschreiben. Denn nur so könnt ihr selbst entscheiden, wie ihr mit dem Ergebnis umgeht. Das kostet halt leider was und ist normalerweise privat zu bezahlen.

Wenn es "für die Schule " notwendig ist, bietet sich die Schulpsychologin an, weil es naheliegend ist und nichts kostet. Wobei ich gerade bei einem Kind mit verhältnismäßig schlechter VG auch aud die Auswahl des Tests achten würde. Denn bei manchen Tests ist die VG stärker "gewichtet" als bei anderen. Und wenn z.B. ein bestimmter Mindestwert erreicht werden sollte (z.B. für einen Klassensprung) ist naheliegend, einen Test auszuwöhken, der nicht gerade den schwächsten Bereich am höchsten gewichtet.


SPZ wäre für mich die letzte Wahl.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Auguste » So 23. Mai 2021, 19:08

Hallo Möhrchen!

Erstmal herzlich Willkommen hier! :)

Ich schließe mich denen an, die nicht so recht nachvollziehen können, was ein neuer IQ-Test jetzt bringen soll. Inwiefern soll der für die weitere Schullaufbahn hilfreich sein?

Wenn der IQ-Test mit 5 Jahren bei 126 war, dann wird der auch mit 8 Jahren nicht viel anders ausfallen. Das hängt auch davon ab, wie Dein Sohn bei einem neuen Test "mitspielt". Wenn er keine Lust hat, dann kann der Test viel schlechter ausfallen. Das heißt aber nicht, dass er deswegen weniger intelligent ist als mit 5 Jahren. Das heißt dann nur, dass er am Testtag keine Lust hatte.

Für die weitere Schullaufbahn wäre ein Test nur dann sinnvoll, wenn ihr eine Schule in der Auswahl habt, für die IQ von 130+ Aufnahmevoraussetzung ist. Ansonsten ist es völlig egal, ob da auf dem Papier nun 126, 120, 130 oder 135 steht.

Die schlechte Konzentrationsfähigkeit kann auch von der körperlichen Erschöpfung kommen. Wer müde/platt ist, kann sich nicht konzentrieren. Wenn Deinen Sohn aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen das Sitzen schon sehr anstrengt, dann bleibt weniger Energie für Konzentration übrig.

Ähnliches können wir bei unserem Sohn immer wieder beobachten. Er ist zwar nicht körperlich eingeschränkt, aber er hat eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS). Für ihn ist das Zuhören und Verstehen sehr anstrengend. Dadurch ermüdet er schnell im Unterricht und ist dann auch unkonzentriert und träumt vor sich hin. Das war dann auch der Grund für die Tests, weil seine Lehrerin AD(H)S vermutete. Laut Gesamt-IQ ist mein Sohn auch nicht hochbegabt. In Teilbereichen schon. Seine Verarbeitungsgeschwindigkeit ist unterdurchschnittlich. Das zieht den Gesamt-IQ runter.

Inzwischen wissen wir, dass unser Sohn wegen seines AVWS eigentlich einen anderen IQ-Test machen müsste, um ein reelles Ergebnis zu bekommen. Wir lassen ihn trotzdem nicht noch einmal testen, denn ein weiterer Test bringt uns gar nichts, außer vielleicht einer 130+ auf dem Papier. Unser Sohn (jetzt 11 Jahre alt) wird nach den Sommerferien aufs Gymnasium wechseln (bei uns ist der Übergang erst zur 7. Klasse) und wegen seiner Einschränkungen werden wir einen Nachteilsausgleich beantragen.

Dass Dein Sohn frustriert ist, wenn er Sachen nicht so kann wie er möchte, ist für mich normal. Und erst Recht, wenn er körperlich nicht mit Gleichaltrigen mithalten kann, aber im Kopf schon viel weiter ist. Es erzeugt halt Frust, wenn man weiß, dass man gewisse Sachen nicht kann oder nicht so kann, wie man will.

Auch dass er einfache Aufgaben nicht versteht, finde ich auch nicht ungewöhnlich. Er denkt anders. Aufgaben für durchschnittlich intelligente Kinder sind zu einfach.
Beispiel aus der 1. oder 2. Klasse: Die Kinder sollen aufschreiben welches Tier im Buch abgebildet ist. Mein Sohn sitzt da und grübelt und grübelt. Er weiß nicht, ob das Tier nun ein Reiher, ein Storch oder ein Flamingo sein soll. Es ist nicht eindeutig gezeichnet. Gesucht war: Vogel. Intelligente Kinder können an solchen Aufgaben verzweifeln, weil sie einfach nicht glauben, dass die Lösung so einfach und unpräzise sein kann. :schwitz:

Wir haben unseren Sohn bei einem Kinder- und Jugendpsychiater testen lassen, der sich mit Wahrnehmungsstörungen und Hochbegabung auskennt. War für uns die richtige Entscheidung, direkt dorthin zu gehen und nicht erst zum SPZ oder Schulpsychologen.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Rabaukenmama » So 23. Mai 2021, 19:43

Auguste hat geschrieben:Auch dass er einfache Aufgaben nicht versteht, finde ich auch nicht ungewöhnlich. Er denkt anders. Aufgaben für durchschnittlich intelligente Kinder sind zu einfach.
Beispiel aus der 1. oder 2. Klasse: Die Kinder sollen aufschreiben welches Tier im Buch abgebildet ist. Mein Sohn sitzt da und grübelt und grübelt. Er weiß nicht, ob das Tier nun ein Reiher, ein Storch oder ein Flamingo sein soll. Es ist nicht eindeutig gezeichnet. Gesucht war: Vogel. Intelligente Kinder können an solchen Aufgaben verzweifeln, weil sie einfach nicht glauben, dass die Lösung so einfach und unpräzise sein kann. :schwitz:


Jep, bei uns genau dasselbe. Mein Sohn hat den Allgemeinwissenstest an der Stelle abgebrochen, wo er mit eigenen Worten DIENSTAG beschreiben sollte. Er kam sich, wie er mir nachträglich erzählt hat, "verarscht" vor. Die Psychologin meinte "Der Wochentag zwischen Montag und Mittwoch" wäre eine richtige Antwort gewesen. Das war für meinen Sohn schlichweg grotesk.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Möhrchen » So 23. Mai 2021, 21:17

Vielen Dank für Eure Antworten.

Sinus, vielen Dank für den Tipp mit der Facebook-Gruppe. Dort werde ich mich auf jeden Fall mal umschauen.

Katze_keine_Ahnung, unser Sohn hat eine Schulbegleitung und Nachteilsausgleiche in der Form, dass er nicht immer alle Aufgaben bearbeiten muss, Schreibhilfe bei den Tests bekommt, etc. Home-Schooling lief gegen Ende fast gar nicht mehr, ihm wurde auf unser Drängen hin zugestanden, in Mathe nicht alle Aufgaben machen zu müssen, da es oft reine Wiederholungsaufgaben sind (Multiplikation/Division) und das Malen wurde eingeschränkt.

Von dem IQ-Test wissen Schule und Lehrer nichts. Wir waren mit der untersuchenden Psychologin und manchen Aussagen in ihrem Abschlussbericht überhaupt nicht einverstanden und wollten das Werk nicht den entsprechenden Stellen vorlegen. Zumal ein Kindertherapeut, den wir aufsuchten, das Ergebnis des IQ-Tests bzw. dessen richtige Durchführung und damit das Ergebnis anzweifelte (zumal er den verwendeten Test gar nicht kannte). Unser Sohn „begeisterte“ sich während einer Sitzung mit ihm scheinbar nur für ein recht simples Spielzeug, ging nicht wirklich auf die Ansprache durch den Therapeuten ein, wollte auch nicht malen, etc. Was für mich nicht unbedingt gegen das IQ-Test-Ergebnis spricht, aber eher gegen die Fähigkeit des Therapeuten. Nachdem der Therapeut uns noch sagte, dass unser Sohn ein sehr schwieriges Kind sei, lehnten wir eine Therapie bei ihm dankend ab. Die Unsicherheit wegen des Tests blieb dennoch hängen. Und wir dachten, dass es vielleicht eher schadet, wenn wir auf seine höhere Begabung hinweisen, und Aufhebens darum machen. Eventuell müssen wir das nachholen.

Rabaukenmama, ich glaube, der Kinderarzt hat die erneute Testung jetzt angeregt, weil die SPZs sehr lange Wartezeiten haben. Aber wir haben noch ein paar Fragen an ihn und werden ihn diesbezüglich fragen. Wir denken auch, dass unser Sohn eher psychotherapeutische Diagnostik oder gar Therapie benötigt als einen neuen IQ-Test. Seine Ergotherapeutin will ihn künftig auch so behandeln wie Kinder mit ADHS, auch wenn sie (auf meine Nachfrage hin) damit nicht sagt, dass er davon betroffen ist.

Der Punkt mit der Schweigepflichtsentbindung ist ein sehr wichtiger und hilfreicher, denn die ärztlichen Berichte begleiten ihn ja sein ganzes Leben lang und was darin steht und vielen Stellen vorgelegt werden muss, kann man ja nicht wieder zurücknehmen.

Auguste, bei unserem Sohn ist auch sehr viel Frust dabei und viel Wut (mit der wir auch nicht immer gut umgehen können) mit Verweigerung, er hat tw. quasi keine Frustrationstoleranz. Ich befürchte auch, dass er sich bei einem neuen IQ-Test sperren könnte oder zumindest in den Bereichen, die ihm sowieso schwerfallen.

Wir können bei ihm oft schlecht erkennen, wann er wirklich (durch seine körperlichen Einschränkungen) überfordert ist und wann er einfach nicht will – daher ist es so schwierig zu erkennen, wie viel Unterstützung er tatsächlich benötigt, und das richtige Maß zu finden. Vor allem wenn dann noch die überdurchschnittliche Intelligenz und daraus evtl. manchmal resultierende Unterforderung hinzukommt. Wenn er will, kann er auch recht schnell und begeistert arbeiten (auch an Aufgaben, die sonst mühsam sind). Also ob jetzt die durch die Schulbegleiterin festgestellte Langsamkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit in der Schule mehr an den körperlichen Einschränkungen oder an intellektueller Unterforderung liegen ist ein Knackpunkt, von dem die weitere Vorgehensweise abhängt. Wahrscheinlich hilft da tatsächlich nur ein guter Kindertherapeut (der sich mit Hochbegabung und Wahrnehmungsstörungen auskennt) weiter.

Herzlichen Dank nochmal an alle, die geantwortet haben.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 23. Mai 2021, 21:39

Es ist ein Knoten an Problemen. Ihr brauch vermuttlich wie oben erwähnt, keine reine IQ-Diagnostik, sondern eine komplette Entwicklungsdiagnostik. Ich würde prüfen, ob man zu einem KJP überhaupt gehen darf, da ich selber die Erfahrung gemacht habe, dass sich ein SPZ und KJP mit dem gleichen Thema nicht beschäftigen dürfen. Dass SPZ zur Gunsten des Kindes einen IQ-Test augelegt hat, kann ich nicht glauben.

Was habt euch in der Aussage der Psychologen so erschreckt, dass ihr den Bericht nicht in der Schule zeigen konntet?

PS. Was Homeschooling betrifft, liegen bei einigen die Nerven blank. Da seid ihr nicht alleine.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Möhrchen » Mo 24. Mai 2021, 09:38

Unser Sohn hat im Kindergarten eine schlimme Erfahrung machen müssen, die die untersuchende Psychologin weiter diagnostizieren wollte. Wir haben das dann nicht von ihr während der Diagnostik ohne unsere Anwesenheit, sondern in therapeutischem Rahmen von einer erfahrenen Kindertherapeutin machen lassen. Kam bei ihr nicht so gut an und wurde uns (auch im Bericht) vorgeworfen.
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Re: Testmöglichkeiten bei eventuellem erneutem IQ-Test

Beitragvon Auguste » Mo 24. Mai 2021, 11:36

Möhrchen hat geschrieben:
Wir können bei ihm oft schlecht erkennen, wann er wirklich (durch seine körperlichen Einschränkungen) überfordert ist und wann er einfach nicht will – daher ist es so schwierig zu erkennen, wie viel Unterstützung er tatsächlich benötigt, und das richtige Maß zu finden. Vor allem wenn dann noch die überdurchschnittliche Intelligenz und daraus evtl. manchmal resultierende Unterforderung hinzukommt. Wenn er will, kann er auch recht schnell und begeistert arbeiten (auch an Aufgaben, die sonst mühsam sind). Also ob jetzt die durch die Schulbegleiterin festgestellte Langsamkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit in der Schule mehr an den körperlichen Einschränkungen oder an intellektueller Unterforderung liegen ist ein Knackpunkt, von dem die weitere Vorgehensweise abhängt. Wahrscheinlich hilft da tatsächlich nur ein guter Kindertherapeut (der sich mit Hochbegabung und Wahrnehmungsstörungen auskennt) weiter.

Herzlichen Dank nochmal an alle, die geantwortet haben.


Zu erkennen, ob er überfordert, unterfordert oder unwillig ist, ist auch oft ein Problem bei meinem Sohn. Die Kombination "langsam und schlau" ist blöd. Mein Sohn fordert auch keine Hilfe ein. Man muss immer wieder nachfragen, ob er Hilfe braucht und meist gibt er erst zu, Hilfe zu brauchen, wenn er kurz vorm kompletten Scheitern ist oder schon weiter :schwitz: .

Eingeschränkte Kinder mit (Hoch-)Begabung können viel kompensieren. Das macht es oft schwer, zu erkennen, ob das Kind gerade nicht kann oder nicht will.

In der Schule fällt die überdurchschnittliche Intelligenz dann nicht auf. Wobei es eh vom Lehrer abhängt, ob ein begabtes Kind "erkannt" wird oder nicht und wie mit der Erkenntnis oder Information dann umgegangen wird. Bei Deinem Sohn wird eher niemand eine höhere Begabung auf dem Schirm haben, wenn er offensichtlich eingeschränkt und mit Schulbegleiter unterwegs ist. Da tritt die Einschränkung in den Vordergrund und niemand kommt auf die Idee, dass dieses Kind nicht nur eingeschränkt, sondern auch überdurchschnittlich intelligent sein könnte. Wenn er dann Aufgaben nicht macht, wird halt vermutet, dass er es nicht versteht und nicht, dass ihm zu einfach und zu langweilig ist.

Es hängt von der Schule und vor Allem von den Lehrkräften ab, ob man die Begabung ins Spiel bringt oder nicht. Bei einer Lehrerin meines Sohnes hat es genau gar nichts gebracht. Der war es schlicht egal, wie intelligent mein Sohn ist. Sie hat drauf bestanden, dass er das macht, was alle machen. Die nächste Lehrerin (nach Klassenwechsel) hat bereits von sich aus differenziert, da war es gar nicht nötig, die Begabung zu erwähnen.

So wie Du die Probleme Eures Sohnes beschreibst, wäre es wohl wirklich sinnvoller, eine komplette Diagnostik bei einem erfahrenen Diagnostiker anzustreben, als nur einen isolierten IQ-Test zu machen. Der IQ-Test kann zwar auch Hinweise auf "Baustellen" ergeben, aber davon wisst ihr immer noch nicht, ob da noch mehr ist, als die körperliche Einschränkung und vor Allem nicht, was es ist. Ich würde für die Diagnostik auch nicht zu einem Kinderpsychologen oder Psychotherapeuten gehen, sondern zu einem Kinder- und Jugendpsychiater.
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