Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Probleme und Lösungen für den Schulalltag

Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » Mo 15. Jun 2020, 08:58

Auguste hat geschrieben:
Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@Auguste

Schulen, die wie diese Matheschule einen Aufnahmetest verlangen, üben auf die umliegenden Schulen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf. Während an einer Schule sich begabte Kinder sammeln, häufen sich schwächere Schüler in den anderen Schulen. Ich würde von einer 0815 Schule in diesem Fall nicht zu viel erwarten. Vor allem jetzt in (nach) der Coronakrise wird das Bildungssystem noch lange versuchen den Verlust der Unterrichtsstunden bei schwächeren krampfhaft auszugleichen. Ich schätze dass mindestens 20% der Schüler aller Schulformen ab jetzt ein dickes Problem mit dem System haben. Keiner hat sich bis jetzt darüber Gedanken gemacht, es wird einfach verschwiegen. Es wird in den nächsten Monaten und Jahren kein Potential mehr geben um die Sonderwünsche nach Oben zu berücksichtigen. Ich weiß nicht, wie sinnvoll es ist konkret zu diesem Zeitpunkt die starke Schule zu verlassen.

... und bei all Gedanken um den Wechel darf man nicht vergessen, dass Sprachfolge sehr unterschiedlich sein kann. Wir haben hier drei Jahre Latein Aufholen hinter uns, und es ist schon nicht unaufwendig.


Es gehen doch nicht alle schlauen Kinder auf die Begabten-Schulen.


DAS möchte ich mal ganz dick unterstrichen haben! Ein gutes Drittel der Schüler in der Klasse meines Großen - auf einem ganz stink normalen staatlichen Gymnasium - geht bereits auf Universitäten oder spezielle Förderprogramme. Hier wird bereits vor der Jahrgangsstufe Abiturstoff durchgenommen. Ich kann daher die Probleme der Tochter von @Sinus sehr gut verstehen. Die Schule meiner Kinder ist super, was den kognitiven Anspruch angeht. Es liegt nur nicht jedem Kind mit dem Druck umzugehen. Hat mit dem IQ erst einmal gar nichts zu tun.


Auguste hat geschrieben:
Nicht jedes begabte Kind braucht in der weiterführenden Schule (insbesondere am Gymnasium) auch noch Extra-Förderung. Der Stoff ab der 5. Klasse ist an sich schon anspruchsvoller und abwechslungsreicher als das was in der Grundschule gemacht wurde. Möglicherweise reicht das ja doch für Sinus Tochter, damit sie ohne großen Leistungsdruck durch die Schule kommt und sie braucht gar keine Zusätzliche Förderung in Form von "Extrawürsten". Die Schule von Sinus Tochter scheint ideal für begabte und fleißige Hochleister zu sein. Da würde ich das Mädchen aber nicht einordnen, so wie Sinus es beschreibt.


Nicht zu vergessen dieser "unterschwellige Druck" den man ausgesetzt ist, permanent. Ich vergleiche das mal damit, dass man als Radfahrer auf der Straße fährt und hinter einem die Autos fahren. Da fühle ich mich, egal wie groß der Abstand ist, immer gehetzt, jetzt schneller fahren zu müssen oder Platz zu machen. Ich bin da eher nicht der Typ "leckt mich doch alle ihr Autofahrer". Meine Tochter auch nicht. Es geht also nicht um das was man kann, sondern wie man mit ständigem Druck klar kommt und den muss man nicht mal aussprechen, da reicht alleine schon das Gefühl.

Auguste hat geschrieben:Meine Tochter ist z.B. definitiv kein Hochleister. Sie kommt im Unterricht locker mit (jetzt auch in Mathe ;)), muss zu Hause nicht viel machen, hat gute Noten und genießt ihre freie Zeit am Nachmittag, die andere mit Lernen verbringen müssen. Sie mosert zwar hin und wieder über das (für sie) niedrige Niveau des Deutsch- und Englisch-Unterrichts, aber sie leidet nicht darunter und will gar keine Extrawürste. Zur Schule geht sie überwiegend, um ihre Freundinnen zu treffen. Auf den Unterricht könnte sie auch verzichten ;)


Ist hier, bei meinem Sohn, identisch. Das was er dann will und braucht holt er sich alleine. Ohne das ich ihm das vorschreibe oder denke vorsetzen zu müssen, nur weil ich um den IQ weiß.

Auguste hat geschrieben:Ob es für die Tochter von Sinus sinnvoll ist, jetzt die Schule zu wechseln oder noch zu warten, das muss Sinus herausfinden. Hängt sicher vom Leidensdruck der Tochter ab, wobei der aktuell ziemlich groß zu sein scheint.


So sehe ich das auch. @Sinus und vor allem die Tochter sollen und müssen ganz alleine und für ihre Bedürfnisse entscheiden.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 15. Jun 2020, 10:35

Ich habe hier auch ein stinknormales staatliches Gymnasium. Schon vor Wiederenführung der G9 machte dort die Mehrheit der Schüler freiwillig das "Mittelstufe Plus" Programm, was nichts anderes als eine Zwischenstufe zwischen 8. und 9. Klasse darstellt. Soziales Klima ist an der Schule unterirdisch, es werden sogar Lehrer gemobbt. Meine Freunde in Berlin haben ihr Kind in der 10. Klasse. Ihr Kind ist der Einzige mit beiden Eltern ohne Migrationshintergrund und zu dieser Schule muss das Kind eine Stunde fahren. Die Schule um die Ecke hat ihr Kind nicht mal zum Gespräch eingeladen, sie wollen keine Quereinsteiger mit unklarem Hintergrund. Ich weiß nicht wie die Sache mit den Gymnasialplätzen bei sinus liegt, in manchen Gegenden kann es auch schnell passieren, dass an den guten Schulen keine Plätze frei sind und die anderen Schulen will man nicht ohne Zwang besuchen.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Rabaukenmama » Mo 15. Jun 2020, 11:34

Ich sehe jetzt 2 verschiedene Dinge:

1. Den Mathe-Frust von sinus ́s Tochter und das Gefühl, in Mathe "nicht gut" zu sein, in Kombi mit einem nicht ganz passenden Lehrer
2. Die generelle Frage ob das Kind an der "richtigen" Schule ist

Zu Problem 1: Hier kann Nachhilfe durchaus Abhilfe bringe dass sich das Mädchen in Mathe sicherer fühlt und den (eigenen) Anforderungen besser entsprechen kann. Zumindest einen Versuch ist es wert

Zu Problem 2: Hier stellt sich die Frage, ob es eine andere Schule GIBT, wo man davon ausgehen kann, dass sich das Mädchen dort insgesamt wohler fühlt und die auch den längerfristigen (Lebens-)Plänen besser entspricht.

Ich würde das trennen. Beim Mathe-Frust kann man JETZT versuchen, Lösungen zu finden. Das Gespräch mit dem Lehrer hat stattgefunden und ist ganz gut verlaufen, mal sehen, ob sich was ändert. Nachhilfe kann man außerdem probieren. Und vielleicht bekommt die Klasse im nächsten Schuljahr einen anderen Mathe-Lehrer (so einen, wie er mal aushilfsweise in der Klasse war) und die Sache löst sich in Wohlgefallen auf.

Bei der Schul-Wechsel-Frage stellt sich für mich nicht die Frage, wie viele HB-Kinder rein statistisch in der zukünftigen Klasse sein werden. Erfahrungsgemäß finden HB-Kinder nicht nur unter ihresgleichen Freundschaften, sondern es kann durchaus auch mit "nur" begabten Kindern gut klappen. Es kommt auf die ganze Klassen-Konstellation an, nicht auf irgendwelche statistischen Wahrscheinlichkeiten.

Die Frage ist: gibt es eine Schule, die den Anforderungen und persönlichen Vorlieben eher entspricht, und wo zu erwarten ist, dass sich das Mädchen lieber hingeht als bisher? Wenn ohne unmittelbarem, schon länger dauernden Leidensdruck ein Schulwechsel angestrebt wird hat man schließlich die Möglichkeit, sich in Ruhe umzuschauen und mit Ende des Schuljahres (oder des Semesters) zu wechseln. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, in der zukünftigen Klasse zu hospizieren, so dass das Mädchen schon vor den Ferien weiß, was es in etwa erwartet.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » Mo 15. Jun 2020, 12:09

Rabaukenmama hat geschrieben:
Ich würde das trennen. Beim Mathe-Frust kann man JETZT versuchen, Lösungen zu finden. Das Gespräch mit dem Lehrer hat stattgefunden und ist ganz gut verlaufen, mal sehen, ob sich was ändert. Nachhilfe kann man außerdem probieren. Und vielleicht bekommt die Klasse im nächsten Schuljahr einen anderen Mathe-Lehrer (so einen, wie er mal aushilfsweise in der Klasse war) und die Sache löst sich in Wohlgefallen auf.


Auch Nachhilfe ist lediglich eine Art "Lösung" für's Lehrerproblem. Bei uns bleiben Lehrer immer 2 Jahre und es gibt viel mehr "schlechte" Lehrer als gute. Man muss sich also (bei uns) zwei Jahre immer quälen. Den unterschwelligen Hass auf's Fach kann Nachhilfe nicht lösen. Es ist ja, wie Du schon geschrieben hast, immer eine Kombination von verschiedenen Dingen warum es eben nicht passt.

Ich bin letzten Endes doch froh, nicht den konkreten IQ meines Kindes gewusst zu haben. So hat er sich selber entfalten können. Ich war nie auch nur ansatzweise genötigt mein Kind nun gemäß seinem IQ in eine Schule zu geben. Ich bin immer beratend mit den gezeigten Neigungen gegangen. Ich frage mein Kind auch heuer noch: was magst Du? das wähle!

Was ist der IQ? Der, der mir im IQ-Test angezeigt wird? Wenn dem so wäre, hätte mein Kind die Stärke eindeutig in "Deutsch" (gedeckelt) nicht in "Mathe" (nicht gedeckelt). Dem ist aber nicht so! Was also will mir der IQ-Test denn sagen? Ich ziehe daher für uns ein Fazit: nichts ist wie es zu sein scheint. "Deutsch" hat mein Sohn nur, weil er es in der Fächerkombi so nehmen muss (es kann nicht komplett abgewählt werden) und das auch nur 3-stündig als mündliches Prüfungsfach im Nebenkurs. Dafür Mathe/Physik als Leistungskurs mit Vertiefungskurs. Ganz klassisch also, was mag ich (Neigungskurs) und kein "Höhe-des-IQ-Kurs". ;) Und selbst hier lege ich noch eins drauf. Denn die aktuellen Kurse als Juniorstudierender sind Quantenphysik und Wirtschaftsmathematik. Da komme mir mal noch einer mit der Höhe des IQ.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » Mo 15. Jun 2020, 12:30

@alibaba: Es ging ja wie schon geschrieben nicht nur um den IQ, sondern neben dem Interesse für Biologie auch darum, dass es kleine Klassen mit gutem Lehrer-Schüler-Verhältnis und vermutlich zum Kind passenden Mädchen sein würden (beides hat sich bestätigt, auch wen der Mathelehrer nun leider gerade mal nicht optimal zum Kind passt, berichtet sie mehrheitlich Gutes von den Lehrern) sowie die Schulunlust in der Grundschule, die aus der ständigen Langweile entstanden ist, möglichst zu berücksichtigen.
Keines der Punkte stand irgendwie im Vordergrund, sondern das Gesamtpaket schien dort am besten zu passen.

Übrigens erwähnte die Klassenlehrerin, deren eigener Sohn zu der Zeit gerade Abitur an dieser Schule machte, besagte Schule schon in Klasse 3 als evtl fürs Kind passend, aufgrund ihrer Aufgewecktheit im Sachunterricht und ihrer Leistungsfähigkeit. Das war lange, bevor wir überhaupt an einen Test dachten.
Das Ergebnis hat uns allerdings dann bestärkt, uns diese Schule tatsächlich mal näher anzusehen.

In der nächsten Schulwoche steht nun übrigens wieder eine Mathearbeit an und ich empfahl meiner Tochter, den Lehrer per Mail zu bitten, ihr nochmal genau die abgefragten Themengebiete zu nennen. (macht er von sich aus nämlich nicht so richtig. So ist jetzt bspw nicht klar, ob es nur um den letzten Stoff aus der Schule oder auch um welchen aus dem Homeschooling geht)
Allein diese Mail kostete das Kind deutlich erkennbar ganz viel Überwindung, obwohl sie mir da gar nicht widersprach. Aber sie bekam direkt einen heftigen Wutanfall, weil sie die Mailadresse nicht gleich fand und es endete in Tränen. Obwohl sie kurz vorher noch ganz selig an ihrem aktuellen Filmprojekt arbeitete.
Das zeigt mir sehr deutlich, dass da ganz viele der heftigen, negativen Emotionen genau mit dieser Mathe-Problematik verbunden sind.
An oberster Stelle steht da jetzt wohl erstmal, diesen Mathe-Hass und diese Angst das Fach betreffend anzugehen.

Rabaukenmama hat das ja auch sehr schön erkannt und strukturiert zusammengefasst.
Die Blätter sind bunt
nun bellt der Hund
nun lacht der Mund
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(Herbstgedicht der 6jährigen)
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 15. Jun 2020, 12:43

@sinus

Mein "NEIN" Kind ist bald 14. Ich hätte in der Absprache mit ihm so eine Email selber geschrieben, um der Diskussion aus dem Weg zu gehen und die Nerven auf der beiden Seiten zu sparen. Ich habe das Gefühl, dass du dich noch nicht von dem Konzept verabschiedet hast, dem Kind den richtigen Weg zu zeigen, wie man lernt. Ich kann dir aus der eigenen Erfahrung voraussagen. Dein Kind wird deine Vorschläge nicht akzeptieren. Du kannst nur den Teil kontrolieren, der deinem direkten Einfluss unterstellt ist: also hinsetzen und gemeinsam was machen. Lerntechniken, Systeme, Optimierungsvorschläge werden von den autonomen Kindern erst dann akzeptiert, wenn sie selber danach fragen. Zusammengefasst: du kannst den Wissensstand durch direkte Kontrolle verbessern, aber nicht die Vorgehensweise. Die Idee, dass dein Kind für die Unter/Mittelstufe systematisch lernt und sich auf Unterricht und Proben systematisch vorbereitet kannst du vergessen. Vielleicht kommt es in der Oberstufe.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon alibaba » Mo 15. Jun 2020, 13:12

sinus hat geschrieben:

In der nächsten Schulwoche steht nun übrigens wieder eine Mathearbeit an und ich empfahl meiner Tochter, den Lehrer per Mail zu bitten, ihr nochmal genau die abgefragten Themengebiete zu nennen. (macht er von sich aus nämlich nicht so richtig. So ist jetzt bspw nicht klar, ob es nur um den letzten Stoff aus der Schule oder auch um welchen aus dem Homeschooling geht)
Allein diese Mail kostete das Kind deutlich erkennbar ganz viel Überwindung, obwohl sie mir da gar nicht widersprach. Aber sie bekam direkt einen heftigen Wutanfall, weil sie die Mailadresse nicht gleich fand und es endete in Tränen.
Das zeigt mir sehr deutlich, dass da ganz viele der heftigen, negativen Emotionen genau mit dieser Mathe-Problematik verbunden sind.
An oberster Stelle steht da jetzt wohl erstmal, diesen Mathe-Hass und diese Angst das Fach betreffend anzugehen.


DAS hätten meine auch nicht getan. Weil sie zu viel Negatives von zu vielen solchen Lehrern hier an unserer Schule erfahren haben. Hier käme dann nichts vom Lehrer oder eben ein "alles" als Antwort. Ich kann daher deine Tochter sehr gut verstehen. Ich hab schon immer gesagt, da Schule ja immer so schön schwätzt von einer "Erziehungspartnerschaft", dass, wenn ich meine Kinder so erzogen oder behandelt hätte, wie die Lehrer das tun, sie schon lange ein seelisches Wrack geworden wären. Ich würde so nie meine Kinder behandeln und doch schreibt sich Schule "Erziehung" auf die Federn. Das was Du beschrieben hast, wie deine Tochter ihren Lehrer empfindet, hätte auch die Beschreibung vieler (nicht aller) Lehrer meiner Kinder gewesen sein können. Da sehe ich leider keine Unterschiede. Wenn man jetzt ein sensibles Kind hat ist das in Kombination eine Katastrophe. Mit dem IQ, dem können oder nichtkönnen hat das überhaupt nichts zu tun.

Ich wünsche Euch, dass Ihr baldig eine gute Lösung finden werdet. Da werdet Ihr wohl einfach probieren müssen.
alibaba
 

Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon sinus » Mo 15. Jun 2020, 13:19

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@sinus

Mein "NEIN" Kind ist bald 14. Ich hätte in der Absprache mit ihm so eine Email selber geschrieben, um der Diskussion aus dem Weg zu gehen und die Nerven auf der beiden Seiten zu sparen. Ich habe das Gefühl, dass du dich noch nicht von dem Konzept verabschiedet hast, dem Kind den richtigen Weg zu zeigen, wie man lernt. Ich kann dir aus der eigenen Erfahrung voraussagen. Dein Kind wird deine Vorschläge nicht akzeptieren. Du kannst nur den Teil kontrolieren, der deinem direkten Einfluss unterstellt ist: also hinsetzen und gemeinsam was machen. Lerntechniken, Systeme, Optimierungsvorschläge werden von den autonomen Kindern erst dann akzeptiert, wenn sie selber danach fragen. Zusammengefasst: du kannst den Wissensstand durch direkte Kontrolle verbessern, aber nicht die Vorgehensweise. Die Idee, dass dein Kind für die Unter/Mittelstufe systematisch lernt und sich auf Unterricht und Proben systematisch vorbereitet kannst du vergessen. Vielleicht kommt es in der Oberstufe.


Es gab ja gar keine Diskussionen um die Mail. Sie wollte auch selbst wissen, was sich sich anschauen muss, wollte von mir auch keine Hilfe bei der Mail und hat sogar vorhin, ohne dass ich was sagte und bevor die Antwort des Lehrers da war, schonmal im Mathehefter "gestöbert". Obwohl ja noch gut 10 Tage Zeit sind.

Also der Geist ist willig, aber das Fleisch... bzw die negativen Emotionen rund um das Thema nehmen offensichtlich sehr viel Raum ein...
Das ist auch immerwieder ein zentrales Problem für sie. Vernunftsmäßig ist sie sehr reif, aber emotional kommt sie nicht hinterher. Und das Schlimme ist, dass sie das selbst so genau wahrnimmt und darunter zusätzlich leidet. Und zwar leidet sie scheinbar genauso darunter, etwas zu unterdrücken, wie auch, es in all der Heftigkeit rauszulassen.

Sehr beeindruckend war das zu sehen am letzten Filmchen, das sie gerade heute früh fertig gemacht hat.
Es heißt "Meine dunkle Seite" und es geht um ein Mädchen, was immemal wieder eine anderes, schwarz gekleidetes Mädchen ohne Gesicht in ihrer Nähe sieht, was erst einfach nur so rumsteht, dann aber auch mal jemanden angreift/wehtut. (einmal jemanden, der sie geärgert hat, einmal jemanden, auf den sie eifersüchtig ist, weil er mit ihrer Freundin rumhängt und einmal den kleinen Bruder, der sie nervt)
Sie fragt sich jedes Mal, wer das wohl ist, bis sich am Ende des Filmes herausstellt, dass es die "dunkle Seite" ihres Selbst, also sie selbst ist.
Am Anfang des Filmes fragt ihre Freundin sie übrigens: "Warum versteckst du deine Dämonenform?" und sie antwortet: "Sie meinen, Dämonen sind Freaks"

Ich finden den Film total krass. Also wie sie das alles so verarbeitet.
Bspw hat sie selbst Katzenohren und Dämonenhörner, die sie aber wie gesagt versteckt. (Die werden nur bei der Vorstellung der Figuren kurz gezeigt)
Die Mutter hat auch Katzenohren, der Vater hat Hörner, der kleine Bruder hat auch Hörner.
Wenn ich mal wild herumpsychologisieren darf: Die Katzenohren sind das anschmiegsame, weiche. Darum auch mit mir als Mutter verbunden. Ihre väterlichen Anteile in sich kennt sie nicht sonderlich gut, die sind ihr unbekannt, fremd, denn er lebt ja nicht mit uns zusammen. (er lebt im Ausland). Die kleine Schwester (im Film Bruder) ist übrigens optisch ihrem Vater unglaublich ähnlich. Vielleicht hat sie darum die Hörner bekommen.
Vermutlich erzählt der Film also nicht nur etwas über unterdrückte Gefühle, sondern auch über eine Identitätssuche...
Zuletzt geändert von sinus am Mo 15. Jun 2020, 16:59, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Katze_keine_Ahnung » Mo 15. Jun 2020, 14:09

@sinus

der Film gefällt mir überhaupt nicht. Der Kluft zwischen "ist" und "soll" bei deinem Kind ist sehr tief und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Problem sich mit den ersten Hormonschüben noch weiter verstärkt. Die Identitätssuche ist zwar typisch, aber die Unzufriedenheit in dem Maße bezogen auf die Psyche, die kräftige Unterdrückung der vermeintlich dunklen Seite (aber eigentlich der spontanen Gefühle) eher nicht. Viele Jugendliche sind kräftig unzufrieden mit ihrem Äußeren, mit den Finanzen, mit dem Freundekreis, aber so eine tiefe Sinnierung über das eigene Ich sehe ich zum ersten Mal. Dabei ist deine Tochter dem Alter nach vermuttlich erst in der Vorpubertät. Ich kann deiner Tochter einen relativ flachen Film empfehlen über die perfekte Welt ohne schlechte Gefühle, und über die Vorteile doch welche zu haben. Das ist eher ein Jugendfilm als was tiefes für Erwachsene:

https://www.imdb.com/title/tt0435651/?ref_=fn_al_tt_1
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Re: Matheproblem meiner Tochter/Lehrergespräch: RAT?

Beitragvon Twochild » Mo 15. Jun 2020, 14:50

Katze_keine_Ahnung hat geschrieben:@sinus

der Film gefällt mir überhaupt nicht. Der Kluft zwischen "ist" und "soll" bei deinem Kind ist sehr tief und es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Problem sich mit den ersten Hormonschüben noch weiter verstärkt. Die Identitätssuche ist zwar typisch, aber die Unzufriedenheit in dem Maße bezogen auf die Psyche, die kräftige Unterdrückung der vermeintlich dunklen Seite (aber eigentlich der spontanen Gefühle) eher nicht. Viele Jugendliche sind kräftig unzufrieden mit ihrem Äußeren, mit den Finanzen, mit dem Freundekreis, aber so eine tiefe Sinnierung über das eigene Ich sehe ich zum ersten Mal. Dabei ist deine Tochter dem Alter nach vermuttlich erst in der Vorpubertät. Ich kann deiner Tochter einen relativ flachen Film empfehlen über die perfekte Welt ohne schlechte Gefühle, und über die Vorteile doch welche zu haben. Das ist eher ein Jugendfilm als was tiefes für Erwachsene:

https://www.imdb.com/title/tt0435651/?ref_=fn_al_tt_1


Ich empfehle das entsprechende Buch "Hüter der Erinnerung". Bei meiner Tochter war das Schullektüre und sie fand das Buch deutlich besser, als den Film.
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