Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

ganz allgemein zu Kleinkindern, ob nun aufgeweckt, klug oder hochbegabt

Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 7. Jan 2015, 09:55

Bliss hat geschrieben:Ich hatte nie ein Erziehungskonzept, aber es gibt Dinge, die ich mir für meine Kinder wünsche. Der Weg dahin sieht bei jedem Kind anders aus, weil die Kinder eben unterschiedlich sind, unterschiedlich reagieren und unterschiedliche Bedürfnisse habe.

In dem von Momo verlinkten Interview mit Hrn. Juul ist übrigens dieser Absatz zu lesen ;) :
Seid nicht so perfektionistisch. Bis man wirklich gut ist im Erziehen, muss man mindestens vier Kinder haben. Aber glücklicherweise brauchen und wollen Kinder keine fix und fertigen Eltern.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon BiHa » Mi 7. Jan 2015, 17:16

Rabaukenmama hat geschrieben:Beim Kleinen gibt´s einige Dinge mit denen ich nicht zurechtkomme weil er immer wieder MEINE Grenzen überschreitet. Da geht´s nicht darum ihn durch erzieherische Maßnahmen in ein von mir gewünschtes Konzept zu pressen sondern schlicht um den Umgang untereinander.


Das sehe ich genauso. Deshalb sage ich meinem Sohn auch immer wieder, dass er andere so behandeln soll, wie er selbst behandelt werden will. Und wenn er sich daneben benimmt, dann frage ich ihn, ob ich das dann bei ihm auch darf. Meistens erkennt er dann seine falschen Handlung.
Was bei uns im Moment häufig vorkommt, ist, dass er versucht, mich zu erpressen. "Wenn Du nicht mit mir spielst, dann bin ich nicht mehr dein Freund.". Das finde ich eine total unschöne Angewohnheit, weiß aber, dass das im Kindergarten Gang und Gäbe ist. :(
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » Mi 7. Jan 2015, 19:19

Rabaukenmama hat geschrieben:
Beim Kleinen gibt´s einige Dinge mit denen ich nicht zurechtkomme weil er immer wieder MEINE Grenzen überschreitet. Da geht´s nicht darum ihn durch erzieherische Maßnahmen in ein von mir gewünschtes Konzept zu pressen sondern schlicht um den Umgang untereinander.


In einer solchen Situation würde ich auch nicht groß über pädagogische Konzepte nachdenken sondern einfach sehr authentisch reagieren und sehr klar sagen, dass ich so nicht behandelt werden will. Ganz klar und unmissverständlich. Das passiert bei mir auch ganz automatisch, wenn meine persönliche Grenze überschritten wird. Wenn ich in diesen Situationen authentisch und deutlich reagiere, nimmt meine Tochter mich ernst. Und ganz nebenbei lernt auch sie, dass man klar seine eigenen Grenzen aufzeigen darf, das ist mir ebenfalls sehr wichtig, dass sie dies lernt.

Passend zu diesem Thema und auch sehr beruhigend finde ich folgendes Zitat von Jesper Juul:
Eltern fragen mich ständig: Ist es erlaubt, Kindern gegenüber laut zu werden? Natürlich ist es das, man darf heulen, schreien, alles Mögliche. Kinder brauchen lebende Eltern. Sie brauchen keine Schaufensterpuppen.


Schöne Grüße von Momo
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon mian01 » Mi 7. Jan 2015, 22:23

Momo hat geschrieben:Passend zu diesem Thema und auch sehr beruhigend finde ich folgendes Zitat von Jesper Juul:
Eltern fragen mich ständig: Ist es erlaubt, Kindern gegenüber laut zu werden? Natürlich ist es das, man darf heulen, schreien, alles Mögliche. Kinder brauchen lebende Eltern. Sie brauchen keine Schaufensterpuppen.


Schöne Grüße von Momo

Ein gutes Beispiel sind da wohl meine eigenen Eltern, immer sehr bemüht, keinen einzigen Streit vor uns auszutragen. Entweder es gab keinen oder sie haben es nie gezeigt (also ich meine Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern). Konsequenz in meinen Beziehungen als erwachsene Frau: Bei jedem Streit brach eine Welt zusammen. Mittlerweile habe ich "gelernt" zu streiten und ich verstecke mich auch nicht, wenn das zwischen uns Eltern mal passiert. Denn es ist kein Drama andere Ansichten zu haben, oder wegen etwas auch mal verletzt zu sein.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 7. Jan 2015, 22:50

Momo hat geschrieben:Rabaukenmama hat geschrieben:
Beim Kleinen gibt´s einige Dinge mit denen ich nicht zurechtkomme weil er immer wieder MEINE Grenzen überschreitet. Da geht´s nicht darum ihn durch erzieherische Maßnahmen in ein von mir gewünschtes Konzept zu pressen sondern schlicht um den Umgang untereinander.


In einer solchen Situation würde ich auch nicht groß über pädagogische Konzepte nachdenken sondern einfach sehr authentisch reagieren und sehr klar sagen, dass ich so nicht behandelt werden will. Ganz klar und unmissverständlich. Das passiert bei mir auch ganz automatisch, wenn meine persönliche Grenze überschritten wird. Wenn ich in diesen Situationen authentisch und deutlich reagiere, nimmt meine Tochter mich ernst. Und ganz nebenbei lernt auch sie, dass man klar seine eigenen Grenzen aufzeigen darf, das ist mir ebenfalls sehr wichtig, dass sie dies lernt.


Da ist der Fall bei uns schwieriger. Der Kleine ist ja gehörlos und anstatt SAGEN muß ich GEBÄRDEN dass ich so nicht behandelt werden will. Abgesehen davon, dass es gar nicht so leicht ist, spontan Ärger in einer Fremdsprache auszudrücken, entzieht sich Kleinsohn jeglicher Gebärde, die ihm nicht in den Kram paßt, durch bewußtes wegschauen. Da kann ich ihm noch so nachlaufen, mich ins Blickfeld rücken und rumgebärden - er schaut einfach in die andere Richtung :evil: . Ein hörendes Kind MUSS sich anhören was ich sage, es kann zwar mal so tun als würde es nichts hören und sich die Ohren zuhalten oder laut singen, aber irgendwann komme ich doch mal durch.

Beim Großen ist´s viel einfacher. Da kann ich in meiner eigenen Muttersprache klarstellen was ich will und er ist auch vom Wesen her viel kooperativer. Nicht, dass es keine Probleme gibt (klar gibt´s auch bei ihm manchmal Verhaltensweisen, die mich ärgern), aber diese Dinge sind längst nicht so krass. Absichtlich Saft auf den Autokindersitz tropfen um zu sehen wie sich der Stoff verfärbt ist zwar auch nicht lustig, tut aber längst nicht so weh wie ein Tritt ins Gesicht!

Außerdem hilft beim Großen auch wenn sich meine Stimmlage verändert und ich etwas lauter werde (richtig losbrüllen kommt eher selten vor - in den letzten 2 Monaten war das beim Großen nur 1x), dem Kleinen ist das dagegen völlig egal. Sollte er in solchen Situationen seine Horchis tragen werden diese beim ersten lauteren Wort demonstrativ vom Kopf geschleudert und der kleine Frechdachs grinst mir siegessicher ins Gesicht als wollte er sagen "Schrei du nur, ich hör Dich sowieso nicht!".

Das sind Situationen, die mich echt ratlos machen. Und ich bin mit dieser Ansicht nicht allein, meine Mutter hat kürzlich zwei Vormittage auf meine Buben aufgepaßt und im nachhinein gemeint, beim Kleinen hatte sie in den paar Stunden öfter das Bedürfnis ihm eine zu schmieren (=eine Ohrfeige zu geben) als das beim Großen in all den Jahren der Fall war. Dabei hält meine Mutter gar nichts vom Kinder-schlagen, das war schon so als ich noch ein Kind war. Nur ist es verdammt schwierig bei ständigen Provokationen die Nerven zu behalten. Meine Mutter hat zusätzlich noch den Nachteil dass sie keine Gebärdensprache kann - also gar kein Weg zu kommunizieren...
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Momo » Mi 7. Jan 2015, 23:01

Rabaukenmama hat geschrieben:
Da ist der Fall bei uns schwieriger. Der Kleine ist ja gehörlos und anstatt SAGEN muß ich GEBÄRDEN dass ich so nicht behandelt werden will. Abgesehen davon, dass es gar nicht so leicht ist, spontan Ärger in einer Fremdsprache auszudrücken, entzieht sich Kleinsohn jeglicher Gebärde, die ihm nicht in den Kram paßt, durch bewußtes wegschauen. Da kann ich ihm noch so nachlaufen, mich ins Blickfeld rücken und rumgebärden - er schaut einfach in die andere Richtung :evil: .


Das kann ich mir vorstellen, dass es in dieser Situation schwierig ist, klar und deutlich seinen Ärger auszudrücken. Doch ich kann mir vorstellen, dass Dein jüngerer Sohn gerade wirklich in einer schwierigen Phase steckt und dass sicherlich auch kooperativere Zeiten kommen werden! Das kenne ich von meiner Tochter auch- steckt man gerade in einer solchen Phase, kann man sich gar nicht vorstellen, dass es irgendwann anders sein könnte. Ist es dann wieder entspannt, kann man sich kaum noch an die schwierige Phase erinnern :)

Liebe Grüße von Momo
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Mi 7. Jan 2015, 23:07

BiHa hat geschrieben:
Rabaukenmama hat geschrieben:Beim Kleinen gibt´s einige Dinge mit denen ich nicht zurechtkomme weil er immer wieder MEINE Grenzen überschreitet. Da geht´s nicht darum ihn durch erzieherische Maßnahmen in ein von mir gewünschtes Konzept zu pressen sondern schlicht um den Umgang untereinander.


Das sehe ich genauso. Deshalb sage ich meinem Sohn auch immer wieder, dass er andere so behandeln soll, wie er selbst behandelt werden will. Und wenn er sich daneben benimmt, dann frage ich ihn, ob ich das dann bei ihm auch darf. Meistens erkennt er dann seine falschen Handlung.



Genauso mache ich es bei meinem älteren Sohn auch. Dann schreit er meistens gleich, dass er das, was er gerade selbst gemacht hat, (z.B. seinen Bruder in der Badewanne Wasser über den Kopf geschüttet) umgekehrt nicht erleben will.

BiHa hat geschrieben:Was bei uns im Moment häufig vorkommt, ist, dass er versucht, mich zu erpressen. "Wenn Du nicht mit mir spielst, dann bin ich nicht mehr dein Freund.". Das finde ich eine total unschöne Angewohnheit, weiß aber, dass das im Kindergarten Gang und Gäbe ist. :(


Bei meinem Sohn ist es Moment das nicht-verlieren-können und immer-der-Beste-sein-müssen, was ziemlich nervt. Wenn ihm bei einem Spiel wie "Mensch ärgere dich nicht" eine Figur rausgeworfen wird dann ist das sofort die Einleitung zu einem Wein- und Jammerkrampf. Auch, wenn das Spiel noch längst nicht zu Ende ist. Wenn er hingegen am gewinnen ist genießt er es, ständig zu betonen dass er ja soooo gut ist und vieeel besser als ich, die ich ja sowieso vieeel schlechter bin als er.... da wäre mir lieber er wäre nicht so emotional dabei weil beide Extreme (jammern und prahlen) auf Dauer ziemlich nerven.
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Do 8. Jan 2015, 12:50

Was macht Dein Kleiner, wenn Du ihn in so einer Situation (wegschauen, Hörgeräte wegwerfen) erst mal auch ignorierst und irgendwas Langweiliges machst? Wenn meine Tochter was ausgefressen hat oder was nicht tun will, dann rennt sie ganz gern immer wieder weg und versteckt sich. Nachrennen bringt überhaupt nichts, aber wenn ich anfange, am Computer zu "arbeiten", dann wird ihr das schnell langweilig. Und dann kommt SIE an und will kommunizieren. Allerdings ist sie auch mega-anhänglich, deshalb bin ich mir nicht sicher, ob das bei anderen Kindern auch klappt. Sie tritt mich Gott sei Dank nicht ins Gesicht, aber hatte mal eine Phase, in der sie immer mal wieder versucht hat, mich mit dem Finger/Stiften o.ä. ins Auge zu piksen. Sie fand das lustig, ich nicht. Da bin ich so was von sauer geworden, hab geschimpft, klar, aber das fällt bei Euch ja flach, außerdem hat das nicht lange geholfen. Geholfen hat, als ich mich mega-sauer geweigert habe, mit ihr etwas zu spielen/lesen/kuscheln/sonstwas zu tun, weil ich ja Angst hatte, sie pikst mich wieder. Sie hatte dann heulend versprochen, das ganz bestimmt nie wieder zu machen, ich hab ihr gesagt, dass ich sie immer lieb habe, egal was sie tut und auch wenn ich sauer bin, aber dass man von solchem Blödsinn blind werden kann und dann nur noch rumsitzt und nichts mehr sieht, und ich das nicht will und sie doch sicher auch nicht. Seitdem hat sie es nie wieder getan - allerdings lief sie noch tagelang immer wieder mit geschlossenen Augen durch die Gegend, um zu testen, wie es ist, blind zu sein :)

Jesper Juul finde ich auch sehr gut, allerdings fehlen mir oft konkrete Tipps, was man tun soll, wenn das Kind eben nicht kooperiert. Und meine Tochter kooperiert oft auch dann nicht, wenn ich noch so wertschätzend bin, sondern erst dann, wenn ich schimpfe. Oder erpresse (wenn Du nicht den Schlafanzug anhast, bevor der große Zeiger auf der 12 steht, gibt´s keine Gute-Nacht-Geschichte mehr, weil wir dann keine Zeit mehr dazu haben). Ein autentisches "ich will, dass Du den Schlafanzug anziehst und ins Bett gehst, weil ich in Ruhe noch ein paar Sachen erledigen will, wenn Du schläfst, und weil ich nicht will, dass Du morgen müde bist" führt nur zu einem ebenso autentischen "ich helfe Dir beim Erledigen, Mama, und ich bin morgen bestimmt nicht müde"...
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon Rabaukenmama » Do 8. Jan 2015, 16:37

charlotte2 hat geschrieben:Was macht Dein Kleiner, wenn Du ihn in so einer Situation (wegschauen, Hörgeräte wegwerfen) erst mal auch ignorierst und irgendwas Langweiliges machst? Wenn meine Tochter was ausgefressen hat oder was nicht tun will, dann rennt sie ganz gern immer wieder weg und versteckt sich. Nachrennen bringt überhaupt nichts, aber wenn ich anfange, am Computer zu "arbeiten", dann wird ihr das schnell langweilig. Und dann kommt SIE an und will kommunizieren.

Allerdings ist sie auch mega-anhänglich, deshalb bin ich mir nicht sicher, ob das bei anderen Kindern auch klappt.


Da mein kleiner Sohn sehr selbstständig ist macht es ihm überhaupt nichts aus wenn ich ihn ignoriere. An Kommunikation hat er nur Interesse, wenn es um SEINE Interessen geht, er also an den Computer will oder Schokolade mag. Das ist aber nie der Fall wenn er gerade sauer auf mich ist (weil ich z.B. was nicht erlaubt oder gegeben habe), dann straft er mich demonstrativ mit Verachtung und beschäftigt sich selbst. Das kann er für sein Alter (nicht mal 2 1/2 Jahre) erstaunlich gut und lange. Mega-anhänglich ist es keinesfalls, mir kommt eher vor er würde schon gerne alles selber machen können um uns (seine Familie) gar nicht mehr brauchen :gruebel: .

Ich bin ja auch stolz auf seine Selbstständigkeit.Er kann sich z.B. wenn er Durst hat schon selbst Wasser aus einem Glaskrug in ein Trinkglas einschenken) oder holt sich einfach selbst etwas zu essen wenn er Hunger hat. Wenn z.B. noch was in der Küche rumsteht (Reste von der letzten Mahlzeit) trägt er sich den Teller zum Eßtisch, schiebt einen Stuhl zum Schrank mit der Bestecklade, holt sich sein Besteck und setzt sich dann auf einen großen Stuhl zum Tisch um in aller Ruhe allein zu essen. Genauso holt er sich sein Spielzeug selbst, spielt allein (z.B. mit der Holzeisenbahn) und schaut allein seine Bücher an.

Klar gibt´s auch Phasen wo wir was gemeinsam machen, aber da kommt mir vor dass das eher in MEINEM Interesse ist weil ich sonst manchmal das Gefühl habe, mich gar nicht richtig um meinen Kleinen zu kümmern während der Große gerade sehr anhänglich ist und oft meine Aufmerksamkeit einfordert.

charlotte2 hat geschrieben:
Sie tritt mich Gott sei Dank nicht ins Gesicht, aber hatte mal eine Phase, in der sie immer mal wieder versucht hat, mich mit dem Finger/Stiften o.ä. ins Auge zu piksen. Sie fand das lustig, ich nicht. Da bin ich so was von sauer geworden, hab geschimpft, klar, aber das fällt bei Euch ja flach, außerdem hat das nicht lange geholfen. Geholfen hat, als ich mich mega-sauer geweigert habe, mit ihr etwas zu spielen/lesen/kuscheln/sonstwas zu tun, weil ich ja Angst hatte, sie pikst mich wieder. Sie hatte dann heulend versprochen, das ganz bestimmt nie wieder zu machen, ich hab ihr gesagt, dass ich sie immer lieb habe, egal was sie tut und auch wenn ich sauer bin, aber dass man von solchem Blödsinn blind werden kann und dann nur noch rumsitzt und nichts mehr sieht, und ich das nicht will und sie doch sicher auch nicht. Seitdem hat sie es nie wieder getan - allerdings lief sie noch tagelang immer wieder mit geschlossenen Augen durch die Gegend, um zu testen, wie es ist, blind zu sein :)


Mein Großer dagegen agiert ähnlich wie Du es von Deiner Tochter beschreibst.

charlotte2 hat geschrieben:
Jesper Juul finde ich auch sehr gut, allerdings fehlen mir oft konkrete Tipps, was man tun soll, wenn das Kind eben nicht kooperiert. Und meine Tochter kooperiert oft auch dann nicht, wenn ich noch so wertschätzend bin, sondern erst dann, wenn ich schimpfe. Oder erpresse (wenn Du nicht den Schlafanzug anhast, bevor der große Zeiger auf der 12 steht, gibt´s keine Gute-Nacht-Geschichte mehr, weil wir dann keine Zeit mehr dazu haben). Ein autentisches "ich will, dass Du den Schlafanzug anziehst und ins Bett gehst, weil ich in Ruhe noch ein paar Sachen erledigen will, wenn Du schläfst, und weil ich nicht will, dass Du morgen müde bist" führt nur zu einem ebenso autentischen "ich helfe Dir beim Erledigen, Mama, und ich bin morgen bestimmt nicht müde"...


Jaaaah, das kenne ich von meinem Großen auch, sogar fast mit demselben Wortlaut! So Dinge wie "Zieh bitte deinen Pyjama an" kann ich gebetsmühlenartig etliche Male wiederholen - sie werden trotzdem ignoriert. Auch die authentische Antwort deiner Tochter könnte von meinem Sohn sein. Wie sich doch die Bilder gleichen :mrgreen: .
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Re: Erziehungskonzepte und eigene Vorstellungen

Beitragvon charlotte2 » Do 8. Jan 2015, 19:25

Witzig, dass Dein Großer so ähnlich tickt wie meine Tochter :) Hilft Dir natürlich bei Deinem Kleinen nicht wirklich weiter. Ich denke, dass genau das auch das Problem bei ganz vielen Erziehungsmethoden und -tipps ist - bei manchen Kindern funktionieren sie super, bei anderen gar nicht. Das finde ich bei Jesper Juul gut, er sagt, dass Kinder schon bestimmte Persönlichkeiten sind, die man kennenlernen soll.
Und stimmt, äh, "authentisch" schreibt man mit "h" :oops:
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