Unauffällige Hochbegabte?

ganz allgemein zu Hochbegabung und IQ, theoretisch und praktisch

Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Rabaukenmama » Fr 22. Mai 2020, 14:14

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:So weit ich weiß wurden die IQ-Test erstmals von Militärs in dieser Form eingesetz und sollten bei der Musterung helfen die Richtigen für die bestimmte Bereiche zu finden. Sicherlich hatte man damals nicht an die Frauenquote gedacht. Im Film "Hidden figures" gibt es eine Frau, dessen Genialität in Mathematik nicht zu überbieten ist und eine Frau, dessen Durchblick und organisatorische Talente alles in Schatten stellen. Man tendiert dazu die mathematisch geniale Frau mehr zu bewundern, aber die Organisatorin steht integral gesehen ihr nicht nach. Ganz im Gegenteil.


Wo findest du bei meinem Beitrag einen Zusammenhang mit IQ-Tests und Frauenquote? Mir ging es nie um Tests sondern um die unterschiedliche Bewertung von Fähigkeiten und Studienrichtungen in der Gesellschaft.

Dass PhilosophInnen und MathematikerInnen eher mit hoher Intelligenz in Verbindung gebracht werden als z.B. PädagogInnen war schon so, bevor es IQ-Tests überhaupt gab. Und dass mathematisch geniale Frauen MEHR bewundert werden, liegt eben genau daran, dass man Frauen NORMALERWEISE nicht so viel mathematische Begabung zutraut. Sie sind quasi die "Ausnahme" unter den mathematisch begabten Menschen, wo man automatisch eher an Männer denkt. Das macht sie interessant, nicht die Begabung an sich.

Du hast vollkommen recht, dass die Organisatorin der Mathematikerin um nichts nachsteht. Aber wenn eine junge Frau vor der Frage der Wahl der Studienrichtung steht gibt es anscheinend doch gar nicht so wenige, die sich selbst als "nicht klug genug" für ein Mathe-Studium einschätzen oder die gar kein Interesse daran haben, weil ihnen viele Jahre lang erfolgreich suggeriert wurde, dass Mathe nun mal nichts für Frauen sei.

Abgesehen davon: Woher stammt deine Info, dass IQ-Tests erstmals vom Militär eingesetzt wurden? Dass IQ-Tests auch für militärische Auswahlverfahren eingesetzt werden und wurden steht außer Frage. Aber dafür wurden sie nach meinen Informationen nicht entwickelt.

Es ging Alfred Binet und Lewis M. Terman in erster Linie darum, die geistigen Fähigkeiten von Kindern zu messen. Dazu wurden IQ-Tests vor über 100 Jahren ursprünglich entwickelt. Der "Erfinder" des IQ war der Deutsche William Stern, der den ihn als Maßeinheit für das Verhältnis zwischen Lebensalter und Intelligenzalter erschuf. An Hand des IQ (vorher: des Intelligenzalters) wurde dann entschieden, auf welche weiterführenden Schulen Kinder kamen. Wechsler erweiterte das System in seiner Anwendbarkeit für Erwachsene, indem er die individuelle Abweichung einer Person zum Durchschnitt der jeweiligen Altersgruppe zum Maßstab nahm. Seitdem werden diese Tests für verschiedenste Auswahlverfahren eingesetzt wie z.B. Bewerbungsverfahren, Studienplatzvergabe oder eben auch militärische Vorauswahl.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 22. Mai 2020, 14:28

@Rabaukenmama

ich weiß nicht mehr genau, wo ich das über IQ-Tests und Militärs ursprunglich gelesen habe. Auf jeden Fall steht es auch in Wikipedia:

https://en.wikipedia.org/wiki/Army_Gene ... ation_Test

Sie haben schon während des ersten Weltkriegs Soldaten getestet. Sie wenden es auch bis heute aktiv an. In der gleichen Quelle wo ich das ursprünglich gelesen habe, stand das z.B. Jetpiloten im Schnitt exorbitante IQ-Werte haben.

Mit der Frauenquote haben ich nicht dich gemeint, sondern die Tatsache, dass mit diesen Hintergründen entwickelte IQ-Test andere Qualifikationen hervorheben, als die der Frauen, und nämlich aufgrund der vorhandenen Informationen schnell und sicher eine eindeutige Entscheidung treffen zu können.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Fr 22. Mai 2020, 17:40

Was mir auch bzg. Mathematik noch eingefallen ist.... Die Claims für mathestarke Kids werden in der Grundschule abgesteckt. Grundschulfach Mathematik hat mit der eigentlichen Mathematik eher wenig zu tun. In den ersten Jahren sind gut trainierte, konzentrierte, akribisch arbeitende Kinder dort im Vorteil. Mein Großer konnte in der Grundschule nicht sonderlich gut rechnen. Solange es um Konkretes ging, hat es ihn gar nicht interessiert. Der Tochter ging es ein wenig besser, aber die Begeisterung hilt sich auch in Grenzen. Erst ab der 7. Klasse hat der Große plötzlich festgestellt, dass konkretes Rechnen nicht mehr gefragt ist, und das abstrakte deutlich mehr Spaß macht. Auch die Tochter hat nach dem Wechsel in den HB-Zug für sich Spaß an Mathe endeckt und angefangen sich dafür auch außerhalb des Unterrichts zu interessieren. Meine Tochter überlegt es sich tatsächlich ob sie Mathe studieren soll. Mein älterer Sohn glaubt im Moment zu wissen, dass Mathe als Studieinfach ihn nicht interessiert: zu wenig Aktion (im englischen Sinne des Wortes).
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon sinus » Sa 23. Mai 2020, 19:35

Liebe I.,
ich möchte dir noch das Buch von Elaine Aron zum "Hochsensiblen Kind" (oder das Pendant für Erwachsene, dazu hat Aron auch ein Buch geschrieben) empfehlen.
Nach dem, was du von deiner Tochter Kind schreibst, ist sie auch hochsensibel und wird sich bzw du sie darin vermutlich oft wiederfinden...
Zuletzt geändert von sinus am Mo 25. Mai 2020, 10:16, insgesamt 12-mal geändert.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Sa 23. Mai 2020, 20:24

Einfach mit offenen Augen durchs Leben gehen! Mein Großer hat gegen alle Wahrscheinlichkeiten einen Freund mit ählichem IQ vorher in einer Parallelklasse und nach dem Schulwechsel immer noch im gleichen Dorf. Und nein, sie interessieren sich beide weder für Quantenphysik noch für die Philosophie, sondern radeln gemeinsam durch den Wald.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon FamilyUndercover » Sa 23. Mai 2020, 23:02

Danke Euch sehr, Eure Antworten sind so bereichernd.
Es ist so schwer, sie zu verstehen. Sie ist so Ernst. Sie sagt selber von sich, dass sie wenig Freude empfindet könne. Meist sei sie traurig oder verzweifelt, allenfalls ginge es ihr " okay".
Mich macht das sehr traurig.
Sie hat einen Junior Literatur Wettbewerb gewonnen, die wollen ein Foto und ein Video von ihr. Einsendeschluss war heute, sie konnte es nicht. Weil sie sich selbst hasst.
Ich mache mir große Sorgen um sie
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon sinus » Sa 23. Mai 2020, 23:25

FamilyUndercover hat geschrieben:Danke Euch sehr, Eure Antworten sind so bereichernd.
Es ist so schwer, sie zu verstehen. Sie ist so Ernst. Sie sagt selber von sich, dass sie wenig Freude empfindet könne. Meist sei sie traurig oder verzweifelt, allenfalls ginge es ihr " okay".
Mich macht das sehr traurig.
Sie hat einen Junior Literatur Wettbewerb gewonnen, die wollen ein Foto und ein Video von ihr. Einsendeschluss war heute, sie konnte es nicht. Weil sie sich selbst hasst.
Ich mache mir große Sorgen um sie


Das klingt nach meiner Tochter und noch mehr nach dem, was mir die Freundin, die ich hier jetzt schon mehrfach beschrieben habe, von sich erzählt. (Sie selbst war wohl magersüchtig, eine ihrer Schwestern war jahrelang in der Psychiatrie)
Sie arbeitet nach einem Studium im naturwissenschaftlichen Bereich inzwischen therapeutisch und schreibt.
Ich unterhalte mich recht viel mit ihr auch über meine Tochter, weil ich mir natürlich auch Sorgen um sie mache.
Sie sagt, sie habe eine zerrüttete Kindheit mit einer psychisch gestörten Mutter gehabt, da war in der Familiengeschichte über mehrere Generationen einiges im argen.
Sie glaubt, dass eine stabile Familie/stabile Beziehungen das wichtigste sind, gerade bei solchen sensiblen Kindern.
Sie glaubt daher, dass meine Tochter kaum wirklich gefährdet ist, eine massive psychische Störung zu entwicklen. (ich hoffe sie hat recht...)

Welche Ansätze bringen denn die Therapien? Wie lang ist sie schon dabei? Hat sie das Gefühl, es bringt sie weiter? Akzeptiert sie die Therapie, glaubt sie selbst, dass ihr das was bringt?
(Meine Freundin musste sich für ihre eigene Ausbildung einiger psychotherapeutischer Sitzungen unterziehen und fand das meistens recht lächerlich, obwohl sie sagt, nötig sei es wohl durchaus für sie. Sie sagte aber, sie habe oft mehr gewusst und verstanden, als ihr Therapeut und im Grunde haben sie immer nur dahergeredet. Sie hat den Therapeuten nicht als hilfreich wahrgenommen. Ich glaube, sie empfand ihn als "nicht ebenbürtig" und konnte darum kaum etwas von ihm annehmen.)

Du hast noch nicht beantwortet, was deine Tochter selbst zu dem Test-Ergebnis sagt und wie sie damit geht.
Es ist ja scheints noch recht neu für euch alle.
Das braucht seine Zeit, so eine "Diagnose" ins Selbstbild zu integrieren.

Gibts evtl einen Lesezirkel/Literaturkreis bei euch im Umfeld? Nicht, dass sie sich präsentieren kann (das wollen die Hbchen ja meist nicht), sondern zum Führen guter, tiefergehender Gespräche zu Themen, die sie auch interessieren...
Habt ihr schonmal über einen Kontakt zu Mensa nachgedacht?
Du (falls deine Tochter das zulässt, vermutlich ja eher nicht...) könntest du dich auch an die Stelle wenden, wo der Literaturwettbewerb zusammenläuft. Da müssen ja gewisse "Fachpersonen" im Bericht Schreiben/Literatur zu finden sein.
Vielleicht finden sich dort ja Kontakte, die zu deiner Tochter passen.

Ansonsten ist Schreiben doch erstmal schon ein guter Weg, sich auszudrücken... (bei meiner Tochter ist es eher das Malen.)

Und wie Alibaba schon anmerkte – sehr "therapeutisch" kann auch ehrenamtliche Arbeit wirken. Sich für andere einsetzen. Etwas für andere tun. Tierschutz, Umweltschutz, irgendwas.
(in der HB-Schule in Meißen, St. Afra, bspw wird da wohl auch viel Wert drauf gelegt, dass die Schüler sich da irgendwie irgendwo engagieren)

Kommt ein Springen in Frage? Vielleicht hilft deiner Tochter die Aussicht, die Schulzeit zu verkürzen?
sinus
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon alibaba » So 24. Mai 2020, 09:19

@FamilyUndercover

Ich glaube, dass Du deiner Tochter sehr ähnlich bist. Du gehst in keiner Weise auf die vielen Fragen hier ein. Nimmst keine Beispiele und erklärst sie. Bleibst Antworten schuldig, obwohl man nur in einer Frage/Antwort eventuell zu einer Hilfestellung kommen kann. Nur ein jammern, dass alles so traurig sei, ist so depressiv wie deine Tochter hier rüber kommt.

Ich glaube, dass die Begabung nicht, für sich genommen, ursächlich an den Problemen ist. Es mag ein Verstärker sein, aber da liegt viel mehr im Argen, wenn ich deine spärlichen Posts so richtig interpretiere. Hinzu kommt da, die ja eh schwierige Zeit für die Teenager, die sich zur Frau entwickeln und was mit teils schon argen depressiven Schüben daher kommen kann. Meine 13-jährige wechselt ihre Stimmungen wie mein Mann den Belag seines Brotes beim Abendessen.

Ich steige daher hier an dieser Stelle aus. Ich empfehle Dir weiter an der therapeutischen Hilfe dran zu bleiben.

Euch wünsch ich alles Gute als Familie.

VG
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » So 24. Mai 2020, 09:35

Das gleiche Gefühl habe ich auch. Entweder ist die Geschichte unwirklich, oder man will keine Hilfe. Was heißt die 14-jähirge hat es nicht geschafft, das Bild und das Video abzuschicken? Wenn ich schon weiß, dass mein Kind dazu tendiert, dann nehme ich es auch mit 14 an die Hand und mache es gemeisam, entweder per Dekret: "das schicken wir ab", oder am besten leise und und unaufdringlich beratend. Am wenigsten ist es dem Kind mit Selbstmitleid geholfen. Es braucht keine Bestätigung dafür, dass die Welt schlecht sei, sondern jemanden der aktiv in die richtige Richtung anschiebt. Sei es eine ehrenamtliche Tätigkeit, Literaturclub, oder Fußballspielen im Verein oder mit den Freunden. Aktive Lebensweise lässt in erster Linie weniger Zeit zum Nachgrübeln. Wer müde ins Bett am Abend fällt, hat keine Zeit die zermürbenden existenziellen Fragen sich wieder und wieder zu stellen.
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Re: Unauffällige Hochbegabte?

Beitragvon Auguste » So 24. Mai 2020, 13:47

FamilyUndercover hat geschrieben:Danke Euch sehr, Eure Antworten sind so bereichernd.
Es ist so schwer, sie zu verstehen. Sie ist so Ernst. Sie sagt selber von sich, dass sie wenig Freude empfindet könne. Meist sei sie traurig oder verzweifelt, allenfalls ginge es ihr " okay".
Mich macht das sehr traurig.
Sie hat einen Junior Literatur Wettbewerb gewonnen, die wollen ein Foto und ein Video von ihr. Einsendeschluss war heute, sie konnte es nicht. Weil sie sich selbst hasst.
Ich mache mir große Sorgen um sie


Das hört sich nicht gut an. Aber auch Du scheinst gerade nicht wirklich gute Stimmung zu verbreiten. Deine Tochter spürt das und mich würde es nicht wundern, wenn sie sich als Ursache Deiner Traurigkeit ansieht und sich (auch) deswegen schlecht fühlt. Versuche, das abzuschütteln und positiv in die Zukunft zu schauen. Lernt gemeinsam mehr über die Begabung. Deine Tochter wird nicht "normal" werden. Hochbegabung ist keine Krankheit. Sie ist ein Geschenk. Ihr müsst nun lernen, dieses Geschenk anzunehmen und Du hilfst Deiner Tochter nicht, wenn du jetzt selbst Trübsal bläst und mit Dir selbst haderst, weil Du es nicht früher "gesehen" hast. Jetzt ist egal, was du bisher nicht gemerkt hast. Du kannst es nicht ändern. Das ist vorbei.

Im Moment erscheinst du mir so, als würdest Du in einer Warteschleife hängen bis Dein Sohn getestet ist. Und dann? Was erhoffst Du Dir von dem Test des Sohnes? Warum wird Dein Sohn getestet? Hat der auch Probleme? Oder wollt ihr nur wissen, wie hoch sein IQ ist?

Du scheibst an anderer Stelle, dass Deine Tochter "ihn wohl übertrumpfen" würde. Darum geht es doch gar nicht. Es ist doch letztlich egal, wie hoch der IQ des Bruders ist, dass er schlau ist, wisst ihr doch schon. Dass der Bruder jetzt auch getestet wird, kann Deine Tochter noch zusätzlich unter Druck setzen - egal ob der IQ des Bruders nun tatsächlich höher oder niedriger ist. Ist er niedriger, dann fühlt sich Deine Tochter erst Recht als Alien. Ist der IQ des Bruders höher, dann fragt sie sich, wieso der Bruder damit klar kommt und sie nicht.

Sucht Euch bitte Hilfe bei jemandem, der sich mit Hoch- und Höchstbegabten auskennt. Ein "Wald- und Wiesen-Kinder-Psychologe" kann vielleicht IQ-Tests machen und auswerten, aber ist für eine Therapie bei Hoch- und Höchstbegabten nicht unbedingt der richtige Ansprechpartner. und sucht die Hilfe gleich, nicht erst wenn der Bruder getestet ist. Beim Kinder- und Jugendpsychiater z.B. bekommt man durchaus auch kurzfristige Termine, wenn es dringend ist und da gibt es einige, die sich mit HBchen auskennen.

Gruß
Auguste
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